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82,5 Prozent der Verurteilten sind Männer

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Ein Blick in die Zahlen der niedersächsischen Gerichte zeigt, dass es 2021 gut 6 Prozent weniger Straftaten gab. Dabei gibt es eine Besonderheit.

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Die Anzahl der von den Strafgerichten in Niedersachsen im vergangenen Jahr Verurteilten hat um gut 6 Prozent abgenommen. Insgesamt wurden 62.474 Angeklagte verurteilt, von den Verurteilten waren 82,5 Prozent Männer. 2531 wurden freigesprochen.

Zugleich gibt es aber auch bei bestimmten Delikten einen Anstieg an Verurteilungen. Das muss alarmieren. Diese falsche Entwicklung in der Gesellschaft beobachtet man insbesondere bei der Verbreitung von Kinderpornographie, Beleidigungen, Gewalt gegenüber Amtsträgern und auch illegalen Autorennen. Hierauf muss weiterhin sehr gezielt  reagiert werden.

78,6 Prozent der 62.474 Personen wurden zu einer Geldstrafe verurteilt; rund 14 Prozent zu einer Freiheitsstrafe . Eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung wurde in 2656 Fällen verhängt (4,2 Prozent). Der Anteil der Nichtdeutschen oder Staatenlosen unter den Verurteilten beträgt 31,6 Prozent (2020: 30,4 Prozent); im 10-Jahres-Vergleich ist er um 15 Prozentpunkte gestiegen.

"Die Zahl der Verurteilungen wegen Mordes ist mit 13 gegenüber 21 Verurteilungen im Vorjahr deutlich zurückgegangen"Klaus Esslinger, Gerichtsreporter

Bei den Straftaten gegen das Leben (zum Beispiel Mord und Totschlag) gab es im Jahr 2021 insgesamt 128 Verurteilungen – 4 Verurteilungen mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Verurteilungen wegen Mordes ist mit 13 gegenüber 21 Verurteilungen im Vorjahr deutlich zurückgegangen. Allerdings gibt es mit 38 Verurteilungen wegen Totschlags im Jahr 2021 deutlich mehr Verurteilungen als 2020 (26). Beide Delikte stehen in einem inhaltlichen Zusammenhang, da es eine Frage des Einzelfalls ist, ob durch eine Tat ein Mordmerkmal erfüllt wurde, sodass sich bei diesen beiden Delikten die Zu- und Abnahmen tendenziell die Waage halten.

Stark rückläufig sind erneut die Verurteilungen bei Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit, zum Beispiel Körperverletzungsdelikte. Der Rückgang im Jahr 2021 (5246) im Vergleich zu 2020 (6057) betrug rund 13 Prozent, im Vergleich zu 2011 (9143) sogar rund 41 Prozent.

Ebenfalls rückläufig waren die Verurteilungen aufgrund sogenannter Vermögensdelikte. Bei Diebstahl und Unterschlagung sind die Zahlen auch gesunken. Auffällig ist auch der Rückgang bei den Verurteilungen wegen Wohnungseinbruchsdiebstahls. Diese sind im Vergleich zum Jahr 2020 um 101 Verfahren auf 186 gesunken.

Sexualdelikte nehmen weiter stetig zu

Ein langjähriger, stetiger Anstieg der Verurteilungen ist bei den Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu erkennen. Von 2011 (633) auf 2021 (914) beträgt die Zunahme der Verurteilungen knapp 31 Prozent. Deutlich mehr Verurteilungen gab es mit 67 im Jahr 2021 wegen einer Vergewaltigung.

Besonders deutlich ist der Anstieg bei den Verurteilungen wegen Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften. Im Jahr 2020 waren es hier 219 Verurteilungen, im Jahr 2021 insgesamt 297, ein Anstieg um knapp 26 Prozent.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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