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100 Tage im Amt: Friesoyther Pfarrer will nicht nur für den Fußball Flagge zeigen

Am Valentinstag wurde Christoph Winkeler in der St.-Marien-Gemeinde eingeführt, die von personellen Veränderungen geprägt ist. Eine neue Homepage und ein eigenes Logo werden zurzeit erarbeitet.

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Neue Gartengestaltung: Pfarrer Christoph Winkeler legte dabei auch selbst Hand an. Foto: Wimberg

Neue Gartengestaltung: Pfarrer Christoph Winkeler legte dabei auch selbst Hand an. Foto: Wimberg

Die Bayern-Flagge hat er nur kurz zur Meisterschaft gehisst und konnte im Pfarrhaus erwartungsgemäß seine Freude über den 9. Titel in Folge nicht teilen. „Ich bleibe wohl der einzige Fan“, sagt Christoph Winkeler, zu dessen Fundus  seit Kurzem allerdings auch die Friesoyther Fahne zählt, die am Franziskusplatz vermutlich eine größere Anhängerschaft begeistert. Grundsätzlich sei ihm Flagge zeigen auf verschiedenen Ebenen wichtig, betont der Geistliche, der Pfingstmontag 100 Tage im Amt ist.

„100 Tage sind es schon, gut zu wissen“, kommentiert der 57-Jährige, der am Valentinstag offiziell eingeführt wurde. Seitdem habe er durch Corona nur wenige Kontakte knüpfen und „normale Gespräche“ führen können. Die vergangenen Monate waren darüber hinaus von einschneidenden Veränderungen geprägt. Die tragischste für das Team war der plötzliche Tod von Pastoralreferent Martin Kröger, der beruflich wie menschlich eine große Lücke hinterlässt. Nach Vechta verabschiedet sich im Sommer Kaplan Cosmin. Ab September „sind wir dann nur noch zu zweit im Regelbetrieb“, spricht Winkeler für sich und Ulrich Bahlmann.

Ob und wann es personelle Neubesetzungen für insgesamt 3 vakante Stellen geben werde, sei völlig offen. 2 Priester der Weltkirche sowie ein Pastoralreferent oder eine Referentin stünde Friesoythe laut Verteilungsplan zu, aber „Einfluss auf die Entscheidung haben wird es nicht und es muss ja auch Menschen geben, die wechseln wollen“. Deshalb plant das Seelsorgeteam schon jetzt, wie es die Gottesdienste und Aufgaben in allen 6 Ortsteilen auf unbestimmte Zeit überbrücken und gestalten kann. Dabei stellt sich der leitende Pfarrer auch die Frage, ob nach der Krise „überhaupt alle wieder in die Kirche kommen“.

Mit dem Thema Missbrauch, der in Neuscharrel und Markhausen öffentlich wurde, sieht sich Winkeler erstmals in seiner Laufbahn als Chef einer Gemeinde konfrontiert. „Dem werde ich mich selbstverständlich annehmen und als Ansprechpartner für Aufarbeitung auf allen Ebenen zur Verfügung stehen.“

Winkeler kritisiert die "schräge Mischung" aus Rom

Genauso unmissverständlich äußert er sich zur Segnung homosexueller Paare, gegen die sich der Vatikan ausgesprochen und damit heftige Diskussionen ausgelöst hat. „Selbstverständlich verweigere auch ich den Segen nicht, wenn ich gefragt werde“, unterstützt er die Mitbrüder gleicher Meinung, unter ihnen der Lohner Kaplan Alexander Senk, der auch in Friesoythe regelmäßig tätig war. Winkeler kritisiert die „schräge Mischung“, die Rom vornehme. Schließlich sei ein Segen keine Ehe und Menschen nicht zu segnen, ließe sich mit seiner Auffassung von Seelsorge nicht vereinbaren.

Seine Freizeit nutzt der gebürtige Löninger, seine Mutter und Familienmitglieder im Südkreis zu besuchen. Nach wie vor erkundet er das gesamte Friesoyther Stadtgebiet, „in dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt“. Komplett fertiggestellt ist dagegen schon lange seine Wohnung, in der nicht mal mehr das obligatorische Bild oder die letzte Lampe noch fehlten. Fleißig war der Pfarrer auch im Garten, in dem er selbst Hand angelegt und kleine blühende Landschaften geschaffen hat.

Statt Italien Urlaub mit Freunden in Deutschland

Aktuell beschäftigt er sich mit dem Online-Auftritt der Pfarrei, der komplett neu gestaltet werden soll. „Das Layout ist in die Jahre gekommen und muss lebendiger werden“, sagt Winkeler und lädt auf der modernisierten Homepage unter anderem Vereine und Verbände ein, sich vorzustellen. Darüber hinaus soll die Kirchengemeinde ein eigenes Logo erhalten, auch das werde zurzeit in einem Arbeitskreis erarbeitet.

Urlaub möchte er zwischendurch machen. Italien mit Sonne und Meer gehört zu den Lieblingszielen des Geistlichen, „doch vorsorglich haben wir uns für Deutschland entschieden, auch schön“, berichtet Winkeler, der mit Freunden unterwegs ist. Interesse zeigen, das habe er sich auf die seelsorgerischen Fahnen geschrieben, sagte der Pfarrer bei seiner Einführung. Und er hofft, dass Corona für diesen Anspruch den Weg frei mache. „Ich weiß, dass sich hier viele einbringen wollen und kreativ sind“, so Winkeler. Sein Interesse sei vorhanden, er wolle auf Menschen zugehen, „aber es ist auch schön, wenn sie auf mich zukommen“.

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