Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

88-Jähriger über den Krieg in der Ukraine: "Es ist wirklich nicht zu fassen"

Otger Eismann hat viele Gespräche mit Menschen seiner Generation geführt. Erinnerungen an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges werden wach und die Empfindungen seien immer gleich.

Artikel teilen:
Buchpräsentation: 2 Monate vor dem russisch-ukrainischen Krieg stellte Otger Eismann sein jüngstes Buch zum Thema Frieden vor.    Foto: Wimberg

Buchpräsentation: 2 Monate vor dem russisch-ukrainischen Krieg stellte Otger Eismann sein jüngstes Buch zum Thema Frieden vor.    Foto: Wimberg

Dass sie jemals wieder so nah mit den Schrecken des Krieges konfrontiert werden, hätten sie nach 70 Jahren Frieden nicht mehr für möglich gehalten. Bei vielen Senioren, Eltern und Großeltern erwachen jedoch angesichts des russischen Einmarsches in die Ukraine die Kindheitserinnerungen mit Angriffen, Flucht und Vertreibung. Die Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges bestimmen Familientreffen und dass allein das Wort „Dritter Weltkrieg“ in diesen Zeiten thematisiert wird, war bisher unvorstellbar.

„Es ist wirklich nicht zu fassen, dass so etwas im 21. Jahrhundert in einem zivilisierten Europa möglich ist“, kommentiert auch Otger Eismann die aktuelle Lage, die er täglich intensiv im Fernsehen und in den Zeitungen verfolgt. Er habe dazu in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche mit Menschen seiner Generation geführt. „Alle sind Kinder des Krieges und alle empfinden dasselbe“, sagt der früherer Konrektor der Friesoyther Ludgerischule und emeritierte Diakon der Marien-Gemeinde.

Weihnachten hatte der 88-Jährige sein jüngstes Buch „Was ist eigentlich Frieden“ vorgestellt, in dem er als Fortsetzung zu „Kinderjahre im Schatten des Hakenkreuzes“ seine persönlichen Erfahrungen als Zeitzeuge eines totalitären Systems beschreibt. Als der Krieg ausbrach, war er 6 Jahre alt.

Das letzte Foto: Martin Eismann (rechts) geriet in russische Gefangenschaft. Nach Hause kehrte er nicht mehr zurück. Foto: Archiv EismannDas letzte Foto: Martin Eismann (rechts) geriet in russische Gefangenschaft. Nach Hause kehrte er nicht mehr zurück. Foto: Archiv Eismann

„2 Monate nach der Veröffentlichung herrscht direkt vor unserer Haustür wieder Krieg, daran habe ich nicht mal einen Gedanken verschwendet“, betont der 1933 im nordrhein-westfälischen Gescher geborene Autor und denkt vor allem an die Kinder, die nun ähnliches Leid erfahren müssten wie er.

"Gerhard Schröder hätte einem Kriegsverbrecher die Stirn bieten müssen."Otger Eismann

Was Frieden bedeutet, haben er und seine Freunde damals nicht gewusst und verstanden. Sie kannten schließlich nichts anderes als militärische Angriffe, Besatzung, Konflikte und eine falsche Propaganda, die sie missbraucht habe. „Wer kann heute noch glauben, politische Probleme durch Krieg, der nur Verlierer und nie Sieger kennt, lösen zu können?“, fragt sich Eismann, der seine Brüder Karl, Bernhard und Martin verloren hat, die als junge Männer in die Wehrmacht eingezogen wurden und nie zurückkehrten. Heute weinten wieder Mütter, Väter und Ehefrauen um ihre Söhne und Männer sowie Kinder um ihre Eltern.

Besonders schlimm ist für ihn der Umstand, „dass ein ehemaliger, mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin eng befreundeter deutscher Bundeskanzler kneift“, so Eismann. Gerhard Schröder hätte "einem Kriegsverbrecher die Stirn bieten und auf dessen Millionen verzichten müssen."

Ähnliche Bilder: Militärfahrzeuge während des Zweiten Weltkrieges auf dem Weg nach Gescher. Heute sieht man solche Konvois in der Ukraine. Archiv: EismannÄhnliche Bilder: Militärfahrzeuge während des Zweiten Weltkrieges auf dem Weg nach Gescher. Heute sieht man solche Konvois in der Ukraine. Archiv: Eismann

Otger Eismann hofft auf ein schnelles Ende der gewaltsamen Auseinandersetzung in der Ukraine, damit Kinder sich dort nie wie er fragen müssten, was Frieden eigentlich ist, und sie mit ihren Eltern und Großeltern in Freiheit und Sicherheit aufwachsen können.

  • Info: Wer Interesse an Otger Eismanns jüngstem Buch hat, kann sich bei der Buchhandlung Schepers melden. Den Erlös spendet der Friesoyther für soziale Zwecke.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

88-Jähriger über den Krieg in der Ukraine: "Es ist wirklich nicht zu fassen" - OM online