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Alleinerziehende haben es besonders schwer

Vom Behördengang bis zur Jobsuche erleichtert das Projekt "Famos" sozial benachteiligte Familien den Alltag. Das Konzept geht auf, die Finanzierung steht allerdings auf wackligen Füßen.

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Ziehen positives Fazit (von links): Florian Schiller, Annika Ricke, Klaus Karnbrock (Caritas), Christiane Johannes, Karin Klöker-Ferneding (Bildungswerk), Schulsozialarbeiterin Natalie Behre, Alexandra Richter und Jobcoach Werner Katzer. Foto: Meyer

Ziehen positives Fazit (von links): Florian Schiller, Annika Ricke, Klaus Karnbrock (Caritas), Christiane Johannes, Karin Klöker-Ferneding (Bildungswerk), Schulsozialarbeiterin Natalie Behre, Alexandra Richter und Jobcoach Werner Katzer. Foto: Meyer

Kürzlich war er da, dieser Moment, auf den Werner Katzer so lange hingearbeitet hatte. Als die junge alleinerziehende Mutter, die der Jobcoach betreut,  strahlend den Schlüssel zu ihrer neuen Wohnung entgegennahm, freute er sich herzlich mit. Ziel erreicht, wieder einmal! Oder wie Katzer sagen würde: "Einfach 'Famos'". 

"Famos" (Familien optimal stützen) lautet der Name eines kreisweiten Projekts, an dem neben dem katholischen Bildungswerk auch das Caritas-Sozialwerk sowie weitere Partner beteiligt sind. Nach 2-jähriger Laufzeit fällt das Fazit positiv aus. Die Nachfrage sei hoch, sagt Projektleiterin Christiane Johannes. "Kreisweit liegen wir deutlich über dem Soll." Die bis Ende 2022 eingeforderte Teilnehmerzahl sei längst überschritten. Schon jetzt stehe daher fest, dass "Famos" ein Erfolg sei, betont Johannes. 

Das Netzwerk unterstützt Familien, die soziale Leistungen beziehen, mittelfristig aber wieder auf eigenen Beinen stehen möchten. Und von denen gebe es nicht wenige, sagt Natalie Behre. Die Sozialarbeiterin der Löninger Gelbrink-Grundschule kennt Eltern, die zwar Tag und Nacht schuften, am Ende aber trotzdem nur mit Müh und Not über die Runden kommen. Am schwersten hätten es alleinerziehende Mütter, vor allem dann, wenn sie im Schichtdienst arbeiten. Ihnen hilft "Famos" bei der Suche nach einer passenderen Arbeitsstelle. Das gelinge auch gemeinsam mit den Firmen, sagt Werner Katzer. Ganz wichtig sei die Zusammenarbeit mit den verschiedenen kommunalen  Angeboten: "So verhindern wir, dass es zu einer Doppelbetreuung kommt." 

Stützpunkte in allen Kreis-Kommunen

"Famos" hat inzwischen Stützpunkte in allen 13 Kommunen. In Löningen betreut das Projekt zurzeit acht Familien, insgesamt waren es bereits mehr als zwei Dutzend. Für die Besprechungen nutzt Werner Katzer die Geschäftsstelle des Bildungswerks am Gelbrink. Oft ist er aber auch unterwegs und sucht die Familien direkt auf.  Viele haben Migrationshintergrund, aber beileibe nicht alle, betont der Coach. Ihm ist die Herkunft seiner Klienten ohnehin egal. "Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt." Während des Lockdowns gelang es ihm, die meisten Kontakte zu halten.  

Bislang lebt das Projekt weitgehend von der Mund-zu-Mund-Propaganda. Das klappe gar nicht schlecht, weiß Bildungswerk-Geschäftsstellenleiterin Alexandra Richter. "Trotzdem wissen viele Leute nicht, welche Möglichkeiten sie direkt vor Ort finden können." Wer dahinterkommt, lernt das Angebot schnell zu schätzen. "Die Eltern nehmen es super an", berichtet Nathalie Behre. Auch Werner Katzer ist zufrieden. Bis zu 60 Arbeitsstunden investiert er in die Beratung einer einzelnen Familie. Von dem niederschwelligen Ansatz ist er überzeugt: "Niemand muss Angst haben, wenn er zu uns kommt." 

Projekt läuft Ende 2022 aus

So könnte es eigentlich weitergehen. Doch die Tage des Projekts sind gezählt. Im Dezember kommenden Jahres läuft es aus, über eine Verlängerung wird voraussichtlich im Frühjahr entschieden. Klaus Karnbrock, Bereichsleiter des Caritas-Sozialwerks, würde sie sich ebenso wünschen, wie die übrigen Beteiligten. Die Zusammenarbeit klappe bestens und die Ergebnisse sprächen ja für sich. Allerdings hängt "Famos" von EU-Mitteln ab. Werden sie erneut bewilligt, hätten die Familienberater wenigstens für einige Jahre Planungssicherheit. Und wenn nicht? "Dann müssen wir die Zeit, die wir haben, nutzen und das Beste für die Menschen erreichen, die zu uns kommen", sagt Christiane Johannes.

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