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Wortreich und pointiert: Günther, der Treckerfahrer, plädiert für das Landleben

2000 Gäste machen die "Jahreshauptversammlung" in Vechta beschlussfähig. Ihr Hauptredner versteht es wie kaum ein anderer, die Stimmung der Menschen auf dem Lande treffsicher auf den Punkt zu bringen.

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Er hatte sein Publikum im Griff: Günther, dem Treckerfahrer. Foto: Wenzel

Er hatte sein Publikum im Griff: Günther, dem Treckerfahrer. Foto: Wenzel

Wo ist der Lanz Bulldog? Beim Blick auf das Bühnenbild fällt sofort auf, dass etwas Entscheidendes fehlt. Ein Treckerfahrer ohne Trecker, das geht ja gar nicht. Die Brandschutzbestimmungen und ihre Ausführungsorgane lassen es allerdings nicht zu, dass etwas derart Brennbares heutzutage auf die Bühne gelassen wird.

Immerhin haben sie den Günther am Samstagabend auf die Bühne des Rasta-Domes gelassen. Das ist auch gut so. Keiner bringt die Lebensweise und die Kultur der norddeutschen Landbevölkerung so authentisch rüber wie er. Dabei war er ursprünglich als Kommentator der aktuellen Politik von einem Radiosender ins Leben gerufen worden. Seit mehr als 30 Jahren gibt er jeden Wochentag um 7.10 Uhr seinen Senf zum täglichen Wahnsinn in der Politik ab.

Dazu kommen noch etwa 35 Auftritte im Jahr, zumindest wenn nicht gerade eine Pandemie im Land wütet. Allerdings hat die Pandemie auch ihre guten Seiten, ohne sie hätte Günther vielleicht nicht im Rasta-Dome vor etwa 2000 Leuten auftreten können. Durch die Pandemie haben viele Menschen hierzulande neue Hobbys entdeckt und manch einer traut dem Braten vielleicht immer noch nicht. Jedenfalls war es sehr viel schwieriger, in diesem Jahr die letzten 30 Karten zu verkaufen als die 2000 Karten, die 2020 verkauft wurden.

Mehr als beschlussfähig: 2000 Gäste nahmen an der Jahrshauptversammlung im Rasta-Dome teil. Foto: WenzelMehr als beschlussfähig: 2000 Gäste nahmen an der Jahrshauptversammlung im Rasta-Dome teil. Foto: Wenzel

Sei' s drum, Günther hatte geladen und die Versammlung war beschlussfähig. Zunächst wurde der Verstorbenen gedacht. Günther ließ die Zuschauer an deren letzten Augenblicken teilhaben und schilderte ihr tragisches Ableben sehr anschaulich. Damit war der Anfang gemacht und der Saal nahm lebhaft an der Versammlung teil. Damit keiner einschlief, unterhielt Heinz Vukovar zwischendurch die johlende Meute gnadenlos mit seinen musikalischen Ergüssen.

Viele der Geschichten vom Leben der niedersächsischen Landbevölkerung und ihrem seltsamen Treiben stammen von der CD „Landleben“ aus dem Jahr 2010. Sie ist eine Sammlung aus verschiedenen Auftritten von Günther dem Treckerfahrer und zeugen von der guten alten Zeit auf dem Lande. Günthers Schöpfer, Dietmar Wischmeyer ist selbst ein Kind vom Lande und kennt vieles aus seinem Programm aus eigener Erfahrung.

Hauptnahrungsmittel der männlichen Ureinwohner war das Bier

Eine Zeit, in der Männer tranken, was klar ist, und sprachen, was wahr ist. Hauptnahrungsmittel der männlichen Ureinwohner war das Bier und Fleisch diente vor allem dazu, den Magen vor dem alkoholbedingten Kollaps zu bewahren. Heutzutage dehnt sich die Stadt imperialistisch auf das Land aus und macht den Treckerfahrern das Leben schwer.

Erstes Anzeichen für diese Kolonialisierung sei ein Weinladen, meinte Treckerfahrer Günther. Als Nächstes pflastern die Stadtmenschen die Landschaft mit ihren Photovoltaikanlagen voll, um damit ihre Cappuinomaschinen zu betreiben. Vorbei die Zeiten, als man als anständiger Landmensch noch unbehelligt seine toten Schweine im Karpfenteich versenken konnte oder die Chemiebehälter mit den alten Treckerreifen einfach auf dem Hof abgefackelt hat.

Foto: WenzelFoto: Wenzel

Dass Günther, der Treckerfahrer, nicht zur Comicfigur à'la Wickie und die Starken Männer verkommt, liegt an der pointierten Wortwahl von Dietmar Wischmeyer. Der studierte Philosoph versteht es wie kaum ein anderer, die Stimmung der Menschen im Land treffsicher auf den Punkt zu bringen.

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