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Witze, Krabbenbrote und Serienkiller

Kolumne: Batke dichtet – Ostfriesland ist ein heißes Pflaster. Denn neben den Ostfriesenwitzen passieren im "Mordwesten" düstere Geschichten – natürlich mit Wortwitz gepaart.

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Darf ich Sie mitnehmen auf einen kleinen Ausflug? Nicht weit. Schnell zu erreichen. Gute Stunde mit dem Auto. Und E-Biker brauchen mit Rückenwind auch nicht viel länger. Wo's hingeht? Nach Ostfriesland. Moin! Ich habe schon lange keinen Ostfriesenwitz mehr erzählt. Kennen Sie den noch, kommt aus meiner Branche: Warum tragen Ostfriesen beim Lesen der Zeitung einen Helm? Damit sie nicht von den Schlagzeilen umgehauen werden.

Ostfriesenwitze, die angeblich im benachbarten Ammerland erfunden wurden, hatten vor rund 50 Jahren Konjunktur. Gezeichnet wird dabei das Bild vom dümmlichen und einfältigen Küstenbewohner. Wer aber 22 Euro fuffzig für ein schlankes Krabbenbrot mit einer kleinen Portion Rührei nimmt und bezahlt bekommt, kann so dumm nicht sein. Natürlich weiß jeder, dass die Witze über Ostfriesen klischeebeladen sind wie beispielsweise die über Blondinen. Und sie sind in gewisser Weise austauschbar. Na gut, einen hab' ich noch: Warum nehmen ostfriesische Polizisten immer eine Schere mit auf die Verbrecherjagd? Um den Gaunern den Weg abzuschneiden.

Schöne Überleitung zum eigentlichen Thema, um das der heutige Aufsatz kreist. Es geht um die düstere Seite des platten Landes zwischen Dollart und Jadebusen – beschrieben in einer wahren Sturmflut von Ostfrieslandkrimis. Schnell verfestigt sich der Eindruck, in der gefährlichsten Region der Republik gelandet zu sein. Titel wie "Der Würger von Borkum", "Kluntjesmord in Carolinensiel" oder "Wenn Wattwürmer weinen" verbreiten Grauen.

"Der Mordwesten scheint die Region mit der höchsten Serienkiller-Dichte Mitteleuropas zu sein. Wer kann da in seinem Wangerooger Strandkorb noch sicher sein?"Alfons Batke, Journalist

Kapitalverbrecher ziehen eine Blutspur durch die Wiesen-, Fehn- und Moorlandschaft und über die Inseln. Aurich, Norden, Leer oder Langeoog haben Mordraten wie die Bronx in schlimmsten Zeiten und sowieso: Der Mordwesten scheint die Region mit der höchsten Serienkiller-Dichte Mitteleuropas zu sein. Wer kann da in seinem Wangerooger Strandkorb noch sicher sein?

Der Blog "Ostfrieslandkrimis de." listet allein 17 Autoren, die unter Klarnamen oder Pseudonym Ermittlerteams aussenden, um das Geheimnis um die "Blutige Seedüne" zu lüften, den "Skippermord in Bensersiel" aufzuklären oder den "Mörder im Ostfriesennerz" zu fassen. Und natürlich haben auch schon längst die "Krummhörn Cops" Witterung aufgenommen – viel Klamauk mit Lokalkolorit also, wie uns auch das Werk mit dem Titel "Der Möwenschiss-Mord" verheißt.

Die besten Ostfriesenmorde schreibt allerdings ein Ruhrpottler

Ungekrönter König des Genres ist ein Mann aus dem Ruhrpott: Klaus-Peter Wolf, gebürtig aus Gelsenkirchen, mischt seit mehr als einem Jahrzehnt deutschlandweit die Krimi-Szene gehörig auf. Seine Romane um die Norder Kommissarin Ann Kathrin Klaasen, die stets Ende Februar erscheinen, schießen in schöner Regelmäßigkeit auf Platz eins der Bestsellerlisten und führen diese über Wochen an. Mehr als 500.000 verkaufter Einheiten sind keine Seltenheit, für das jüngste Werk ("Ostfriesenzorn") aus der mittlerweile 15 Folgen umfassenden Reihe des preisgekrönten Autors lagen allein 150.000 Vorbestellungen vor. 4 der Episoden sind verfilmt worden und erreichen zur besten Sendezeit am Samstagabend im ZDF mehr als 7 Millionen Zuschauer.

Heißes Pflaster, also dieses Ostfriesland. Nicht nur der Verkauf überteuerter Krabbenbrote erscheint da als lukratives Geschäftsmodell. Jetzt fehlt mir nur noch die zündende Idee für meinen ersten Ostfriesland-Krimi.

Okay, einen Arbeitstitel hätte ich schon. Wie wär's mit „Der letzte Gag des Ostfriesenwitze-Erzählers von Moormerland“?


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 65-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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