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50 Euro pro Monat: Kritik an Dauerticket fürs neue Lohner Parkhaus

Beschäftigte aus dem Krankenhaus und dessen Umfeld finden das Ticket zu teuer. Die Stadt und der Klinikbetreiber wehren sich gegen die Vorwürfe.

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Seit gut 2 Monaten erhebt die Stadt Lohne eine Gebühr für die Nutzung des Franziskus-Parkhauses. Regelmäßige Nutzer können für 50 Euro pro Monat ein Dauerparkticket erstehen. Das ist einigen Mitarbeitern der Klinik und ihres Umfelds zu teuer. Foto: Timphaus

Seit gut 2 Monaten erhebt die Stadt Lohne eine Gebühr für die Nutzung des Franziskus-Parkhauses. Regelmäßige Nutzer können für 50 Euro pro Monat ein Dauerparkticket erstehen. Das ist einigen Mitarbeitern der Klinik und ihres Umfelds zu teuer. Foto: Timphaus

Wer sein Auto im Franziskus-Parkhaus abstellen möchte, muss seit knapp 2 Monaten eine Gebühr zahlen. Die Stadt Lohne lässt die neue Hochgarage am St.-Franziskus-Hospital bewirtschaften. Widerstand regt sich aus dem Umfeld der Klinik, des Ärztehauses, der Sozialstation und des St.-Elisabeth-Hauses. Die Kritik zweier Mitarbeiterinnen, die anonym bleiben möchten, laut eigener Aussage aber den Unmut vieler in die Öffentlichkeit tragen wollen, konzentriert sich auf den Preis von 50 Euro für Monatskarten. Dieser ist aus ihrer Sicht völlig überzogen.

Sie argumentieren unter anderem damit, dass es sich bei einem Großteil der Angestellten der Einrichtungen um Frauen handelt, die häufig in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt seien. Weiter seien die kostenfreien Parkmöglichkeiten in der Nähe nach der Eröffnung der Hochgarage stark eingeschränkt beziehungsweise durch eine Parkscheibenregelung nur noch selten nutzbar gemacht worden.

Ein weiterer Kritikpunkt: Zwar biete das Hospital den Mitarbeitern einen Parkplatz an der Bleichstraße an. Dieser sei jedoch ebenfalls kostenpflichtig. Aufgrund seiner Größe könne zudem ein Parkplatz nicht garantiert werden.

Die Stadt Lohne hat das Parkhaus am St.-Franziskus-Hospital für zusammengerechnet etwa 4,5 Millionen Euro errichten lassen. Foto: TimphausDie Stadt Lohne hat das Parkhaus am St.-Franziskus-Hospital für zusammengerechnet etwa 4,5 Millionen Euro errichten lassen. Foto: Timphaus

Kritik auch vor dem Hintergrund der Pandemie

Vor allem im Schichtdienst Tätige haben laut Aussage der Frauen keine Option, einen Parkplatz ohne Gebühr oder Parkzeitbeschränkung anzusteuern, da die zur Verfügung stehenden Flächen unter anderem von der Frühschicht genutzt werden. Des Weiteren würden viele dieser Parkplätze von Schülern der umliegenden Schulen frequentiert.

"Vor einem Jahr wurde für die Pflegekräfte von Krankenhäusern und Altenheimen geklatscht. Nun werden sie in Lohne zur Kasse gebeten – nur um ihr Fahrzeug abstellen zu können und ihre Arbeit zu verrichten", so Mitarbeiterinnen.

Stadt verweist auf Parkplatz an der Bleichstraße

Die Stadt Lohne wehrt sich. Circa 4,5 Millionen Euro habe man investiert, um die seit Jahren angespannte Parksituation im Umfeld des Krankenhauses zu entspannen, heißt es aus dem Rathaus. Dass der Neubau auf dem Rücken der Mitarbeiter finanziert werde, dieser Anschuldigung widerspricht die Stadt. "Wir haben von Anfang an kommuniziert, dass das Parkhaus bewirtschaftet und somit die Nutzung kostenpflichtig wird."

Die Stadt verweist unter anderem auf die Mitarbeiterparkplätze an der Bleichstraße und gibt den Spielball an die Klinik weiter: "Der Arbeitgeber hat die Möglichkeit, im Sinne der Außendarstellung seinen Mitarbeitern den Parkplatz zu subventionieren." Weiterhin könne jeder Arbeitgeber beispielsweise durch Fahrradleasing oder das Moobil-Plus-Jobticket attraktive Alternativen zur Pkw-Nutzung für seine Mitarbeiter schaffen.

Thomas Meyer, Geschäftsführer des St.-Franziskus-Hospitals und Vorstand der gleichnamigen Stiftung, zu der auch das St.-Elisabeth-Haus und die Sozialstation gehören, dankt der Stadt zunächst für den Parkhaus-Bau, der zur Standortsicherung beitrage. Er weist auch auf das am Krankenhaus angesiedelte katholische Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Oldenburger Münsterland der Schwester-Euthymia-Stiftung mit jährlich circa 200 Auszubildenden hin. 

"Wir gehen von täglich durchschnittlich 180 bis 200 Mitarbeitern in den drei Schichten aus, die mit einem eigenen KFZ den Weg zur Arbeit bestreiten."Thomas Meyer, Geschäftsführer des St.-Franziskus-Hospitals und Vorstand der gleichnamigen Stiftung

Meyer beschreibt das Parkangebot im Umfeld als "sehr umfangreich und großzügig" – auch aufgrund des Ausbaus durch die Stadt. Der beschrankte Mitarbeiterparkplatz an der Bleichstraße umfasst laut seiner Aussage gut 80 Plätze. 15 Euro pro Monat zahlen die Mitarbeiter für die Nutzung. "Bisher reichen diese Plätze aus, das Angebot einer Anmietung durch unsere Mitarbeiter wurde nur geringfügig in Anspruch genommen."

Meyer erläutert, dass sich die Mitarbeiter auf Früh-, Spät- und Nachtschicht verteilen. Beschäftigte mit höherem Einkommen, unter anderem alle Ärzte, sind von der Nutzung des Parkplatzes ausgeschlossen. Vor dem Krankenhaus und im Innenhof gibt es laut dem Geschäftsführer funktionsbezogene Parkplätze. Meyer sagt, dass ein Großteil der Angestellten im Stadtgebiet wohne und zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit komme. "Wir gehen von täglich durchschnittlich 180 bis 200 Mitarbeitern in den drei Schichten aus, die mit einem eigenen KFZ den Weg zur Arbeit bestreiten."

Krankenhausbetreiber bietet Fahrradleasing an

Aber warum steht der Parkplatz nicht allen Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung? Meyer antwortet: "Die bekannte, seit vielen Jahren unzureichende Investitions- und Betriebskostenfinanzierung im Gesundheitswesen gibt uns nicht die Spielräume, kostenfrei Parkplätze anzubieten. Wir haben durch eine abgestufte Vergabe eine sozialverträgliche Lösung entwickelt."

Meyer teilt mit, dass die Stiftung den Mitarbeitern schon länger ein Fahrradleasing anbiete. "Viele Mitarbeiter haben dieses Angebot wahrgenommen." Er verweist auf zahlreiche überdachte Fahrradstellplätze und sagt: "Wir stehen im regelmäßigen Dialog mit unseren Mitarbeitern und den Mitarbeitervertretungen und versuchen, ein den Bedürfnissen angemessenes Parkangebot, sowohl im Hinblick auf die Anzahl der vorgehaltenen Plätze als auch die Höhe der Kostenbeteiligung, anzubieten." Die Etablierung des Moobil-Plus-Jobtickets werde in Betracht gezogen. 

Der Geschäftsführer sagt, er habe große Verständnis für eine im Einzelfall entstehende, finanzielle Überforderung. Diese Situationen würden entsprechend bewertet und sozialverträgliche Lösungen gefunden, sagt er.

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