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Acht Sekunden Aufmerksamkeit

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Auch wenn ich kein Fan von Neujahrsvorsätzen bin, gibt es eine Sache, die ich mir immer wieder vornehme: mehr lesen.

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Eigentlich halte ich nicht viel von dem Konzept Neujahrsvorsätze. Eine Sache gibt es da aber, die mir wichtig ist: Ich nehme mir jedes Jahr vor, mich abseits von Bildschirmen und Bewegtbildern zu entschleunigen und mal wieder zu einem guten Buch zu greifen.

Ein Leben abseits der digitalen Welt scheint kaum noch möglich, und gerade durch Lockdowns und Beschränkungen in der Corona-Pandemie sind Smartphone und die sozialen Medien für viele von uns zu einem Fenster nach draußen geworden. Schließlich können wir dauerhaft in Verbindung bleiben und sind stets auf dem neuesten Stand. Gleichzeitig ist das Medium Text in Gefahr: Laut einer Studie lesen die 14- bis 29-Jährigen nur noch zwei Minuten am Tag Zeitungen und Zeitschriften, die Gesamtnutzung von Text (online/offline) fiel von 64 auf 54 Minuten.

Durch die vielen Plattformen im Netz und die ständige Verfügbarkeit von neuen Inhalten ist auch meine Aufmerksamkeit gesunken. Sprich: Die Auswahl im Netz zum Informieren und Unterhalten ist riesig. Dort den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach. Egal ob Youtube-Videos oder ein Serienmarathon auf einer Streaming-Plattform, die Möglichkeiten sind schier endlos – ein Zeitvertreib lässt sich für mich also immer finden. Da gerät meine (lange) Leseliste schnell ins Hintertreffen. Finde ich also nur noch online statt?

Mitte 2015 erzielte eine kanadische Studie weltweit mediale Aufmerksamkeit. Die Untersuchung stellte die Behauptung auf, Menschen hätten inzwischen eine geringere Aufmerksamkeitsspanne (acht Sekunden) als ein Goldfisch (neun Sekunden). Schließlich wecken digitale Inhalte meine Neugier und als Digital Native möchte ich auch keinen neuen Trend verpassen. Die große Auswahl an Informationen und Unterhaltung muss aber erst einmal gefiltert werden, die Folge: Ich springe von einem Inhalt zum nächsten. Somit ist mein Verhalten auch Gift für meinen Neujahrsvorsatz, das Fazit: In der heutigen Medienflut geht der Reiz des Buches einfach unter.

"Durch Bücher werde ich dazu angeregt, meine eigene Vorstellungskraft zu nutzen und ich kann abschalten von der medialen Dauerbeschallung."Meike Wienken

Trotzdem ist es mir jedes Jahr erneut ein Anliegen, mehr (offline) zu lesen. Durch Bücher werde ich dazu angeregt, meine eigene Vorstellungskraft zu nutzen, und ich kann abschalten von der medialen Dauerbeschallung. Neue Themenbereiche kennenlernen und verstehen, Lebenserfahrungen sammeln und allgemein den Horizont erweitern, das sind nur einige Aspekte, die mich für das Lesen begeistern. Gleichzeitig lerne ich, mich wieder besser zu konzentrieren.

In diesem Zusammenhang kam die kanadische Studie allerdings auch zu dem Ergebnis, dass Menschen, die sich häufig mit digitalen Medien auseinandersetzen, Informationen intensiver und effizienter aufnehmen sowie Relevantes schneller herausfiltern. Wir haben dank der vielfältigen Möglichkeiten, Medien zu konsumieren, also die Fähigkeit entwickelt, mehr Informationen in kürzerer Zeit aufzunehmen und zu verarbeiten. Zusätzlich können wir heute besser denn je multitasken und die entscheidenden Inhalte, die wichtig für uns sind, schneller finden.

Ob wir Menschen jetzt tatsächlich eine geringere Aufmerksamkeitsspanne haben als Goldfische oder nicht – sich mehr gute Bücher vorzunehmen wird bei mir, einfach wie in jedem Jahr, immer auf der To-do-Liste stehen.


Zur Person:

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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