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Zwei betagte Freundinnen dealen mit Medikamenten im Metropol-Theater

Es war eine anregende Inszenierung der Landesbühne Niedersachsen Nord. Das Ensemble harmonierte hervorragend. Die Rollen schienen den Schauspielern auf den Leib maßgeschneidert gewesen zu sein.

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Sybille Hellmann (links) und Annagerlinde Dodenhoff als Beate und Ute K.  Foto: Heinzel

Sybille Hellmann (links) und Annagerlinde Dodenhoff als Beate und Ute K.  Foto: Heinzel

Ute K. und Beate dealen mit Medikamenten, um sich einen schönen Lebensabend in Japan leisten zu können. Doch dann stirbt ihre Quelle an einem Schlaganfall – gemeint ist Willi, der Ehemann von Ute K. Die Freundinnen planen nun eine Sozialbestattung für den Verstorbenen, um an das für die Beisetzung zurückgelegte Geld zu gelangen. Der Tod und der Umgang damit sind der thematische Kern des Stückes „Tot sind wir nicht“ von Svenja Viola Bungarten.

Die Landesbühne Niedersachsen Nord führte das Stück jetzt im Vechtaer Metropol-Theater auf. Das Ensemble erhielt für die anderthalbstündige Inszenierung von Maximilian J. Schuster viel Applaus und auch gelacht wurde reichlich. Es war eine Freude, das Ensemble bei seinem Spiel zu beobachten. Herrlich, wie die spritzigen Dialoge zum Leben erweckt und mittels Gestik und Mimik unterstützt wurden.

"Der Tod ist kein Schicksal, sondern eine Notwendigkeit"

Annagerlinde Dodenhoff und Sybille Hellmann spielten die Protagonistinnen Ute K. und Beate wunderbar verschroben, schlagfertig und lebenslustig. Beide treffen auf das Onkel-Neffe-Bestattergespann Piotr Nagel verkörpert durch Johannes Simons und Jason Nagel gespielt von Stefan Faupel. Letzterer mimt erfrischend und irgendwie sympathisch einen verspulten und verhinderten Philosophen, der mit individuellen Bestattungen seine Branche revolutionieren möchte. Andere stößt er mit Äußerungen wie "Der Tod ist kein Schicksal, sondern eine Notwendigkeit" oftmals vor den Kopf. "Ich gründe kein Unternehmen, ich gründe ein Imperium", verkündete er großspurig gegenüber Franka, einer ehemaligen Schulkameradin, die ihm Konkurrenz macht und in der Kryonik unterwegs ist.

"Der Tod ist kein Projekt, aber seine Abschaffung", sagt Franka gespielt von Ramona Marx, die die ganze Beziehung zwischen Franka und Jason in eine gezischte Antwort legen kann. Genauso wie Stefan Faupel die ganze Person Jason in eine Kopfbewegung, die seine Scheitel nach hinten wirft, legen kann. Dem steht Johannes Simons mit der Interpretation seiner Rolle in nichts nach. Allen scheinen die Rollen auf den Leib geschneidert zu sein.

Ensemble und Stück verschmelzen zu einem sehenswerten Erlebnis, welches mit spielerischer Leichtigkeit zum Nachdenken über Entscheidungen bringt. So heißt es im Stück: "Der Tod ist eine Entscheidung Ute K., genau wie das Leben eine Entscheidung ist."

Auf der Bühne (von links): Ramona Marx (Franka), Sybille Hellmann (Beate), Annagerlinde Dodenhoff (Ute K.), Johannes Simons (Piotr Nagel) und Stefan Faupel (Jason Nagel). Foto: HeinzelAuf der Bühne (von links): Ramona Marx (Franka), Sybille Hellmann (Beate), Annagerlinde Dodenhoff (Ute K.), Johannes Simons (Piotr Nagel) und Stefan Faupel (Jason Nagel). Foto: Heinzel

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