Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

300 Jahre alte Glocke läutet zu besonderen Anlässen

Der Turm hat in der Vergangenheit an verschiedenen Stellen gestanden. Wo genau der Ursprung liegt, ist nicht bekannt. Nach einer Renovierung wurde er jetzt neuerlich geweiht.

Artikel teilen:
Turm unterm Regenbogen:  Die grundlegende Sanierung wurde am Sonntag gefeiert.    Foto: Vorwerk

Turm unterm Regenbogen:  Die grundlegende Sanierung wurde am Sonntag gefeiert.    Foto: Vorwerk

Etwa alle 20 Jahre muss der Glockenturm in Drantum grundlegend saniert werden, und der Abschluss der jüngsten Renovierung wurde am Sonntag mit einer kleinen Feierstunde  begangen. Pastor Alex Mathew sprach bei einsetzendem Regen und unter einem leuchtenden Regenbogen den Segen. Emsteks Bürgermeister Michael Fischer erinnerte an den 80-prozentigen Zuschuss durch die Gemeinde. Zudem gab es weitere Sponsoren, wie Josef Zumbrägel in seiner Begrüßung betonte. Für die Maßnahme waren im Vorfeld Kosten zwischen 8000 und knapp 10.000 Euro veranschlagt worden.

Markus Meckelnborg, Vorsitzender des Emsteker Heimatvereins, gratulierte der gesamten Dorfgemeinschaft, "denn die gemeinsame Anstrengung zur Renovierung des Glockenturms ist ein wunderbares Beispiel für ein funktionierendes Dorfgemeinschaftsleben und ist zugleich ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung alter Traditionen, die leider vielerorts immer mehr verlorengehen und doch ein wichtiges Kulturgut darstellen", so Meckelnborg.

Schon im Mittelalter wurde geläutet

Etwa alle 20 Jahre müsse in den Glockenturm kräftig investiert werden, um diesen zu erhalten. "Investieren muss man aber ständig und nicht nur alle 20 Jahre in den Erhalt von Gemeinschaften. Im Regelfall ist es immer eine eher kleinere Gruppe von Personen, die - wie in Drantum - dazu beiträgt, dass eine Dorfgemeinschaft lebendig bleibt. Ich möchte Sie ermuntern, an diesem Dorfgemeinschaftsleben festzuhalten. Feiern Sie gemeinsam, organisieren Sie gemeinsame Unternehmungen und pflegen Sie Verbindendes. Dazu gehört mit Sicherheit auch der Erhalt des alten Glockenturms." 

Weitestgehend im Dunkeln liegt die Geschichte des Drantumer Glockenturms. Es ist zwar bekannt, dass bereits im Mittelalter in Drantum regelmäßig die Glocke geläutet wurde, aber die näheren Umstände der Errichtung eines Glockenturms beziehungsweise ein exakter Zeitpunkt sind heute nicht mehr zu benennen. Bekannt ist lediglich, dass neben den Einwohnern Drantums auch einige Bührener Bauern die Anschaffung einer Betglocke im Mittelalter unterstützten und damit gleichzeitig das Recht erwarben, diese Glocke zu läuten, wenn Verstorbene von ihren Höfen zum Begräbnis durch Drantum nach Emstek gefahren wurden.

Glocke entging der Einschmelzung

Der Glockenturm steht heute auf dem Hof Hackmann (früher Stallmann) in Drantum. Das war aber nicht immer so, denn über die Jahrhunderte hat der Standort des Turmes mehrfach gewechselt. Bis zum Jahr 1854 hat er vermutlich ebenfalls bei Zeller Stallmann gestanden, danach in der Nähe des 1854 erbauten Schulgebäudes im Nordosten Drantums an der Grenze zu Garthe, bevor er dann Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Hof Stallmann zurückgekehrt ist.

Im Turm hängt heute eine Glocke, die 1714 vom Oyther Glockengießer Herbert Wichmann gegossen wurde. Daneben hing viele Jahre eine etwas größere Glocke, die die Pfarrgemeinde St. Margaretha 1957 der Bauerschaft leihweise überlassen hatte. Diese Glocke, die 1999 nach Emstek zurückgekehrt ist, wurde 1766 gestiftet und stand im Ersten Weltkrieg bereits vor ihrer Vernichtung. Sie verschwand aber kurz vor ihrem Abtransport auf mysteriöse Weise und tauchte erst nach dem Krieg wieder auf.

1977 gab es ein neues Holzdach

Immer wieder musste der Glockenturm in den letzten Jahrzehnten ausgebessert und restauriert werden. 1977 gab es ein neues Holzdach, aber schon 20 Jahre später hatten Wind und Wetter wieder ganze Arbeit geleistet. In der Drantumer Dorfgemeinschaft fanden sich Initiatoren, die eine erneute gründliche Restaurierung des Turmes vorantrieben. Dank kräftiger Geldspenden aus dem Dorf sowie einiger Emsteker Unternehmen und dank der Unterstützung durch die Gemeinde Emstek war es möglich, das Holz des historischen Glockenturms vollständig zu sanieren und das Dach mit Eichenschindeln neu einzudecken. Auch die Anlagen rund um dem Turm wurden neu gestaltet.

An der Funktion hat sich bis heute nichts geändert. Zu besonderen Anlässen wird in Drantum immer noch die Glocke in dem Holzturm geläutet. 

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

300 Jahre alte Glocke läutet zu besonderen Anlässen - OM online