Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Abwassergebühr in Steinfeld soll 2022 drastisch ansteigen

Die Empfehlung lautet, die Abgabe von bisher 1,20 auf 1,50 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser zu erhöhen. Gleichzeitig beabsichtigt die Gemeinde, eine monatliche Grundgebühr einzuführen.

Artikel teilen:
Momentaufnahme: Alle paar Minuten wird das Klärbecken bewegt und zusätzlicher Sauerstoff zugeführt. Foto: Röttgers

Momentaufnahme: Alle paar Minuten wird das Klärbecken bewegt und zusätzlicher Sauerstoff zugeführt. Foto: Röttgers

Die Abwassergebühr in Steinfeld steigt 2022 voraussichtlich drastisch an. Die Mitglieder des Betriebsausschusses haben in jüngster Sitzung mehrheitlich eine Preisanhebung von bisher 1,20 auf 1,50 Euro pro Kubikmeter Abwasser ab dem 1. Januar 2022 empfohlen. Gleichzeitig soll eine Grundgebühr in Höhe von mindestens 6,50 Euro monatlich pro Anschluss eingeführt werden. Die Entscheidung obliegt dem Gemeinderat, der am Dienstag (14. Dezember) letztmalig in diesem Jahr zur Sitzung zusammentritt.

Zur Einordnung: Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 120 Kubikmetern Schmutzwasser und einer Grundgebühr von 6,50 Euro bedeutet die geplante Anhebung Mehrkosten von 114 Euro pro Jahr.

Wie Steinfelds Bürgermeisterin Manuela Honkomp mitteilte, ist der Hintergrund die notwendige Modernisierung der Kläranlage mit Kosten von 13 bis 15 Millionen Euro. Für die Anpassung des Leitungsnetzes und die Umrüstung und Erweiterung der Pumpwerke werden darüber hinaus knapp 3,8 Millionen Euro veranschlagt. Damit ist der in mehreren Schritten geplante Ausbau des Abwasserwerks bis dato das kostspieligste Projekt der Gemeindegeschichte.

Leitet den Betriebsausschuss: Hubert Ritterhoff (CDU). Foto: RöttgersLeitet den Betriebsausschuss: Hubert Ritterhoff (CDU). Foto: Röttgers

Wie der kommissarische Bauamtsleiter Heinrich Sandmann während der Sitzung des Betriebsausschusses in der Don-Bosco-Schule ausführte, soll sich die neue Grundgebühr an der Nennweite der Rohrleitung orientieren: Für 40 Millimeter werden 6,50 Euro monatlich in Rechnung gestellt, für 50 Millimeter 10,20 Euro, für 80 Millimeter 26 Euro, für 100 Millimeter 40,60 Euro, für 125 bis 150 Millimeter 91,30 Euro und ab 200 Millimeter werden schließlich 162,30 Euro pro Monat fällig. Die Gebühr für Absetzzähler werde 5 Euro pro Jahr betragen, sagte der Diplom-Ingenieur. Dies sei die "Bearbeitungsgebühr für die Erfassung nicht eingeleiteter Frischwassermengen", wie sie beispielsweise als Gießwasser im Garten verwendet werden.

„Die Gesamtkapazität ist erreicht“, beschrieb Sandmann die aktuelle Situation des Abwasserwerks an der Dinklager Straße.  Er blickte in die jüngere Vergangenheit zurück: Ein alter Stammbehälter musste nach seinen Angaben ausgetauscht und ein provisorisches Belebungsbecken zur Sauerstoffanreicherung errichtet werden. "Allein der zusätzliche Sauerstoff beschert uns Kosten von jährlich 170.000 Euro", unterstrich er die Notwendigkeit einer modernen Anlage.

Kläranlage macht 2021 ein Minus von 530.000 Euro

Im Bericht über den Jahresabschluss 2020 wies Sandmann ein Fehl von etwa 630.000 Euro für den Eigenbetrieb auf. Die Unterdeckung bei der Schmutzwasserentsorgung lag bei circa 780.000 Euro, was den Verlustvortrag auf mehr als 1,1 Millionen Euro erhöhte. "Diese Schulden müssen über eine Gebührenerhöhung in den Folgejahren ausgeglichen werden", stellte Sandmann unmissverständlich klar.

Für den Wirtschaftsplan 2021 ergibt sich laut Sandmann voraussichtlich ein Minus von rund 530.000 Euro. Er listete insbesondere einen Kostenanstieg beim Materialaufwand für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren, eine deutliche Verteuerung der Klärschlammentsorgung und geringere Einnahmen durch Benutzungsgebühren für Schmutzwasserbeseitigung als Faktoren auf. "Coronabedingt haben die großen Schlachthöfe weniger Abwasser produziert."

Auf Nachfrage von Christian Katzer (UWG/SPD-Gruppe) versicherte Sandmann, alle Starkverschmutzer würde regelmäßig überwacht. So fänden Probenkontrollen statt. Außerdem „entlasteten“ die Starkverschmutzer sogar die Normalverbraucher bei ihren Gebühren, da sie für ihr Abwasser mit „Faktor 2 den doppelten Preis“ bezahlten.

Investitionen von 6,7 Millionen Euro geplant

Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Hubert Pille (CDU) sprach angesichts der Faktenlage von "erschreckenden Zahlen" und sieht wörtlich "gewaltige Kosten auf die Bürger zukommen". Die Finanzlage sei aus dem Ruder gelaufen, konstatierte der Mühler.

Für 2022 stellte Sandmann einen Erfolgs- und Vermögensplan vor, der mit einem Überschuss von mehr als 200.000 Euro abschließen soll. Die Gemeinde plant im kommunalen Eigenbetrieb diverse Investitionen in Höhe von insgesamt 6,7 Millionen Euro. Für die Erweiterung selbst werden 2,4 Millionen Euro veranschlagt, weitere 1,9 Millionen Euro sollen in eine neue Druckrohrleitung und die Pumpstation bei Pastors Kamp fließen. Der Neubau der Pumpstation am Bahnhof schlägt mit 1,1 Millionen Euro zu Buche. Die Neuaufnahme an Krediten bezifferte Sandmann auf rund 6 Millionen Euro.

Betriebsausschuss will Themen im Auge behalten

Einstimmig votierten die Mitglieder des Betriebsausschusses dafür, dass der Klärschlamm "vorläufig wie bisher landwirtschaftlich verwertet“ werden soll. Im Bereich Mühlen/Düpe beabsichtigt die Gemeinde, auf Antrag ein Druckrohrleitungssystem zu übernehmen. Die Mitglieder stimmten diesem Schritt einmütig zu.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder ebenfalls darüber, dass im kommenden Jahr wegen der geplanten Investitionen noch "intensive Beratungen" stattzufinden haben, wie Pille stellvertretend resümierte. Im Jahr 2024, wenn der Ausbau der Kläranlage abgeschlossen werde, sei zudem die Gebührenlage abermals neu zu betrachten, kündigte Sandmann an.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Abwassergebühr in Steinfeld soll 2022 drastisch ansteigen - OM online