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Wie aus altem Wachs faszinierende Kunst entsteht

Im Dinklager Klostercafé ist jetzt die Ausstellung "Wachs in meiner Hand" zu sehen. Dort zeigt Schwester Veronika ihre Werke, die sie aus Wachsresten der Klosterwerkstatt kreiert hat.

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Präsentiert ihre Werke: Schwester Veronika Scharnberg hat alle ihre Bilder aus Wachs geschaffen. Foto: Wegmann

Präsentiert ihre Werke: Schwester Veronika Scharnberg hat alle ihre Bilder aus Wachs geschaffen. Foto: Wegmann

"Kerzen, dieser bunte Klebkram, das kann doch jedes Kommunionskind", wurde ihr zu Beginn oft gesagt. Daran erinnert sich Schwester Veronika Scharnberg. 2002 begann die Ordensschwester ihre Tätigkeit in der Kerzenwerkstatt des Klosters Burg Dinklage und hat seitdem eingehend unter Beweis gestellt, dass sie mit Wachs in ihrer Hand viel mehr kann. Die immer neuen biblischen Motive, die sie auf die Klosterkerzen appliziert, sind bundesweit beliebt, und auch über die deutschen Grenzen hinweg werden aus dem Dinklager Kloster regelmäßig Kerzen versandt.

Nun luden die Klosterschwestern zur Vernissage der Ausstellung "Wachs in meiner Hand – Wachsapplikationen von Schwester Veronika Scharnhorst OSB“ ein. In den Räumen des Klostercafés stehen seitdem zahlreiche Werke zum Verkauf, die mithilfe verschiedenster Techniken entstanden sind.

"Die Wachsplatten sind für die Kerzen immer höchstens zweimal benutzbar, danach verlieren sie ihre Elastizität", verrät Schwester Veronika. Für ihre Bilder nutzt sie die Wachsreste, die bei der Arbeit in der Kerzenwerkstatt anfallen. Das Wachs bügelt sie zwischen 2 Lagen Backpapier, so entstehen mit Finesse verschiedenste Effekte: Sanfte Farbverläufe, plastische Falten, sogar unterschiedliche Strukturen kann sie erschaffen.

Christliche Motive: Schwester Veronika weiß genau, wie sie mit dem speziellen Material Wachs umgehen muss, um beeindruckende Bilder wie dieses zu schaffen. Foto: WegmannChristliche Motive: Schwester Veronika weiß genau, wie sie mit dem speziellen Material Wachs umgehen muss, um beeindruckende Bilder wie dieses zu schaffen. Foto: Wegmann

"Nach 20 Jahren in der Kerzenwerkstatt weiß ich, wie sich die einzelnen Farbplatten verhalten. So kann ich den Fluss, die Farbigkeit und auch die Stärke des Wachses steuern." Aber auch Schwester Veronika ist hin und wieder von dem Ergebnis ihrer Arbeit überrascht: "Ich habe sehr genau vor Augen, was ich erschaffen möchte. Meine Arbeit ist aber auch gleichzeitig immer ein Abenteuer. Manchmal klappt das, was ich vorhatte, überhaupt nicht. Dafür entsteht ganz ungeplant etwas Wunderschönes."

Neben dem christlichen Glauben hat sie auch die Faszination für Farben immer begleitet. Schon als Jugendliche wollte sie ins Kloster eintreten, doch ihre Mutter mahnte: "Lern du erst mal leben."

So studierte sie Kunstgeschichte, heiratete, zog ihre Kinder groß und war 20 Jahre lang in der Altenpflege tätig. Zeit für die Kunst blieb dabei nicht. Es sind aber stetig Motive in ihrem Kopf entstanden: "Ich trage Bilder in mir." Im Jahr 2000 schließlich traf Schwester Veronika dann doch die Entscheidung, in das Dinklager Kloster einzutreten.

Auf die Ausstellung: Schwester Veronika war natürlich selbst bei der Vernissage dabei. Alle ihre Bilder sind auch verkäuflich. Foto: WegmannAuf die Ausstellung: Schwester Veronika war natürlich selbst bei der Vernissage dabei. Alle ihre Bilder sind auch verkäuflich. Foto: Wegmann

Viele ihrer Motive haben einen spirituellen Hintergrund. "Bei der Kerzenherstellung habe ich einen apostolischen Auftrag, aber auch in meinen Bildern spiegelt sich mein Glaube", erzählt die Schwester. "Ich suche immer und überall nach Gott." Und sie findet ihn – in der Natur, in den Menschen, in ihrer Umwelt. Selbst für den ungeschulten Blick ist die Immanenz Gottes in ihren Werken deutlich erkennbar. Es sind Bilder, die aus der Seele sprechen. Denn ihre Arbeiten mit Wachs sind für Schwester Veronika auch eine Möglichkeit der Verwirklichung.

"Bei Krieg und Hunger, Weltenbrand,
nimmst du das Wachs in deine Hand,
um deine Welt zu formen“Gedicht von Peter Fischer für seine Schwester

Bereits 2019 hatte sie durch ihren Bruder Peter Fischer die Möglichkeit, ihre Werke in der Kunsttankstelle in Lübeck auszustellen. Anlässlich der aktuellen Ausstellung im Klostercafé widmete dieser Schwester Veronika eigens ein Gedicht: "Bei Krieg und Hunger, Weltenbrand, nimmst du das Wachs in deine Hand, um deine Welt zu formen“", schreibt er über die Werke seiner Schwester.

Die Vernissage nutzte Schwester Veronika, um sich bei ihren Mitschwestern zu bedanken, die sie tatkräftig dabei unterstützt haben, diese Ausstellung ins Leben zu rufen. Allen Besuchern wünschen die Klosterschwestern "Freude und Muße; und daraus entstehend gute Begegnungen mit den Kunstwerken und miteinander".

Die Besucher können nun im Klostercafé in Ruhe verweilen und in jedem Motiv aufs Neue Bedeutungen und Botschaften für das eigene Leben finden. Um es mit den Worten Peter Fischers zu sagen: "Dies staunend der Betrachter sieht, eh er erfüllt von hinnen zieht, dem Tag sich neu zu stellen."


Fakten:

  • Sämtliche Werke sind verkäuflich.
  • Sie können während der Öffnungszeiten des Klosterladens, dienstags bis sonntags zwischen 14.30 und 17.30 Uhr, besichtigt werden.
  • In den Wintermonaten lädt zudem das Klostercafé freitags bis sonntags mit selbstgemachten Torten und heißen Getränken ein.

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