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Ab morgen wird alles anders

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Ich bin süchtig. Nach Zucker. Am liebsten in Form von Schokolade. Und der tägliche Kampf  gegen die Sucht treibt mich in den Wahnsinn.

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Jeden Tag fechte ich den gleichen Kampf aus. Auf der rechten Schulter das Teufelchen, auf der linken das Engelchen. Beide streiten lauthals. Jeder für sich hat gute Argumente. Doch leider gewinnt fast immer der rote Wicht mit den Hörnern und dem Dreizack. Worum geht's? Um Schokolade. Ich gebe es offen zu: Ich bin süchtig. Süchtig nach Zucker in jeglicher Form. Und in der dunklen Jahreszeit fällt mir der Verzicht noch schwerer. 

Leider merken das auch meine Hosen, die zunehmend am Bauch kneifen. Als hätten sie ein Mitspracherecht. Jeden Morgen schimpfen sie aufs Neue: "Es wird langsam zu eng hier, wir bekommen keine Luft mehr!" Ja, das merke ich auch. Selbst mein Mann, mein Partner in Crime, fragte mich letztens abends auf dem Sofa: "Wann hören wir mit den Süßigkeiten denn wieder auf?" Eine gute wie auch berechtigte Frage. Weiter erörtert haben wir sie nicht. Stattdessen wurde der Kühlschrank wieder aufgefüllt. Natürlich mit der Begründung, dass ja etwas im Haus sein muss, falls unerwartet Gäste kommen. Um etwas anbieten zu können. Mit Selbstbetrug hat das gar nichts zu tun. 

"Wie? Man schafft es nicht, eine ganze Tafel Schokolade zu essen? Von welchen Größen sprechen wir?"Sandra Hoff

Vormittags verschwende ich keinen Gedanken an Schokolade. Da macht mich Kaffee glücklich. Nach dem Mittagessen geht's dann los. "So etwas kleines Süßes", säuselt der Teufel. "Nein", piepst der Engel. "Heute nicht." Noch bevor ich richtig nachdenken kann, schlendere ich wie von Geisterhand gelenkt in Richtung Kühlschrank, meine linke Hand greift ins Schokoladenfach, und voller Liebe strahlt mich ein Kinder-Riegel an. Hach. Leider bleibt es meist nicht bei dem einen. 

Doch richtig schlimm wird es abends auf dem Sofa vor dem Fernseher. Ich brauche dann etwas zum Mümmeln. Ohne geht's nicht. Und ja, ich habe es mit Gemüsesticks und leckerem Frischkäse-Dip probiert. Es hat auch zwei, drei Tage funktioniert. Doch dann kam er wieder, der große Schokoladen-Hunger. Und der Teufel gewinnt. Abend für Abend. Mit schlechtem Gewissen kuschele ich mich dann ins Bett, und der Engel flüstert: "Morgen bleiben wir stark, morgen ernähren wir uns gesund." Wenn ich dann am nächsten Abend wieder mit dickem Schokobauch im Bett liege, spricht mir der Engel wieder Mut zu: "Dann aber ab Montag zum Wochenstart." Aus Montag kann dann auch mal schnell der 1. eines neuen Monats werden. Und sowieso ... bald ist Januar. Neues Jahr, neues Glück. 

Eine Ernährungsberaterin sagte letztens, und diese Aussage hat mich schockiert, dass man es ja nicht schaffe, eine ganze Tafel Schokolade zu essen. Ich musste kurz schwer schlucken und hatte viele Fragezeichen im Kopf. Wie? Man schafft es nicht, eine ganze Tafel Schokolade zu essen? Von welchen Größen sprechen wir? Die 300-Gramm-Tafel von Milka? Ok. Da komme auch ich an meine Grenzen. Aber 100 Gramm? Die kann man doch nebenbei einatmen. Der "normale" Mensch scheinbar nicht. Ich schon. 

Das war der Punkt, an dem ich festgestellt habe, es muss sich etwas ändern. Ab morgen. Ich schwöre. Oder ab Montag. Oder zum 1. Dezember. Spätestens nach Silvester. 


Zur Person:

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