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77 Aspiranten wagen sich an das "Grüne Abitur"

Während der Corona-Pandemie hatten viele Menschen ungewohnt viel Freizeit. Einige von ihnen im Landkreis Vechta haben diese offensichtlich genutzt, sich auf die Jägerprüfung vorzubereiten.

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Während der Prüfung: Bennet Ascher legt Hand an den Abzug.   Foto: Alidini 

Während der Prüfung: Bennet Ascher legt Hand an den Abzug.   Foto: Alidini 

Rainer Hubert Fortmann, Kreisjägermeister im Landkreis Vechta und Prüfer, ist begeistert vom großen Interesse am Erwerb des Jagdscheins: „Dieses Jahr sind 77 Kandidaten dabei, das ist eine Rekordteilnehmerzahl, so viele gab es vorher nicht, wir haben sonst immer um die 60 Teilnehmer“. Diese Tendenz führe er darauf zurück, dass die Corona-Pandemie viel Freizeit geboten habe und die Menschen sich anderweitig hätten beschäftigen wollen und neue Möglichkeiten gesucht hätten, um ihre Zeit sinnvoll zu nutzen.

Verschiedene Kenntnisse werden geprüft 

Die Jägerprüfung bestehe aus 3 Teilen. Die schriftliche Prüfung stand bereits Anfang September auf dem Programm. Dabei mussten die Prüflinge 20 Fragen beantworten. Der zweite Teil bestand aus der Schießprüfung. Dabei hatten die Aspiranten 5 Schüsse auf eine Rehbockscheibe in 100 Metern Entfernung abzugeben. Zudem musste eine "laufende" Scheibe mit 2 Treffern beschossen werden. Schließlich folgte das Flintenschießen, bei dem es galt, aus 30 Metern von 15 so genannten Kipphasen 10 zu treffen. 

Als Abschluss stand jüngst die mündlich-praktische Prüfung an, bei der 5 verschiedene Fächer abgefragt wurden, wie beispielsweise die Wildtierkunde, bei der Tierarten und deren Lebensraum thematisiert würden, teilt Fortmann mit. Dieser letzte Teil der Jägerprüfung fand im Revier Wölpe in Vechta statt. Am Montag seien bereits 40 Personen geprüft worden, die allesamt bestanden hätten. Dienstag folgten die restlichen 37 Prüflinge.

Messer und Werkzeuge: Die Prüflinge werden nach Funktion und Verwendungszweck abgefragt.    Foto: AlidiniMesser und Werkzeuge: Die Prüflinge werden nach Funktion und Verwendungszweck abgefragt.    Foto: Alidini

Im Landkreis Vechta findet einmal jährlich der Ausbildungskurs zur Vorbereitung auf die Jägerprüfung statt. Dieser beginnt jeweils im September und dauert insgesamt 8 Monate – bei wöchentlichen Treffen. Bestandteile sind der theoretische Unterricht sowie die praktische Schießausbildung. Die Schießstände seien dieses Jahr aber nur begrenzt zu nutzen gewesen, sodass nicht allzu oft geübt werden konnte, sagt Rainer Hubert Fortmann.

Die Teilnehmenden unternahmen zudem ebenfalls Waldbegehungen, um die „gesamte Flora und Fauna“ kennenzulernen. „Zuerst kommt die Theorie, dann kommt das Schießen hinzu und dann die Einführung in die Natur“, erklärt Fortmann. Während der Corona-Zeit gelten auch dabei die Masken- und Abstandsregeln.

Die Beteiligten sind zufrieden

Rainer Hubert Fortmann hofft, dass sich der Aufwärtstrend beim "Grünen Abitur" verfestigt. „Die Resonanz ist im Augenblick sehr gut, es haben sich auch bereits viele Leute für das kommende Jahr angemeldet.“ Erfreulich sei in diesem Zusammenhang auch der "hohe Anteil an Frauen". "Mittlerweile haben wir in diesem Jahr 22 Frauen dabei." Und auch viele jüngere Teilnehmer dürfe die Jägerschaft begrüßen: „Die Kandidaten sind generell jung. Viele legen auch bereits in ihrer Jugend den Jugendjagdschein ab“, der älteste Teilnehmer in diesem Jahr sei Mitte 50. Generell liege das Alter aber zwischen 20 und 40 Jahren, so Fortmann.

Auch von Seiten der Prüflinge gibt es positive Resonanz auf den diesjährigen Vorbereitungskurs und die Prüfung. Theo Müller erzählt: „Wir haben zu Hause einen Bauernhof, und Wild hat mich schon immer interessiert, deswegen mache ich den Jagdschein.“ Außerdem habe ihm die Ausbildung gut gefallen und er habe eine schöne Zeit gehabt. Momentan freue er sich aber, wenn er zum Abschluss komme und die Prüfung bestehe.

Hubertus Dellwisch berichtet, dass es ihm auch sehr gut gefallen habe, was auch in der Hilfsbereitschaft aller Beteiligten begründet liege. „Die Ausbildung ist auch sehr gut gewesen und hat viel Spaß gemacht. Ich wollte damals schon mit 16 Jahren den Jagdschein machen, weil mich die Natur interessiert und ich mitten auf dem Land wohne.“

Alle miteinander: Prüfer und Prüflinge nach bestandener Leistung. Foto: Anetta Homann Alle miteinander: Prüfer und Prüflinge nach bestandener Leistung. Foto: Anetta Homann 

Auf Anfrage von OM Medien teilt Rainer Hubert Fortmann mit, dass 72 der 77 Aspiranten die Prüfung bestanden haben.

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