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Alles fließt – egal ob Katholik oder Kommunist

Gästebuch: Der eine tadelt die "gottlose Gesellschaft", der andere will selbstverständlich schwule Christen segnen – Gregor Gysi (Kommunist) und Bischof Timmerevers (Katholik). Beide bewegen sich.

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Rein äußerlich könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein. Hier der groß gewachsene Südoldenburger aus Nikolausdorf, der schon von der Person her – wie wir hier zu sagen pflegen – etwas hergibt, einer, der sowohl Bauer sein könnte als auch Bauern-Präsident. Und dort der kleine, quirlige Glatzkopf; 164 Zentimeter groß, nicht auf den Mund gefallen und mit Ironie und Sarkasmus bestens vertraut.

Der Junge aus dem Südoldenburger Kaff, Schüler des Clemens-August-Gymnasiums in Cloppenburg, Theologiestudent in Münster und Freiburg, Primiz und dann Offizial für das Oldenburger Münsterland: Heinrich Timmerevers, der seine Herkunft nicht verleugnen kann.

Rechtsanwalt ist er von Beruf, der Mann aus Berlin. Dort, also in Ost-Berlin, geboren und aufgewachsen. Bekannt geworden als Verteidiger auch von Regimekritikern, umstritten wegen möglicher Kumpanei mit den DDR-Genossen, Vorsitzender der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in der DDR, dann Chef der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) und immer noch Mitglied der Fraktion der Partei "Die Linke" im Bundestag. Gregor Gysi, totgesagt und auferstanden und immer noch im öffentlichen Diskurs.

"Denn der Kommunist und der Katholik verließen breite Pfade ihrer Biografie und wagten sich was."Otto Höffmann

Es war die Katholische Akademie in Stapelfeld, die beiden Persönlichkeiten die Bühne bot. Und beide ließen sich nicht lumpen. Denn der Kommunist und der Katholik verließen breite Pfade ihrer Biografie und wagten sich was.

Bei Heinrich Timmerevers hat die Kirche natürlich selber Schuld. Wenn man ihn in Vechta im Offizialat belassen hätte, wäre das vielleicht nicht passiert. Denn dort, im Ort und Hort der konservativ-katholischen Welt, schaltet und waltet man eher wie einst. Das macht ja auch sein Nachfolger nicht anders.

Nein, die Kirche schickte Heinrich Timmerevers nach Dresden, als Bischof für die Barockstadt und ihren Nachbarort Meißen. Also mitten in das einstige Tal der Ahnungslosen und Gottlosen, dort, wo die Katholiken exotische Ausnahmen sind. Ein Kulturschock.

Begegnung mit Christen, die "queer" sind, hat Timmerevers nachhaltig bewegt

Das Sein bestimmt das Bewusstsein, sagte ein großer Kommunist und Bischof Heinrich berichtet jetzt von seinen Begegnungen mit schwulen, lesbischen oder transsexuellen Christen. Was ihn „nachhaltig“ bewegt habe. Und selbstverständlich werde er homosexuelle Paare segnen. Kirche müsse sich da neu orientieren. Da sag' noch einer was!

Und der Linke? Der steht ihm in nichts nach. Er, als Kommunist ja gewissermaßen von Geburt an Atheist, der mithalf, dass die Kirche in der DDR nicht auf die Füße kam und vieles im Verborgenen machen musste, der spricht jetzt in Stapelfeld für ein „Vertrauen“ der Kirche. Seine große Befürchtung sei eine „gottlose Gesellschaft“. Also, „da schnack' du mit dei Kauh Französisch“, sagte der Opa immer zu solchen Volten. Oder reift da noch das Alter nach?

Alles fließt, sagten die Griechen, und das gilt für den Bischof unter Sozialisten und den Sozialisten unter Katholiken wohl auf jeden Fall.


Zur Person:

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