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Alle Schlüsselbranchen unter Druck: Debatte um Zukunft der Region ist im vollen Gang

Zwei Veranstaltungen der Uni Vechta thematisieren die Perspektiven der Agrar- und Ernährungswirtschaft, der Kunststoffindustrie sowie der Automobilzulieferer. Fest steht: Ohne Wandel geht es nicht.

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Digitalisierung im Stall: Mit einer App lässt sich das Tierwohlmanagement verbessern. Das ist ein Beispiel für die Tierhaltung der Zukunft. Foto: dpa /Rehder

Digitalisierung im Stall: Mit einer App lässt sich das Tierwohlmanagement verbessern. Das ist ein Beispiel für die Tierhaltung der Zukunft. Foto: dpa /Rehder

Die Debatte über die Zukunft der Region ist im vollen Gang. Denn: Alle drei wesentlichen Wirtschaftsbereiche, die für Wohlstand in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg sorgen, stehen massiv unter Druck. Der Agrar- und Ernährungssektor, die Kunststoffindustrie und die Automobilzuliefererbranche haben dabei dieselben Herausforderungen zu meistern.

Veränderte gesellschaftliche Erwartungen sind zu erfüllen. Das Klima sowie Umwelt und Natur müssen konsequenter geschont werden, wobei hier bereits strengere Gesetze gelten oder absehbar sind. Außerdem gilt es, die Digitalisierung voranzubringen.

Wie die drei Schlüsselbranchen der Region ihre Transformation (Wandel) gestalten und welche Rahmenbedingungen die Politik dafür schafft - davon hängt ab, welche Entwicklungsperspektiven sich vor Ort insgesamt ergeben. Rund um diesen Themenkomplex lädt die wissenschaftliche Koordinierungsstelle Transformationsforschung Agrar Niedersachsen (Trafo-Agrar), die an der Universität Vechta angesiedelt ist, zu zwei Online-Veranstaltungen. Ein Überblick:

Zukunft der Agrar- und Ernährungsbranche:

Um diesen zentralen Wirtschaftsbereich im Nordwesten geht es in der digitalen Konferenz am 2. März (Dienstag) von 9 bis 11.30 Uhr. Es handelt sich zugleich um den Abschluss der Reihe "Dynamic Agri-Food Systems im Oldenburger Münsterland", die aus dem regionalen Leader-Programm gefördert wird. Das Grußwort spricht der Lohner Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer als Vorsitzender der "Lokalen Aktionsgruppe" (LAG) zum Leader-Programm.

Die Fragestellung des Programms lautet: "Woher kommen wir, wo stehen wir aktuell, wohin gehen wir?" So erläutert es Dr. Barbara Grabkowsky, die Leiterin von Trafo-Agrar. Sie verspricht ein "lebhaftes interaktives Format". Denn die Moderatorin Tanja Föhr werde auch live ein Zukunftsbild zeichnen, und zwar im ganz wörtlichen Sinne nach dem Verfahren des "Graphical Recording". Dabei werden Prozesse, Inhalte und Ergebnisse in einer Kombination aus Text und Bildern sichtbar gemacht.

Eingangs wird Werner Schwarz, der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein dieser Frage nachgehen: "Wo liegt die Zukunft der Landwirtschaft?" Anschließend ist der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF), Ex-Agrarminister Uwe Bartels, an der Reihe mit einem Impulsstatement.

Zur Runde der Podiumsdiskussion gehören: Professor Dr. Alfons Bahlmann (Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Tranformationsökonomien in Halle), Sarah Dhem (Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie), Stefan Teepker (Landwirt und Vorsitzender des Bundesverbandes Bäuerlicher Hähnchenerzeuger) und Professor Dr. Ludwig Theuvsen (Staatssekretär im niedersächsischen Agrarministerium).

Lebhaftes interaktives Format: Dr. Barbara Grabkowsky. Foto: Tzimurtas"Lebhaftes interaktives Format": Dr. Barbara Grabkowsky. Foto: Tzimurtas

Theuvsen wird zudem im Vorfeld der Diskussionsrunde zur kürzlich vorgestellten niedersächsischen Nutztierstrategie Stellung beziehen. Auf das Thema ist ein besonderer Fokus gerichtet, da das 12-seitige Papier für viel Kritik in der hiesigen Agrar- und Ernährungsbranche gesorgt hat (OM online berichtete).

Teil der Strategie soll ein Abbau der Tierhaltung im Nordwesten sein. Die Sorge vor einer extremen Schwächung des Wertschöpfungssystems im Oldenburger Münsterland geht seither um. Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hatte zwar im Interview mit OM online versichert, dass sie keinen Abbau der Tierhaltung im Nordwesten plane, doch Branchenvertreter haben weiteren Klärungsbedarf. Es seien viele E-Mails zur Nutztierstrategie eingetroffen, berichtete Grabkowsky. Es gab vorab die Möglichkeit, "Zukunftsfragen" an die Veranstalter zu schicken

Der AEF-Vorsitzende Bartels will in seinem Kurzvortrag darlegen, dass die Agrar- und Ernährungsbranche der Region bereit sei, die gesamten von der Gesellschaft formulierten Herausforderungen anzunehmen. Er will dabei auch auf die "Stärken durch die funktionierende Wertschöpfungskette" eingehen.

Die Transformation der Branche soll mit Innovationen bestritten werden, "weil wir glauben, dass es auf diesem Wege am ehesten ohne Strukturbrüche gelingt", erläuterte Bartels. Er appelliere an die Landes- und Bundesregierung, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, "dass Innovationen nicht konterkariert werden und nicht falsche Signale gesendet werden, die sich nachteilig auf die Transformationsbereitschaft auswirken." Damit bezog er sich auf die Nutztierstrategie der Landesregierung.

Das Schlusswort spricht Professorin Dr. Barbara Sturm. Sie ist Wissenschaftliche Direktorin des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie in Potsdam. Zu den Kooperationspartnern der Veranstaltung zählt auch die Online-Plattform "F3" (Farm.Food.Future).

Zukunftsworkshop Nordwest:

Hierzu gibt es am 3. März (Mittwoch) von 8 bis 12.30 Uhr die digitale Auftaktveranstaltung. Der Titel lautet: "Die Welt im Wandel – die Schlüsselbranchen in der Metropolregion Nordwest gestalten Transformation gemeinsam". Ziel ist es, angesichts der Herausforderungen für die drei zentralen Wirtschaftszweige in den Bereichen Innovationskraft, Digitalisierung und Klimawandel gemeinsam Wege zu finden, um Erfolg versprechende Strategien zu entwickeln.

"Wir sind der Meinung, dass man durch den crosssektoralen Austausch sehr viele Potenziale identifizieren kann."Dr. Barbara Grabkowsky, Leiterin von Trafo-Agrar

Die Agrar- und Ernährungsbranche, die Kunststoffindustrie und die Automobilzulieferer – sie stünden "am Scheideweg" mit ähnlichen Herausforderungen, erklärte Grabkowsky. Und: "Wir sind der Meinung, dass man durch den crosssektoralen Austausch sehr viele Potenziale identifizieren kann", führte die Leiterin von Trafo-Agrar aus.

Kooperationspartner der Veranstaltung sind das AEF, die Metropolregion Nordwest, "Automotive Nordwest" und das Oldenburger Energiecluster OLEC. In der Podiumsdiskussion bringen sich ein: Stefan Muhle (Staatssekretär im niedersächsischen Wirtschaftsministerium), Professor Dr. Hans-Jürgen Pfisterer (Hochschule Osnabrück), Bernhard Bihr (Experte für Automotive und agile Führung) sowie Dr. Hermann Küster (Coach für innovative Entscheider). Die Moderation übernimmt Professorin Dr. Karin Schnitker (Hochschule Osnabrück).

Info: Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit unter: www.uni-vechta.de/koordinierungsstelle/veranstaltungen

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