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Abbau der Notkirche in Visbek jährt sich zum 25. Mal

Der Abbau des Gotteshauses verlief sehr emotional, erinnert sich Andrea Hilgen-Frerichs. Die heutige Pfarrerin der evangelischen Gemeinde war damals Vikarin.

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Bartningsche Notkirche: Die Kirche wurde nach dem Krieg mit Spenden errichtet und ausgestattet. Foto: Ferber

Bartningsche Notkirche: Die Kirche wurde nach dem Krieg mit Spenden errichtet und ausgestattet. Foto: Ferber

In diesem Jahr jährt sich zum 25. Mal, dass die Bartningsche Notkirche, die nach dem 2. Weltkrieg in Visbek erbaut wurde, abgebaut und nach Sudargas in Litauen verschenkt wurde. Viele Menschen, auch katholische Mitchristen, verabschiedeten sich am 28. April 1996 in einem letzten Gottesdienst von der Kirche, lässt Karsten Hilgen, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Visbek-Langförden wissen.

Seine Frau Andrea Hilgen-Frerichs, ebenfalls Pfarrerin der Kirchengemeinde, kann sich noch an diesen letzten Gottesdienst erinnern – denn es war ihr erster in der Kirchengemeinde. Hilgen-Frerichs war damals Vikarin in Visbek. An dem Gottesdienst wirkten unter anderem der mittlerweile verstorbene Bischof Dr. Hans-Heinrich Harms sowie die litauische Pfarrerin Tamara Schmidt mit. Symbolisch wurden am Ende des Gottesdienstes die Altargeräte, Kerzen und die Bibel aus der Kirche herausgetragen.

Eine Kirche als Geschenk – eine gute Idee

Vielen Menschen der Visbeker Gemeinde fiel der Abschied damals sichtlich schwer, erinnert sich Hilgen-Frerichs. An der Kirche, die nach dem Krieg mit Spenden errichtet und ausgestattet wurde, hingen gerade bei den Älteren viele Emotionen, weiß die Pfarrerin. Jedoch war die kleine Holzkirche stark renovierungsbedürftig. Da die Renovierung aber zu teuer gewesen wäre und die Kirche ohnehin zu klein war, entschied man sich für einen Neubau, sagt Hilgen-Frerichs.

Gemeinsam angepackt: Vor 25 Jahren wurde die Notkirche in Visbek abgebaut. Foto: HilgenGemeinsam angepackt: Vor 25 Jahren wurde die Notkirche in Visbek abgebaut. Foto: Hilgen

Doch obwohl der Abschied schwerfiel, seien sich alle einig gewesen, dass die Entscheidung, die Kirche zu verschenken, richtig sei, so Hilgen-Frerichs. "Da hieß es: 'Wir leben jetzt in einer anderen Zeit. Die Notzeiten sind vorbei'", sagt sie. Außerdem brauchte die Partnergemeinde in Litauen eine neue Kirche und die konnte sie sich nicht leisten. Da das Grundgerüst der Notkirche noch in Ordnung war, entschied man sich in Visbek für das Geschenk.

Ein gemischtes Team von Männern aus Litauen und Deutschland begann dann am 5. Mai mit dem Abbau der Kirche, so Karsten Hilgen. Der sei sehr emotional verlaufen, sagt Andrea Hilgen-Frerichs. Bei Visbekern wie auch Litauern. Ein ganz besonderer Moment sei es gewesen, als der Glockenstuhl abmontiert wurde. Die Glocke erklang also zum letzten Mal in Visbek. Da seien schon einige Tränen geflossen, erinnert sich die Pfarrerin. Nach wenigen Tagen war aber alles auf LKW verladen und ging auf die Reise.

Als Zeichen der Verbundenheit zwischen den beiden Gemeinden überreichte der litauische Pfarrer Virginius Kelertas ein Band mit der Aufschrift: "Visbek vivit Sudargas" (Visbek lebt in Sudargas). Es liegt bis heute auf dem Altar in der Sakristei in der Emmaus-Kirche. In der ehemaligen Notkirche finden nach wie vor regelmäßig Gottesdienste statt.

  • Info: Am Sonntag (2. Mai) erinnert die Kirchengemeinde um 10.15 Uhr im Gottesdienst in der Emmaus-Kirche an den Abbau der alten Kirche vor 25 Jahren.

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