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2000 Jahre alte Spuren ausgewertet

Heimatfreunde bekamen in Emstek von Archäologen Ausgrabungsergebnisse vorgestellt. Besiedlung im Ecopark hörte am Ende der Römischen Kaiserzeit plötzlich auf.

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Markus Meckelnborg, Vorsitzender des Heimatvereins (von links), begrüßte die Experten Dr. Dieter Lammers, Dr. Daniela Nordholz und Hilko Poppen. Foto: Vorwerk

Markus Meckelnborg, Vorsitzender des Heimatvereins (von links), begrüßte die Experten Dr. Dieter Lammers, Dr. Daniela Nordholz und Hilko Poppen. Foto: Vorwerk

Ein römisches Lager südlich von Höltinghausen. Das wäre eine Sensation und entsprechend war Dr. Daniela Nordholz von ArchaeNord "elektrisiert", als sie verdächtige Spuren im Erdreich entdeckte. Nordholz gehört zum Ausgrabungsteam, das den Acker für die jüngste Neubausiedlung Höltinghausens vor 5 Jahren näher unter die Lupe genommen hat. Die Ergebnisse dort und was im Ecopark entdeckt wurde, haben sie und ihre Kollegen vom Büro Denkmal3D, Dr. Dieter Lammers und Hilko Poppen, am Dienstag interessierten Heimatfreunden vorgestellt.

Dunkle Bereiche deuten auf einen Speicher hin

Neben den Mitgliedern der Heimatvereine aus Emstek, Halen, Höltinghausen und Bühren waren auch von außerhalb der Gemeinde Geschichtsinteressierte ins Emsteker Rathaus gekommen, um sich von den Ausgrabungen berichten zu lassen. Über mittelalterliche und neuzeitliche Wegespuren hinaus waren in Höltinghausen auch Pfostenreihen gefunden worden, die auf ein Haus hindeuten, das zwischen 100 und 250 nach Christus gebaut wurde. Dunkle Markierungen, die ein Quadrat bilden, lassen vermuten, dass dort einst Speicher gestanden haben. "Vieles ist aber durch Eingriffe in der Vergangenheit zerstört worden." 

Der spannendste Befund seien aber eine beziehungsweise mehrere Palisadenreihen sowie ein Grabensystem gewesen, das einen ähnlichen Aufbau wie bei einem Fort nicht ausschließt. "Das war ungewöhnlich für die Römische Kaiserzeit. Allerdings haben wir nichts gefunden, was auf militärische Bewegungen schließen ließ." Alte Siedlungsspuren finden sich auch auf dem Gelände des Ecoparks. Das überrascht auch deshalb nicht, weil in Drantum bereits vor Jahrzehnten ein Gräberfeld aus der Zeit zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert entdeckt worden war. 

Markiert und nummeriert: Überall, wo aus Ackerland Bauland werden soll, sind Archäologen im Einsatz. Symbolfoto: VorwerkMarkiert und nummeriert: Überall, wo aus Ackerland Bauland werden soll, sind Archäologen im Einsatz. Symbolfoto: Vorwerk

Spannend an dieser Stelle ist, dass mit Ende der Römischen Kaiserzeit die Besiedlung offenbar ein Ende fand und erst nach einigen Hundert Jahren im Mittelalter der Platz mit neuem Leben gefüllt wurde. Schon 1996 wurden beim Bau einer Gasleitung die Spuren eines Hallenhauses aus der Römischen Kaiserzeit freigelegt, weshalb 2003 eine Prospektion durchgeführt wurden. Bei einer solchen Maßnahme werden im Abstand von 20 Metern 2 Meter breite Gräben ausgehoben. Findet sich dort etwas, geht man bei der Spurensuche ins Detail, beschrieb Dr. Dieter Lammers das Verfahren. Das Ergebnis: erkennbare Überreste von 3 bis 4 weiteren Hallenhäusern kamen zutage.

Vieles bleibt im Bereich der Spekulation

Viele Funde sind zeitlich nicht genau zuzuordnen und somit bleibt auch Vieles im Bereich der Spekulationen, räumen die Forscher ein. 2 Münzen, die im Ecopark entdeckt wurden, werden noch analysiert und könnten sich gut datieren lassen. Darüber hinaus sind der Rest eines Mahlsteins gefunden worden, eine Pfeilspitze, eine Glasperle und auch eine so genannte Soldatenfibel, mit der der schwere Soldatenmantel zusammengehalten wurde. Alleine aus der Fibel lasse sich wiederum kein Rückschluss auf ein Lager ziehen. Als Handelsware oder auch von einem Rückkehrer aus dem Militärdienst könnte sie dort hingekommen sein. 

Im Westen des Ecoparks hat Denkmal3D im März 2020 begonnen, die "für uns größte Fläche von 4 Hektar zu untersuchen", so Hilko Poppen. 2271 Befunde, die 810 Fundkomplexen zuzuordnen sind, kamen dabei zutage. Darunter die bereits bekannten "4-Pfosten-Speicher", aber auch Reste eines Hauses. Bei den Sichtungen sind auch Überlagerungen aus unterschiedlichen Zeiten denkbar, was die genaue Einordnung erschwert. Hinweise auf Bestattungen gibt es auch, und zwar sowohl Feuer- als auch Erdbestattungen. Ein komplettes Gräberfeld fehlt aber bislang. Dies würde eine zeitliche Einordnung erleichtern, meint Lammers, da dann auch Grabbeigaben zu erwarten wären und besonders Stücke aus Metall gut zu datieren seien.

1200 Jahre durchgehend besiedelt

Die gemachten Funde verweisen auf eine durchgehende Besiedlung von der späten Bronzezeit bis zur Römischen Kaiserzeit hin. Einen Zeitraum, der 1200 bis 1300 Jahre umspannt. Besonders die "Bevölkerungsexplosion in der Römischen Kaiserzeit",  so Dr. Nordholz, werfe Fragen auf. Wo kamen diese Menschen her? Wie konnten sie sich ernähren? Warum waren sie auf einmal verschwunden? Der Ecopark könnte noch einige Aufschlüsse bringen, denn viele Flächen sind noch nicht untersucht worden und bieten für die Forscher Arbeit für die Folgejahre.

Die Kosten tragen am Ende die Käufer der Flächen, denn seit einigen Jahren gilt das Verursacherprinzip. Werden Flächen für Bebauung hergerichtet, hat der Auftraggeber auch die Kosten für die archäologischen Untersuchungen zu tragen. Im Ecopark dürften dies in den zurückliegenden Jahren rund 2 Millionen Euro gewesen sein. Beispielhaft wurde ausgerechnet, dass sich dadurch der Quadratmeterpreis um 8 Euro verteuert, wie Ecopark-Geschäftsführer Uwe Haring auf Nachfrage mitteilte.

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