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83. Jahrestag der Reichspogromnacht: Das Oldenburger Münsterland gedenkt der verfolgten Juden

In Cloppenburg, Damme und Vechta haben Schüler Gedenkveranstaltungen gestaltet. In Vechta gab es zudem einen Schweigemarsch durch die Stadt.

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Schweigegang zum Gedenkstein in Cloppenburg: Schüler der BBS-Technik haben an die Reichspogromnacht 1938 erinnert. Den "Leuchter" übergaben sie an das St. Vincenzhaus. Foto: Niemeyer

Schweigegang zum Gedenkstein in Cloppenburg: Schüler der BBS-Technik haben an die Reichspogromnacht 1938 erinnert. Den "Leuchter" übergaben sie an das St. Vincenzhaus. Foto: Niemeyer

Am Dienstagabend hat in Cloppenburg und in Vechta die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Judenverfolgung im dritten Reich stattgefunden. Anlass war der 83. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938. Nachdem im letzten Jahr wegen der Corona-Pandemie nur eine kleine Gedenkfeier in Cloppenburg ausgerichtet worden war, konnte die Veranstaltung in diesem Jahr wieder in einem größeren Rahmen stattfinden.

Schüler der Cloppenburger BBS Technik hatten die Veranstaltung im Vorfeld geplant. Sie begann mit einer Gedenkfeier in der Jugendkirche St. Josef in Cloppenburg und stand unter dem Motto "Tür", in Anlehnung an den antisemitischen Anschlag 2019 in Halle, bei dem der Täter zwei Menschen ermordete und eine Holztür den Terroristen davon abhielt, in eine Synagoge einzudringen und Juden umzubringen. In einem kurzen und eindrücklichen Theaterspiel spielten die Schüler Szenen der Reichspogromnacht 1938 und des Anschlags 2019 nach. Zudem machten sie darauf aufmerksam, dass Antisemitismus auch heute noch präsent ist. 

Schweigegang zum Gedenkstein der ehemaligen Synagoge

Der evangelische Pastor Pauly machte in seiner Predigt darauf aufmerksam, dass das Christentum aus dem Judentum entsprungen ist.  Und dennoch hätten Christen sich an dem Pogrom beteiligt, Menschen gedemütigt, gequält und ermordet. "Gott, wecke in uns die Aufmerksamkeit und Liebe, schärfe unseren Verstand und mache unsere Herzen weit", predigte Pauly. 

Cloppenburgs Bürgermeister Neidhard Varnhorn (CDU) ruft Demokraten auf, für ihre Werte einzutreten. Foto: NiemeyerCloppenburgs Bürgermeister Neidhard Varnhorn (CDU) ruft Demokraten auf, für ihre Werte einzutreten. Foto: Niemeyer

Anschließend nahmen die Teilnehmer der Gedenkfeier an einem Schweigegang teil und machten sich auf den Weg zum Gedenkstein der ehemaligen Cloppenburger Synagoge in der Ritterstraße. Dort übergaben Schüler der BBS Technik den mit einem Davidstern versehenen Leuchter an Schüler des St. Vincenzhauses, die die Gedenkveranstaltung im nächsten Jahr gestalten werden.

Varnhorn mahnt, Demokratie zu verteidigen

Bürgermeister Neidhard Varnhorn (CDU) sagte, die Erinnerung an die Reichspogromnacht und die Gräueltaten im Nationalsozialismus müsse wach gehalten gehalten werden. Er mahnte, dass die Demokratie auch heute Menschen braucht, die von ihr überzeugt sind und für ihre Werte eintreten.  Allzu schnell könne es passieren, dass sich "alter Ungeist neu entwickelt" und alte und neue Vorurteile wieder in die Gesellschaft "einschleichen". "Toleranz, Akzeptanz und Menschenrechte müssen immer aufs Neue verteidigt beziehungsweise offensiv vertreten werden", so Varnhorn.

Gedenken auch in Vechta: Am Dienstag gab es zunächst einen Gottesdienst in der Klosterkirche und anschließend einen Schweigemarsch durch die Innenstadt. Foto: M. NiehuesGedenken auch in Vechta: Am Dienstag gab es zunächst einen Gottesdienst in der Klosterkirche und anschließend einen Schweigemarsch durch die Innenstadt. Foto: M. Niehues

Karl Sieverding von der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit sagte, es sei wichtig, Menschen, die Vorbildliches geleistet hätten, in den Vordergrund zu stellen, um den Antisemitismus zu bekämpfen. Er würdigte Peter Fischer,  Präsident des Fußballvereins Eintracht Frankfurt, der sich mit einer klaren Haltung gegen Antisemitismus einsetze. Zudem lobte er den jüdischen Sportverein Makkabi Deutschland. Beide würden im kommenden Jahr im Rahmen der "Woche der Brüderlichkeit" vom Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit Menschen mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet. 

Auch Dammer Schüler erinnern an die Reichsprogromnacht

Auch in Damme hat es schon gute Tradition, dass Hauptschule, Realschule und Gymnasium im Wechsel jährlich am 9. November im Rahmen einer Gedenkveranstaltung an die Gräueltaten der Reichspogromnacht erinnern. Schülerinnen und Schüler der Klasse 10d der Realschule hatten die diesjährige Veranstaltung vorbereitet.

In einer Präsentation zeigten sie die Geschehnisse vor 83 Jahren auf. Die Schüler stellten den Bezug der damaligen Vorfälle zu dem heutigen Antisemitismus und der Fremdenfeindlichkeit her. Sie belegten ihn anhand konkreter Beispiele.

Übergabe in Damme: Aysha Alissa von der Realschule überreicht die Menora an Emily Schmedes und David Mähler vom Gymnasium. Dort findet die Gedenkveranstaltung 2022 statt. Foto: SchmutteÜbergabe in Damme: Aysha Alissa von der Realschule überreicht die Menora an Emily Schmedes und David Mähler vom Gymnasium. Dort findet die Gedenkveranstaltung 2022 statt. Foto: Schmutte

Auch nach 83 Jahren, so ihre Botschaft, sei die Erinnerung an die Taten von enormer Wichtigkeit. Sigrid Litzenburger sprach für die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und skizzierte die Vorkommnisse der Reichspogromnacht und deren Gründe. „Die Täter von damals sind fast alle gestorben, ihre Überzeugungen leider nicht“, erläuterte sie und wies auf die steigende Tendenz rechtsradikal motivierter Taten hin. Die Jugendlichen forderte sie auf, eindeutig Position zu beziehen.

Gerd Möller, Fachbereichsleiter für Gesellschaftswissenschaften an der Realschule, hatte die Veranstaltung außerhalb des Unterrichts mit den Schülern vorbereitet. Er betonte, dass gerade in der heutigen Zeit mit offenem Fremdenhass und zunehmendem Rechtsradikalismus die Erinnerung an die Reichspogromnacht aufrechterhalten werden müsse. Als äußeres Zeichen reichten Schüler der Realschule einen siebenarmigen Leuchter, die Menora, an die Delegation des Gymnasiums weiter. Dort wird im kommenden Jahr die Gedenkfeier stattfinden. 

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