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150 Jahre St. Peter und Paul: Kirchenbau ermöglicht Garrel den Status als Kirchengemeinde

1859 stellten die Garreler den Antrag auf den Neubau einer Kirche. Was nun fehlt, war viel Geld. Also wurden unter anderem „293 Pfänder Moor von zusammen 1211 Scheffel zum Buchweizenbau“ verpachtet.

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Pfarrkirche St. Peter und Paul: Im November 1871 wurde sie benediziert. Foto: Heimatverein Garrel

Pfarrkirche St. Peter und Paul: Im November 1871 wurde sie benediziert. Foto: Heimatverein Garrel

Den Garrelern steht ein Jubiläum ins Haus: Gefeiert wird das 150-jährige Bestehen der Kirche St. Peter und Paul und die damit verbundene Entstehung einer selbstständigen Kirchengemeinde. Die Bauerschaft Garrel gehörte ursprünglich bis 1871 zur Pfarrei Krapendorf mit der Pfarrkirche St. Andreas. In Garrel gab es lediglich eine Fachwerkkapelle. Die jetzige Kirche wurde von 1869 bis 1871 als neugotische Hallenkirche aus Backstein nach den Plänen des Architekten Johann Bernhard Hensen aus Sögel errichtet. 1966 wurde die Kirche um ein Querhaus erweitert, wobei Langhaus und Turm erhalten blieben, sodass heute 1200 Personen in ihr Platz finden.

In der vom 30. Dezember 1871 unterzeichneten Gründungsurkunde der Kirche schrieb Bischof Johann Bernard von Münster: "Schon vor 50 Jahren haben die Einwohner von Garrel unser Oldenburgisches Offizialat inständig gebeten, die Bauerschaft Garrel zusammen mit der Kolonie Beverbruch möge von der Pfarrkirche Cloppenburg getrennt und die in Garrel gelegene Dorfkapelle möge als Pfarrkirche errichtet werden.  Wir haben nun alles nochmals genau geprüft und entschlossen, ihren Bitten zu entsprechen." Mit dieser Urkunde, die erst Monate später ankam, erhielt Garrel offiziell den Status einer Pfarrgemeinde.

Postkartenansicht: Die Garreler Kapelle, erbaut um 1570.
Foto: © Heimatverein
Vor dem Erweiterungsanbau: Die Garreler Kirche von innen.
Foto: © Heimatverein

Dass es damals – lange vor der Kirche St. Peter und Paul – überhaupt eine Dorfkapelle gegeben hat, war eine Seltenheit. Sie wurde erbaut, weil die Bevölkerungszahl für eine Pfarrkirche nicht ausreichte. Wann, ist unklar. Nach einer Überlieferung soll sie um 1570 von dem evangelischen Pastor Kiepen von Krapendorf erbaut, armselig und der Altar einfach aus Holz gefertigt gewesen sein.

Demnach hatten die Garreler jahrhundertelang in der Dorfkapelle ihren Gottesdienst gefeiert – im Wechsel die Protestanten und dann die Katholiken. 1697 wurde sie umgebaut und vergrößert. Überspitzt kann man sagen, dass Reifröcke der Grund für den Neubau der Garreler Kirche im 19. Jahrhundert waren. So schreibt Heinrich Kalvelage in der 1972 erschienen Chronik zur 100-Jahr-Feier Garrels: "In der alten Kirche hatte jede Familie ihren eigenen Stuhl. Neu hinzukommende Siedler, und das waren ziemlich viele, wurden auf die Plätze der alten Besitzer verteilt. Das gab schon viele Unzuträglichkeiten. Als nun auch noch die Mode Reifröcke für die Frauen brachte, wurde das Gedränge in der engen Kapelle unerträglich."

Eine Million Steine wurden beim Bau der Kirche gebraucht

Schon 1859 hatten die Garreler den Antrag auf Errichtung einer Pfarrei und den Neubau einer Kirche gestellt. Doch dafür brauchten sie viel Geld, weswegen sie an der Böseler Grenze laut Kalvelage "293 Pfänder Moor von zusammen 1211 Scheffel zum Buchweizenbau" verpachteten. So hatte man 1867 schon 7000 Taler zusammen, benötigt wurden aber 19.000 Taler. Nachdem Kaplan Timmen 1865 verstorben war, nahm sich sein Nachfolger Kaplan Neteler erfolgreich dem Vorhaben an. Als Standort wurde ein Platz auf dem Friedhof gewählt, auf dem zuvor der Bauer Rickwärts seine Hofstätte hatte.  Am 26. September 1869 wurde der Grundstein gelegt. "Im ganzen Bau, der 2 Jahre gedauert hat, wurden ungefähr 1 Million Steine gebraucht", berichtete Kalvelage in der Chronik von 1972. 

Am 23. November 1871 wurde die Kirche benediziert, eine Einweihung durch Bischof Johann Bernard erfolgte 4 Jahre später. Die Kirche wurde den Apostelführern Petrus und Paulus geweiht. 1875 fand eine Orgel ihren Platz über der Sakristei neben dem Hochaltar.  1873 erhielt die Kirche ihre ersten Glocken – gegossen aus erbeuteten französischen Kanonen. Sie mussten im Ersten Weltkrieg wieder abgegeben werden. 1924  wurden neue beschafft, die letztlich dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fielen. 1948 hielten die jetzigen Glocken ihren Einzug. Nach der Fertigstellung der neuen Kirche im Jahr 1871 wurde die alte Dorfkapelle verkauft und „zu einem Wohnhaus, verbunden mit Wirtschaft und Laden, eingerichtet“. Heute findet man dort das Gasthaus „Zum Schäfer“.

1965/1966 wurde aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl ein Erweiterungsbau notwendig

Kaplan Netteler und die Garreler waren 1870 der Auffassung, für Jahrhunderte das Problem des Kirchenbaus gelöst zu haben. "Doch das explosionsartige Anwachsen der Bevölkerung zeigte bereits nach 100 Jahren, dass die Kirche für die Bevölkerung zu klein geworden war", schreibt Kalvelage. Folglich wurde eine Erweiterung notwendig, für die sich 1965/66 Pfarrer Joseph Arlinghaus verantwortlich zeigte.

  • Info: Ursprünglich sollte das 150-jährige Bestehen der Kirche St. Peter und Paul sowie der Kirchengemeinde mit einem Festgottesdienst und dem Besuch von Bischof Dr. Felix Genn gefeiert werden. Jedoch musste die Jubiläumsmesse wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Sie soll aber im kommenden Jahr nachgeholt werden.

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