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96-Jähriger besteht auf Impfung: "Habt ihr mich vergessen?"

Im Altenheim St. Pius haben alle Bewohner schon ihre erste Impfdosis bekommen, aber Lothar Kupka nicht. "Wann bin ich dran?", fragt der stadtbekannte Ex-Unternehmer. Die Redaktion fragte nach.

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Impfwillig: Lothar Kupka (96) will mindestens 100 Jahre alt werden, ohne Virus. Foto: Kreke

Impfwillig: Lothar Kupka (96) will mindestens 100 Jahre alt werden, ohne Virus. Foto: Kreke

„Ich hab‘ sieben Krebsoperationen und zwei Schlaganfälle überstanden“, sagt Lothar Kupka: „Jetzt will ich auch geimpft werden!“ Dem 96-jährigen Amateur-Musiker kann‘s gar nicht schnell genug gehen.

„Meine Tochter in Saarlouis ist schon geimpft“, erzählt der Senior: „Die ist gelernte Krankenschwester und hilft in einem Impfteam mit.“ Genauso wie der Schwiegersohn, ein Nuklearmediziner, hat sie sich freiwillig zum Dienst gemeldet. Jetzt kann‘s Lothar Kupka gar nicht schnell genug gehen. „Wann bin ich dran?“, fragt der stadtbekannte Ex-Unternehmer, der seit zehn Jahren in einer betreuten Wohnung des St.-Pius-Stifts an der Ritterstraße lebt.

Schon durchgeimpft: Im Haupthaus des Pius-Stifts ist der erste Durchgang erledigt, im Betreuten Wohnen steht er noch aus. Foto: KrekeSchon durchgeimpft: Im Haupthaus des Pius-Stifts ist der erste Durchgang erledigt, im Betreuten Wohnen steht er noch aus. Foto: Kreke

Im Haupthaus an der Fries­oyther Straße seien schließlich schon alle geimpft worden. Kupka rief erst beim Gesundheits­amt an. Doch die Behörde verwies ihn zurück an die Pflegedienstleitung: „Haben die mich vergessen?“, fragt Kupka. Nein, haben sie nicht. Aber der Senior ist in eine Grauzone der Zuständigkeit geraten, die das Pius-Stift gerade aufklärt. Zunächst hatte es geheißen: Nur die stationär aufgenommenen Senioren über 80 Jahre sollten direkt im Heim geimpft werden. Das ist inzwischen geschafft, bestätigte Stiftungsvorstand Matthias Hermeling auf Nachfrage der Redaktion. Am 20. Januar ist die notwendige zweite Impfung an der Reihe. Eine Woche später soll sich die Schutzwirkung voll entfaltet haben.

„An der Front, da hatte ich Angst, aber davor nicht.“Lothar Kupka (96)

Die über 80-Jährigen, die in einem eigenen Haushalt leben, fielen jedoch zunächst durch das Raster. Strenggenommen hätten sie auf die Impfungen in der Münsterlandhalle warten müssen, die am 8. Februar beginnen sollen. Das hätte auch für die ersten Senioren-Wohngemeinschaften des Stifts im Pieper-Viertel gegolten, wäre der Heimleitung nicht noch ein entscheidendes Bindeglied aufgefallen: Jeder der selbstständigen Bewohner, der auch in der Tagespflege der Einrichtung zu Gast ist, gehört in die Gemeinschaft und hat damit Anspruch auf die Impfung. „Wir sprechen bereits über einen Termin“, bestätigte Hermeling. Die Einverständniserklärungen der impfwilligen Bewohner sind bereits eingesammelt, die Liste weitergegeben worden. Dienstag waren die Mitarbeiter der Sozialstation an der Reihe, nun sollen die Senioren aus dem Betreuten Wohnen folgen, ohne sich extra anmelden zu müssen.

Kupka hat schon unterschrieben und freut sich. Sorgen über Nebenwirkungen macht er sich nicht. „An der Front, da hatte ich Angst“, meint der sechsfach verwundete Weltkriegsveteran, „aber davor nicht.“

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