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Alfons Wobbeler hat "Bock auf Streit"

Bei der Veranstaltung "Bock auf Streit" wird miteinander diskutiert und debattiert. Die Teilnehmer sollen dabei vor allem eines lernen: wie man sich "richtig" streitet.

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Julian Hülsemann (links, KVHS) und Alfons Wobbeler (rechts, Teilnehmer) sind neugierig auf den Workshop.  Foto: Heinzel

Julian Hülsemann (links, KVHS) und Alfons Wobbeler (rechts, Teilnehmer) sind neugierig auf den Workshop.  Foto: Heinzel

Alfons Wobbeler ist 68 Jahre alt und hat "Bock auf Streit". Der gebürtige Steinfelder war aktiver Gewerkschafter und ist der Meinung: "Das Problem ist, dass zu wenige diskutieren. Man muss das Streiten wieder lernen." Folgerichtig nimmt er am kostenfreien Workshop "Bock auf Streit" teil. Am 26. November (Samstag) zwischen 10 und 18 Uhr treffen idealerweise Menschen aus unterschiedlichen sozialen Kreisen aufeinander und gestalten gemeinsam Regeln zum Diskutieren – und tun dies dann auch.

Wichtig dabei ist: Es soll nicht belehrt, sondern zusammen ein Rahmen für Kommunikation erarbeitet werden. Organisiert wird die Veranstaltung von der Kreisvolkshochschule (KVHS) in Vechta mit einigen Kooperationspartnern. Die beiden vorgesehenen Referenten bringen eine breite Palette an Erfahrungen aus der Gesprächsführung, Gruppendiskussionsführung und der Systemischen Beratung mit. Da sie in der Antidiskriminierungsarbeit tätig seien, möchten sie in der Öffentlichkeit weitestgehend anonym bleiben.

„Streit bedeutet, Verantwortung für seine Meinung zu übernehmen und diese auch zu hinterfragen.“Alfons Wobbeler, Workshopteilnehmer

Julian Hülsemann von der KVHS sagt über die aktuelle Diskussionskultur in der Gesellschaft: "Wir streiten, um Recht zu haben. Unsere eigene Meinung ist erhaben. Der Streit dient nicht mehr dem Austausch von Informationen und Argumente, und das ist schade." Alfons Wobbeler sieht darüber hinaus einen bedenklichen Rechtsruck innerhalb der europäischen Gesellschaften und möchte etwas dagegen tun. Er sagt: "Streit bedeutet, Verantwortung für seine Meinung zu übernehmen und diese auch zu hinterfragen." Julian Hülsemann ergänzt: "Wir leben in einem Land, in dem wir Meinungsfreiheit haben, und Meinungsfreiheit ist ein besonders hohes Gut."

Alfons Wobbeler möchte dazulernen und sich mit Themen beschäftigen. Natürlich habe er eine Meinung, aber er sei bereit, diese zu hinterfragen und offen für andere Ansichten zu sein. Und genau darum gehe es, teilen die Referenten mit. Dabei sei Zuhören – und zwar das richtige Zuhören – ein ganz entscheidender Faktor. Die Organisatoren schreiben dazu auf ihrem Flyer: "Oft ist das größte Problem in der Kommunikation, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen. Wir hören zu, um zu antworten.“

Bock auf Streit: Ein Samstag, 24 Teilnehmende und 7 Stunden Workshop

"Bock auf Streit" findet an einem gesamten Tag in der Kreisvolkshochschule Vechta statt. Dabei lernen die Teilnehmer in 7 Stunden Konflikten konstruktiv zu begegnen. Derzeit ist die Veranstaltung auf 24 Mitwirkende begrenzt. Vorbild für den seit einem halben Jahr vorbereiteten Workshop sind die Braver Angels in den USA. Die Organisation setzt sich für die Überwindung der Spaltung der Gesellschaft ein, indem Gemeinsamkeiten und Kompromisse gefunden werden.

Einer der Referenten sagt, es gehe im Workshop darum, das Gegenüber mit seinen Bedürfnissen und Beweggründen wieder wahrzunehmen, den Menschen hinter der Meinung wahrzunehmen, die aktuellen Polaritäten aufzubrechen und sich über den Dialog kennenzulernen. Das Handlungskonzept der "gewaltfreien Kommunikation" nach Marshall Rosenberg könne hier hilfreich sein.

"Wir brauchen mehr Streit, aber die richtige Art von Streit, und das wäre eine echte Auseinandersetzung mit den Argumenten der Gegenseite!"Simon Wolf, selbstständiger Rhetorik- und Kommunikationstrainer 

Der Workshop sei extrem wertvoll und wichtig meint Simon Wolf. Der 45-Jährige ist selbstständiger Rhetoriktrainer aus Tübingen und Gründungsmitglied des Vereins "Streitkultur" und des dabei entwickelten Formats der offenen parlamentarischen Debatte. Der Tübinger verweist aber darauf, dass es bei einer vernünftigen Diskussion entweder eine Instanz geben müsse, die für die Einhaltung der vereinbarten Regeln sorgt oder ein Konsens existieren muss, dass die selbst gesetzten Regel eigenverantwortlich eingehalten werden.

Simon Wolf ist jedenfalls der Meinung: "Wir brauchen mehr Streit, aber die richtige Art von Streit, und das wäre eine echte Auseinandersetzung mit den Argumenten der Gegenseite!" Die Workshop-Organisatoren sprechen von einer fortdauernden Dialogbereitschaft und -fähigkeit und würden sich wünschen, dass aus der Veranstaltung eine Art Dialogstammtisch entstehen würde, an dem wert- und gewaltfrei Meinungen ausgetauscht werden können.

Info: Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter pfd-vechta.de/lass-sprechen.

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