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Achtung, Kröten sind jetzt auf Wanderschaft!

Holdorfer Oberschüler haben wieder Fröschen und Molchen über die Straße geholfen. In Eimern sammeln sie die Tiere ein, zählen und bestimmen sie.

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Unterricht zum Anfassen: Bernard Schonhöft gibt den Schülern behutsam ein Erdkröten-Pärchen in die Hände. Foto: Röttgers

Unterricht zum Anfassen: Bernard Schonhöft gibt den Schülern behutsam ein Erdkröten-Pärchen in die Hände. Foto: Röttgers

„Eine Kröte schlucken“ – das ist eine bekannte Redensart und bedeutet im übertragenen Sinne, etwas ziemlich Unangenehmes hinnehmen zu müssen. Diese Floskel hat in der Natur ihren wahren Ursprung. Denn eigentlich schützt ihr giftiger Schleim Kröten davor, von ihren Feinden einfach mir nichts dir nichts geschluckt zu werden. Doch vor ihrem Feind Nummer 1 ist dieser Schutzmechanismus leider wirkungslos: Autos, die sie auf ihrem Weg zum Laichgewässer einfach zerquetschen. Da benötigen sie Hilfe. Aus diesem Grund war jetzt wieder Arbeits- und Rettungseinsatz für die Mitglieder der Naturschutzbund-Arbeitsgemeinschaft (Nabu-AG) der Georg-Kerschensteiner-Schule am Diekhausener Weg in der Ortschaft Grandorf bei Holdorf angesagt.

Denn die Schule hat seit nunmehr 10 Jahren eine Patenschaft übernommen, Kröten und andere Tiere zu retten. Immer im Frühjahr, wenn Kröten ihre Wanderung zu ihren Laichgebieten starten, kontrollieren die Holdorfer Schülerinnen und Schüler begeistert die Straßenabschnitte und übernehmen so den praktischen Amphibienschutz. Denn seit nunmehr 30 Jahren werden zum Ende des Winters entlang bestimmter Straßenabschnitte im gesamten Landkreis Vechta sogenannte Amphibienschutzzäune und –planen aufgebaut und errichtet. So soll vermieden werden, dass Kröten, Frösche oder Molche auf ihrer Wanderung zu ihren Laichgewässern qualvoll überfahren werden.

Plane soll die Tiere vor Gefahren schützen

Eine solche Gefahrenstelle für die Amphibien befindet sich auch entlang des Diekhausener Weges. Auf 150 Metern Länge ist hier eine Plane entlang des Straßenrandes gespannt, damit Frösche, Kröten und Molche nicht einfach auf die Straße gelangen und sinnlos überfahren werden. „Alle Amphibien kehren nämlich instinktiv immer wieder zu ihrer eigenen Geburtsstätte zurück“, klärt Bernard Schonhöft vom Naturschutzbund über das Verhalten der Tiere auf.

Ganz vorsichtig: Nele Horst und Sophia Frömmel (rechts) helfen bei der Krötenwanderung. Foto: RöttgersGanz vorsichtig: Nele Horst und Sophia Frömmel (rechts) helfen bei der Krötenwanderung. Foto: Röttgers

Die Kriechtiere könnten sich bereits im Stadium als Kaulquappe ihr eigenes Gewässer einprägen. „Geschlechtsreif wollen sie dann zurück zu dem Gewässer, in dem sie selber geboren wurden. Dafür scheint ihnen kein Weg zu weit oder zu gefährlich“, informiert der Schonhöft. Kröten und andere Kriechtiere achten bei ihrer Wanderung zu ihren Laichplätzen aber natürlich nicht auf den Straßenverkehr und geraten so oft unter die tödlichen Räder. Bis zu 3 Kilometer Strecke legen die paarungsbereiten Tiere so zurück. „Die kleineren Kröten-Männchen lassen sich bequem Huckepack von den Weibchen zum Teich tragen, um dort zu laichen“, erklärt Schonhöft.

Mehr als 70 Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge 5 bis 10 der Oberschule Holdorf nehmen in diesem Schuljahr an diesem freiwilligen Angebot unter der Leitung von Lehrerin Claudia Totzke und Konrektor Michael Averbeck teil. In Eimern sammeln sie die Tiere ein, zählen und bestimmen sie. Anschließend werden sie sicher über die Straße zu ihrem Laichgewässer hinübergetragen. Das ist Unterricht zum Anfassen.

Hunderte Tiere werden über die Straße getragen

„Ein bisschen glitschig und kalt fühlen sie sich schon an“, sagt die 10 Jahre alte Luna Korte über ihren erstmaligen Krötenkontakt. „Das Männchen ist ja ganz schon faul“, urteilt ihre 13 Jahre alte Mitschülerin Leonie Knälmann über den Umstand, dass sich das Männchen vom Weibchen einfach nur tragen lässt. Der 16 Jahre alte Luca Echtermann sieht in der Rettungsaktion „eine gute Sache für die Umwelt“. Der Zehntklässler ist bereits seit seinem 5. Schuljahr ununterbrochen engagiert. Dem stimmt sein Mitschüler Maximilian Koldehoff zu: „Wir müssen doch die Kröten vernünftig über die Straße bringen." Alleine am Diekhausener Weg können dadurch jährlich etwa 500 Erdkröten, manchmal sogar Grasfrösche, und schätzungsweise 150 Berg- und Teichmolche sicher ihre Laichgewässer erreichen.

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