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58 Tage Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Das russische Militär nennt erstmals konkrete Ziele des Kriegs in der Ukraine. Unterdessen will sich UN-Generalsekretär Guterres in Moskau um Frieden bemühen. Die Entwicklungen im Überblick.

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Keine Feuerpause: Auch während des orthodoxen Osterfests gehen die Kämpfe in der Ukraine weiter. Foto: dpa

Keine Feuerpause: Auch während des orthodoxen Osterfests gehen die Kämpfe in der Ukraine weiter. Foto: dpa

Die russische Armee hat acht Wochen nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine ihre militärischen Ziele konkretisiert. Ein Befehlshaber der russischen Militärführung sagte der Agentur Interfax zufolge, dass Russland den kompletten Donbass und auch den Süden der Ukraine einnehmen wolle.

UN-Generalsekretär António Guterres reist nach Kremlangaben am kommenden Dienstag nach Moskau und wird dort vom russischen Präsidenten Wladimir Putin empfangen. Die UN sehen mehr Anzeichen von Kriegsverbrechen in der Ukraine. Satellitenaufnahmen wiesen in der Gegend um Mariupol auf ein mögliches Massengrab hin. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) warnte indes vor einer weiteren Eskalation des Krieges.

Der russische Befehlshaber Rustam Minnekajew erklärte, dass es Russland um einen Landweg zur Schwarzmeer-Halbinsel Krim gehe. Die Ukraine könnte mit einer russischen Einnahme des Südens jeglichen Zugang zu den Weltmeeren verlieren. Bisher hatte sich niemand aus der Militärführung so konkret zu den Zielen des Krieges geäußert. Kremlsprecher Dmitri Peskow wollte eine Frage zur "Ausweitung der Operation" nicht kommentieren.

Längere Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau

Guterres werde sich in Moskau auch zu Gesprächen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow treffen, teilte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag mit. Guterres reise im Zuge verstärkter Friedensbemühungen nach Moskau. Der UN-Chef hatte zuvor um ein Treffen mit Putin gebeten.

Russland und die Ukraine haben nach Angaben aus Moskau telefonisch längere Verhandlungen geführt. Der russische Verhandlungsführer Wladimir Medinski bestätigte in seinem Telegram-Kanal, dass er am Freitag mehrere längere Telefonate mit dem ukrainischen Chefunterhändler David Arachamija geführt habe. Zum Inhalt machte er aber keine Angaben.

Scholz erklärt sich, Macron steht hinter ihm

Während der orthodoxen Osterfeiertage wird in der Ukraine weiter gekämpft. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat Russland den Vorschlag einer Feuerpause über die Osterfeiertage abgelehnt. Orthodoxe Christen begehen Ostern in diesem Jahr am 24. April.

In Deutschland hielt am Freitag die Debatte um weitere Waffenlieferungen an die Ukraine an. Bundeskanzler Scholz begründete seine zögerliche Haltung zu diesem Thema in einem Interview mit dem "Spiegel". "Es darf keinen Atomkrieg geben", sagte er. "Ich tue alles, um eine Eskalation zu verhindern, die zu einem dritten Weltkrieg führt." Unterstützung kam vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron. "Wir haben die gleiche Strategie wie Kanzler Scholz: Wir helfen den Ukrainern auf maximale Weise. Aber sind sorgsam darauf bedacht, niemals Kriegspartei zu werden", sagte er.

Unionsfraktionschef Friedrich Merz verteidigte die Absicht von CDU/CSU, in der kommenden Woche im Parlament einen Antrag auf Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine einzubringen. Wenn die Bundesregierung nicht liefere, dann müsse das Parlament liefern.

Dieses von Planet Labs veröffentlichte und am 20. April 2022 aufgenommene Satellitenfoto zeigt das Stahlwerk Azovstal  mit einigen großen Löchern im Dach. In dem Stahlwerk Azovstal harren noch mehrere Hundert ukrainische Soldaten in Bunkeranlagen aus. Bei ihnen sollen nach ukrainischen Angaben zudem noch etwa 1000 Zivilisten sein. Foto: dpaPlanet LabsDieses von Planet Labs veröffentlichte und am 20. April 2022 aufgenommene Satellitenfoto zeigt das Stahlwerk Azovstal mit einigen großen Löchern im Dach. In dem Stahlwerk Azovstal harren noch mehrere Hundert ukrainische Soldaten in Bunkeranlagen aus. Bei ihnen sollen nach ukrainischen Angaben zudem noch etwa 1000 Zivilisten sein. Foto: dpa/Planet Labs

Satellitenbilder deuten auf Massengrab hin

In der Nähe der von russischen Truppen belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine deuten Satellitenbilder auf ein mögliches Massengrab hin. Der US-Satellitenfotodienst Maxar verbreitete Aufnahmen, die in dem Vorort Manhusch mehrere ausgehobene Grabstellen zeigen sollen. Der Stadtrat von Mariupol und Bürgermeister Wadym Bojtschenko sprechen davon, dass dort bis zu 9000 Menschen begraben sein sollen. Stadtrat und Bürgermeister sind selbst aber nicht mehr vor Ort. Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

Selenskyj hat sich zu dem mutmaßlichen Massengrab bisher nicht öffentlich geäußert. Satellitenfotos vom 3. April zeigen weit über 200 mögliche Grabstellen in mehreren Reihen, ausgehoben auf einer Länge von mehr als 300 Metern neben einer Straße.

Anzeichen für Kriegsverbrechen verdichten sich

Seit dem Abzug russischer Truppen vor mehr als drei Wochen sind im Gebiet Kiew nach Polizeiangaben bereits mehr als 1000 Leichen gefunden worden. Das sagte der Polizeichef der Region um die Hauptstadt Kiew, Andrij Njebytow. Nach dem russischen Abzug aus der Region hatten Funde von Hunderten teils in Massengräbern beigesetzten Leichen in Hostomel, Irpin, Butscha und Borodjanka nordwestlich der Hauptstadt international Entsetzen ausgelöst.

Nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros häufen sich die Anzeichen für Kriegsverbrechen in der Ukraine. Die russischen Streitkräfte hätten wahllos bewohnte Gebiete beschossen und bombardiert und dabei Zivilisten getötet sowie Krankenhäuser, Schulen und andere zivile Infrastrukturen zerstört, berichtete das Büro der Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, am Freitag in Genf.

Die Ukraine hat russischen Truppen vorgeworfen, Zivilisten am Verlassen des belagerten Stahlwerks in Mariupol zu hindern. "Die Russen fürchten, Azovstal zu stürmen, doch dabei lassen sie bewusst und zynisch keine Zivilisten heraus", teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk im Nachrichtenkanal Telegram mit. Britische Geheimdienstexperten vermuten laut Londoner Verteidigungsministerium, dass russische Truppen bei einem Sturm auf das Stahlwerk hohe Verluste zu erwarten hätten. Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, sprach am Freitagabend von einer Normalisierung der Lage. "Die Bewohner der Stadt haben die Möglichkeit bekommen, sich wieder frei auf der Straße zu bewegen", sagte der Sprecher. Von unabhängiger Seite war dies nicht zu überprüfen.

Tschernihiw: Ein Feuerwehrmann sitzt auf einer Schaukel neben einem Gebäude, das durch eine russische Bombe zerstört wurde. Foto: dpaMorenattiTschernihiw: Ein Feuerwehrmann sitzt auf einer Schaukel neben einem Gebäude, das durch eine russische Bombe zerstört wurde. Foto: dpa/Morenatti

Deutschland registriert fast 370.000 Flüchtlinge

Die Zahl der in Deutschland ankommenden Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine steigt weiter an. Wie das Bundesinnenministerium am Freitag bei Twitter mitteilte, hat die Bundespolizei seit Kriegsbeginn am 24. Februar 369.381 Flüchtlinge gezählt. Polens Grenzschutz hat unterdessen erneut mehr Einreisen in die Ukraine als Ausreisen aus dem östlichen Nachbarland gezählt. Am Donnerstag hätten 23 600 Menschen Polen Richtung Ukraine verlassen. Dagegen kamen im selben Zeitraum aus der Ukraine 19 300 Menschen nach Polen.

Eine Eskalation des Konflikts mit Moskau mit einem vollständigen Einfuhrstopp russischer Energie könnte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nach Modellrechnungen der Bundesbank in eine Rezession stürzen. «Im verschärften Krisenszenario würde das reale Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr gegenüber dem Jahr 2021 um knapp 2 Prozent zurückgehen», hieß es in einem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbank.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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