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80 Jahre NS-Angriff auf die Sowjetunion: Löninger gedenken der Toten

Der 22. Juni 1941 markiert den Beginn eines grausamen Vernichtungsfeldzugs der Wehrmacht in der Sowjetunion. 27 Millionen Russen starben schließlich. 107 von ihnen sind in Löningen begraben.

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Auf dem Friedhof in Helmighausen an den Gräbern von 107 getöteten russischen Soldaten gedachte Generalkonsul Sharashkin (Mitte) den Millionen Opfern des deutschen Überfalls. Foto: Willi Siemer

Auf dem Friedhof in Helmighausen an den Gräbern von 107 getöteten russischen Soldaten gedachte Generalkonsul Sharashkin (Mitte) den Millionen Opfern des deutschen Überfalls. Foto: Willi Siemer

Mit einer Gedenkveranstaltung haben Dienstag Vertreter Russlands, der Stadt Löningen, des Copernicus-Gymnasiums und des Deutsch-Russischen Wirtschaftsbundes an den Gräbern von 107 in Löningen zu Tode gekommenen oder getöteten russischen Kriegsgefangenen an den 80. Jahrestag des Überfalls von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion erinnert. Auch die Nachbarn des Friedhofs in Helmighausen kamen.

Die  4 Redner – Andrey Sharashkin als Generalkonsul der russischen Föderation, Löningens Bürgermeister Marcus Willen, Dr. Thomas Overbeck als Präsident des Deutsch-Russischen Wirtschaftsbundes und  Geschichtslehrerin Elisabeth Rüve – erinnerten an das unsägliche Leid  angesichts von mehr als 27 Millionen Toten allein in der Sowjetunion. Gleichzeitig hoben sie die Möglichkeiten zur  Kooperation und zum friedlichen Zusammenleben hervor.

„Wir können diesen Krieg (...) nicht vergessen, aber wir sind zur Zusammenarbeit mit Deutschland bereit.“Andrey Sharashkin, Generalkonsul der russischen Föderation

Am 22. Juni, dem Beginn des Überfalls, erinnere jede Familie an ihre Toten, sagte der in Hamburg residierende Sharashkin, der an diesem Tag  Einladungen zu 8 ähnlichen Veranstaltungen hatte, sich aber für Löningen entschied. "Meine Familie hat in diesem Krieg meinen Großvater verloren", machte der Generalkonsul auf die persönliche Dimension aufmerksam. „Wir können diesen Krieg, in dem die Nazis und die Wehrmacht nicht nur eroberten und zerstörten, sondern unsere Bevölkerung versklaven wollten, nicht vergessen, aber wir sind zur Zusammenarbeit mit Deutschland bereit.“

Sharashkin dankte dem Wirtschaftsbund, der mit mehreren Mitgliedern vertreten war, für die vom Löninger Klaus Boog initiierte Gedenkveranstaltung. Er hoffe, dass die reiche Geschichte der  wirtschaftlichen Zusammenarbeit in der Zukunft gute Perspektiven habe. Der Generalkonsul dankte allen, die die Erinnerungen an die in Löningen beerdigten russischen Kriegsopfer durch die Pflege der Gräber wach halte. Es sei sehr selten, dass alle Namen der Toten bekannt seien.

Widersprüchliche Gefühle – Entsetzen und Dankbarkeit

Jedes Mal, wenn er diesen Ort besuche, überkämen ihn sehr widersprüchliche Gefühle, erklärte Willen. Auf der einen Seite Entsetzen, Fassungslosigkeit und Scham angesichts dessen, was Menschen von Menschen angetan worden sei. Die Gefangenen seien mit einer Brutalität und einer Bestialität behandelt worden, die sprachlos mache. Das Unfassbare sei, dass den Nazis tausende Menschen gefolgt seien. Väter, Mütter, Brüder und Schwestern, die Verbrechen dieses unvorstellbaren Ausmaßes erst ermöglicht hätten, die vielleicht Mozart und Beethoven, aber auch Tschaikowski und Rachmaninov  geliebt hätten.

Das 2. Gefühl sei die Dankbarkeit, weil es Menschen wie die Heimatforscher Josef Ramler und Manfred Boog gebe, die das Gedenken an diese entrechteten und geschändeten Menschen wachhielten, sagte Willen. Nachdrücklich würdigte er den Einsatz der Anwohner und Nachbarn, die den Friedhof hegten und pflegten: „Ihr sorgt dafür, dass diese Jungen, die hier unter uns gestorben sind, nicht vergessen werden.“

„Die Schuld, die Deutschland damals auf sich geladen hat, wirkt weiter fort“, betonte Dr. Overbeck vom Deutsch-Russischen Wirtschaftsbund. Gemeinsames Gedenken eröffne die Chance auf Annäherung und Aussöhnung. Die Wirtschaft spiele dabei eine wichtige Rolle. Sie mehre den Wohlstand. Der lasse tragfähige Strukturen der Zusammenarbeit und der Begegnung entstehen.

3 Millionen Kriegsgefangene in Deutschland getötet

„Auch für die übrigen, mehr als 3 Millionen in deutscher Gefangenschaft gestorbenen russischen Kriegsgefangenen ist heute auf dem Soldatenfriedhof der Kranz niedergelegt worden“, erinnerte Elisabeth Rüve an die Dimensionen der Verbrechen. „Den Opfern und dem Leid angesichts von 27 Millionen Toten in der UdSSR einen angemessenen Platz in der kollektiven und kulturellen Erinnerung zu geben, ist unsere Aufgabe für heute und in der Zukunft“, betonte die Geschichtslehrerin.

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