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Zumwalde schreibt offen über die Pflege ihrer Eltern

Die Dümmerlohauserin betreute neben der Berufstätigkeit ihren Vater und ihre Mutter. Und das über  einen Zeitraum von 15 Jahren.

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Unter die Autorinnen gegangen: Wiltrud Zumwalde hat im Geest-Verlag ihr Buch mit dem Titel „Wann holst Du Mama?“ über die Pflege ihrer Eltern veröffentlicht.  Foto: Lammert

Unter die Autorinnen gegangen: Wiltrud Zumwalde hat im Geest-Verlag ihr Buch mit dem Titel „Wann holst Du Mama?“ über die Pflege ihrer Eltern veröffentlicht.  Foto: Lammert

Lange hat die Dammerin Wiltrud Zumwalde an ihrem ersten Buch geschrieben. Etwa 5 Jahre, nachdem sie die Anfangszeilen verfasst hatte, ist es dieser Tage im Geest-Verlag erschienen.

Es gehörte gewiss einiges an Mut dazu, es zu veröffentlichen. Nicht, weil es in „Wann holst Du Mama?“ um die Pflege von Menschen, in diesem Fall um die der Eltern der Autorin, geht. Sondern, weil die 54-Jährige ihren Lesern von Zweifeln, Zerrissenheit und Erschöpfung  erzählt, ihnen Details aus dem Familienleben anvertraut. 

Doch ohne diese ganz offenen Einblicke in die Privatsphäre der Familie Zumwalde wäre es ein Buch über die Pflege von Senioren wie viele andere auch. So aber ist es ein Buch, das den Leser anrührt, in dem sich viele Menschen, die ebenfalls Angehörige gepflegt haben oder noch pflegen, wiederfinden können.

Und es zeigt, wie wichtig die Familie ist, um eine solche Herausforderung, die die häusliche Pflege eines Menschen bedeutet, bewältigen zu können.

Anfangs reichte eine Unterstützung noch aus

Wiltrud Zumwalde, die mit ihrem Mann im Dammer Ortsteil Dümmerlohausen in ihrem Elternhaus lebt, hat ihre Mutter und ihren Vater ab dem Jahr 2000 über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren gepflegt, beide zusammen über 12 Jahre.

Zunächst reichte eine leichte Unterstützung, in der Folge wurde die Pflege immer intensiver. Ihre Mutter war letztlich auf den Rollstuhl angewiesen. Ihr Vater starb 2012, ihre Mutter 2015.

"Ich war einfach nur fertig, ausgepowert und ohne Kraft."Wiltrud Zumwalde, Autorin

Ihr Vater erkrankte an Demenz, was dazu führte, dass er das letzte Jahr seines Lebens im Haus Am Ohlkenberg verbrachte. Nach einem langen gemeinsamen Weg in Dümmerlohausen hatte sich Wiltrud Zumwalde mit ihrer Mutter und ihrer Familie zu diesem Schritt entschlossen, weil sie an die Grenze ihrer Kräfte gestoßen war. „Ich war einfach nur fertig, ausgepowert und ohne Kraft“, schreibt sie über diese Phase im Jahr 2011.

Berührend ist, wie die Autorin den Leser teilhaben lässt an ihren eigenen Zweifeln, ob es richtig war, den Vater im Seniorenheim pflegen zu lassen. „Hatte ich überhaupt das Recht, so eine Entscheidung zu treffen? Über meinen eigenen Vater zu bestimmen? Auch wenn meine Mutter mit dieser Entscheidung einverstanden war, fühlte es sich für mich nicht richtig an!“, schreibt sie. Sätze, die auch von der damaligen inneren Zerrissenheit der Autorin zeugen.

Verbleib im Beruf war Wiltrud Zumwalde wichtig

Sie macht aber auch deutlich, wie wichtig es ihr war, trotz der Pflege der Eltern nicht aus ihrem Beruf als Chefsekretärin im Dammer Rathaus auszuscheiden und ihr großes Hobby, den Osterfeiner Frauenkarneval, nicht aufzugeben. Auch wenn das einigen Menschen außerhalb der Familie zumindest anfangs sauer aufstieß und für Wiltrud Zumwalde über viele Jahre einen Spagat bedeutete.

Aber die Bilanz, die sie knapp fünf Jahre nach dem Tod ihrer Mutter zieht, ist eine positive. Sie würde es genau so wiedermachen.

  • Info: „Wann holst Du Mama?“ von Wiltrud Zumwalde ist im Vechtaer Geest-Verlag in einer Auflage von 300 Exemplaren erschienen. Erhältlich ist das Buch mit seinen 84 Seiten zum Preis von 9,80 Euro je Exemplar unter anderem in der Dammer Buchhandlung Zum Alten Rathaus und beim Geest-Verlag in Vechta.

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