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Abitur läuft unter erschwerten Bedingungen

In der Liebfrauenschule in Vechta herrscht trotz der Corona-Pandemie große Zuversicht. Doch die Angst vor einer Infektion erhöht den Druck.

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In den Startlöchern für die Prüfungswochen: Schulleiter Johannes Funken, Oberstufenkoordinatorin Christina Meyer sowie die Abschlussschülerinnen Lara Kretschmer und Greta Milz (vorne, von links) testen die Raum- und Platzverhältnisse im abgeschotteten Gebäudetrakt der Liebfrauenschule in Vechta. Foto: Speckmann

In den Startlöchern für die Prüfungswochen: Schulleiter Johannes Funken, Oberstufenkoordinatorin Christina Meyer sowie die Abschlussschülerinnen Lara Kretschmer und Greta Milz (vorne, von links) testen die Raum- und Platzverhältnisse im abgeschotteten Gebäudetrakt der Liebfrauenschule in Vechta. Foto: Speckmann

Lara Kretschmer ist relativ entspannt, von Aufregung noch keine Spur, so wenige Tage vor der ersten Abiturprüfung. "Meine Lernzettel habe ich fertig, die gucke ich mir immer wieder an", sagt die Schülerin der Liebfrauenschule in Vechta. Am kommenden Montag geht es los. Mit einer 6-stündigen Klausur in ihrem Hauptfach Geschichte. Die verbleibende Zeit will sie nutzen, um einige Musteraufgaben durchzugehen und sich noch einmal die wichtigsten Jahreszahlen in Erinnerung zu rufen. "Abends vorm Einschlafen geht das am besten", sagt die 19-jährige Visbekerin lächelnd.

Dass die Jahrgangssprecherin des Mädchengymnasiums so relaxt wirkt, ist nicht selbstverständlich. Schließlich hat die Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen das zurückliegende Schuljahr mächtig durcheinander gewirbelt. Der Unterricht ist über weite Strecken ins Homeschooling verlagert worden, Begegnungen mit den Mitschülerinnen haben kaum noch stattgefunden und die jüngsten Nachrichten über eine mögliche Absage der Prüfungen für zusätzliche Verunsicherung gesorgt.

Schulleiter Johannes Funken ärgert sich über die Äußerung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die noch vor wenigen Tagen gefordert hatte, die Prüfungen notfalls ausfallen zu lassen, sofern das Infektionsgeschehen dramatisch ansteigt. In diesem Fall sollten die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden. "Das sorgt unnötig für Diskussionen", sagt der Rektor.

Am Tisch dürfen die Schülerinnen die Maske während der Prüfung abnehmen. Darüber sind wir sehr froh. Das ist schon ein Unterschied, was die Konzentration angeht, sagt Greta Milz. Foto: Speckmann Am Tisch dürfen die Schülerinnen die Maske während der Prüfung abnehmen. "Darüber sind wir sehr froh. Das ist schon ein Unterschied, was die Konzentration angeht", sagt Greta Milz. Foto: Speckmann 

Er begrüßt die Reaktion des niedersächsischen Kultusministers Grant Hendrik Tonne (SPD), der sich ganz klar hinter die Durchführung der Prüfungen gestellt und darauf verwiesen hat, dass es trotz des Wechselunterrichts eine vernünftige Vorbereitung für die Abiturienten gegeben habe. Sie hätten ein Recht auf einen Abschluss, "mit dem sie mit Fug und Recht sagen könnten, dass der genauso anstrengend, hart und hochwertig ist, wie die Abschlüsse in den Jahren zuvor", sagte Tonne in einem NDR-Interview.

"Man darf diesen Jahrgang auf keinen Fall stigmatisieren."Schulleiter Johannes Funken

"Man darf diesen Jahrgang auf keinen Fall stigmatisieren", betont Funken. Das Abitur laufe unter guten Bedingungen. Inhaltlich seien die Schülerinnen mindestens genauso gut vorbereitet wie in den Jahren zuvor. Sie seien mit dem Stoff in den Leistungskursen gut durchgekommen. Mittlerweile laufe das Lernen auf Distanz gut, wenngleich es natürlich nie den direkten Austausch im Präsenzunterricht ersetzen könne.

Die Schülerinnen gehen sehr verantwortungsvoll und vorbildlich mit der Situation um. Sie haben in den letzten Wochen toll gearbeitet", stellt Oberstufenkoordinatorin Christina Meyer fest. Auch sie ist davon überzeugt, dass der Abschlussjahrgang mit seinen 71 Schülerinnen mit Zuversicht in die Prüfungen gehen kann. "Es ist alles so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir können die Mädchen mit einem guten Gefühl ins Abitur schicken."

Land hat Vorgaben an die Situation angepasst

Meyer hebt lobend hervor, dass das Ministerium bereits im vergangenen Sommer den Lehrplan an die neue Situation angepasst habe. Der Stoff sei in einigen Fächern teilweise gekürzt worden, dazu seien Schwerpunkte verlagert und den Schulen mehr Freiheiten eingeräumt worden. Die Fachlehrer könnten vereinzelte Prüfungsvorschläge des Landes für das Zentralabitur streichen, was den Absolventen ebenfalls entgegenkomme.

Nach Angaben der Schulleitung wird die Qualität des Abschlusses durch die Änderungen aber nicht negativ beeinflusst. Diese Auffassung vertritt auch Greta Milz, die bis vor wenigen Tagen noch Schülersprecherin war und dieses Amt mit Blick auf den baldigen Abschluss abgab. "Wir haben es nicht einfacher, vielleicht teilweise sogar schwerer. Wir werden das gleiche Abitur schreiben", ist die 19-jährige Vechtaerin überzeugt.

Selbstständiges Lernen im Homeschooling

Bei allem Optimismus machen die Schülerinnen aber keinen Hehl daraus, dass die Rahmenbedingungen nicht einfach sind. Im Homeschooling haben sie sich vieles selbst erarbeiten müssen, der Austausch mit den Mitschülerinnen, Lehrern und Lehrerinnen ist deutlich schwieriger. "Es ist etwas anderes, als wenn man im Unterricht alles zusammen erarbeitet. Die Kommunikation ist über den digitalen Weg schwerer", räumt Milz ein.

Sie selbst sei mit dem selbstständigen Lernen gut zurechtgekommen und habe aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr gelernt, so Milz weiter. Aber hier könne sie nicht für den ganzen Jahrgang sprechen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Umgang mit der Situation bei einigen Schülerinnen zusätzlichen Druck ausgelöst habe. Insofern hätten sich vermutlich manche gefreut, wenn die Prüfungen abgesagt worden wären.

Was in diesen Tagen und Wochen erschwerend hinzukommt, da sind sich Kretschmer und Milz einig, ist die Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und somit an den Prüfungen nicht teilnehmen zu dürfen. Ein entsprechendes Verbot hat das Ministerium für die Abschlussjahrgänge ausgesprochen. Insofern schotten sich viele Mitschülerinnen ab und reduzieren ihre Kontakte auf ein Minimum.

Das Thema beschäftigt auch die Schulleitung. Sie ist froh, dass es in diesem Halbjahr weder Infektions- noch Quarantänefälle im 13. Jahrgang gegeben habe. Die Abschlussschülerinnen würden seit Januar am Präsenzunterricht teilnehmen. Dies gelte auch für die anderen Gymnasien im Landkreis Vechta, erklärt die Koordinatorin und verweist auf eine entsprechende Erlaubnis der Kreisverwaltung.

Prüfung nur mit negativem Schnelltest möglich

Um an den Prüfungen teilzunehmen, müssen alle Schüler einen aktuellen negativen Corona-Schnelltest vorweisen. Im Gebäude gelten Abstands- und Hygieneregeln. Die Liebfrauenschule hat bereits einen ganzen Trakt im Obergeschoss hergerichtet, wo die Absolventinnen ausreichend Platz haben und ungestört ihre Klausuren schreiben sollen. Dis Masken dürfen am Tisch abgenommen werden.

Lara Kretschmer und Greta Milz haben die Räume schon einmal inspiziert und blicken ihrem großen Ziel zuversichtlich entgegen: "Wir haben uns gut vorbereitet und sind guter Dinge, dass es funktionieren wird", sagen die Schülerinnen. Dass sie aufgrund der Pandemie zuletzt kaum noch Freunde treffen und Hobbys ausüben konnten, scheint ihn sogar entgegenzukommen: "Wir hatten mehr Zeit zum Lernen."

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