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Wenn eine Bedienung nach der Fassenacht-Sitzung tot im Mülleimer landet

Andreas Wagner liest in Dinklage aus seinem Krimi "Winzerschuld" und teilt zusammen mit Robert Bücker sein geballtes Weinwissen. Es war ein spannender und unterhaltsamer Abend mit trockenem Humor.

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In rotes Licht getaucht: Immer, wenn der Buchautor Andreas Wagner aus seinem Winzerkrimi „Winzerschuld“ vorgetragen hat, verdunkelte sich der Saal, um die Spannung zu steigern. Foto: Vollmer

In rotes Licht getaucht: Immer, wenn der Buchautor Andreas Wagner aus seinem Winzerkrimi „Winzerschuld“ vorgetragen hat, verdunkelte sich der Saal, um die Spannung zu steigern. Foto: Vollmer

Vor sich rechts das Glas des Winzers und Krimiautors Andreas Wagner – links das Glas des Weinhändlers Robert Bücker. Um die 110 Weinfreunde genossen am Freitagabend die Lesung mit Weinverkostung im Saal des Schützenhauses. Eingeladen hat der Bürger- und Kulturring Stadt Dinklage, um an diesem Abend seine Veranstaltungsreihe „Mordskult(o)ur“ fortzusetzen und zwei Leidenschaften zusammenzuführen. Nämlich: Geballtes Weinwissen - vermittelt durch zwei witzige Typen - und zudem ein Mordfall, den der unterhaltsame Winzerkrimi „Winzerschuld“ beschreibt; vorgetragen vom Autor selbst. Um es vorwegzunehmen: Es ist ein spannender, mit viel Humor gespickter Abend, der den Gästen sicher lange in Erinnerung bleiben wird.

Ehe Andreas Wagner zu seinem Buch greift, berichtet er eingangs der Lesung bei einer Geschmacksprobe trockenem Silvaner aus dem alltäglichen Leben seines Heimatdorfes. So klärt der Winzer, Historiker und Autor über Gepflogenheiten der rheinhessischen Dorfkultur auf. Beispielsweise, dass in einem Familienbetrieb der Vater dafür sorgt, dass die Tochter einen benachbarten Winzer heiratet. Ganz nach dem Motto: „Winzer zu Winzer – Hektar zu Hektar“. So trocken wie der Wein, so trocken auch sein Humor.

Wenn im Saal das Licht gedimmt wird und der Lesetisch in rotem Licht getaucht ist, wissen die Zuhörer, dass Andreas Wagner ein Kapitel aus seinem Roman zum Besten gibt. Die Seiten des Buches erzählen die Geschichte Kurt-Otto Hattemer. Der Ruhestandswinzer versucht, Licht ins Dunkel um den Tod einer Bedienung zu bringen, die nach der großen Fassenacht-Sitzung im Müllcontainer liegt und Georg Winternheimer, der in der Bütt als „Till“ gefürchtet ist, spurlos verschwunden ist.

"Trecker sind die Mobilitätsgarantie für die Ruheständler des Winzerhandwerks."Krimiautor Andreas Wagner

Während der Vorstellung vom fruchtigen Grauen Burgunder, beschreibt der Autor die Eigenarten von Kurt-Otto Hattemer, einem kuriosen Zeitgenossen, der offenbar die typische hessische Dosenbratwurst und seinen alten Trecker mehr schätzt als seine Ehefrau. „Trecker sind die Mobilitätsgarantie für die Ruheständler des Winzerhandwerks“, erklärt Andreas Wagner, der selbst mit seinen beiden Brüdern im Familienbetrieb in der Nähe von Mainz das Winzerhandwerk ausübt.

Die fünfte Jahreszeit der Winzer erklärt der Schriftsteller bei einem Rosé mit dem Etikett „Prachtmädchen“ Scheurebe. Die Zeit der Fassenacht mit der gefürchteten Sitzung, bei denen der „Till“ Geschichten aus dem Dorf aufdeckt, die manchem Winzer die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist auch von Kurt-Otto Hattemer gefürchtet. Und, das war das Übelste des ganzen Sitzungsabends, der Tanz mit seiner Frau Renate.

Als die Leiche von „Till“ durch den schrägen Typen Eugen Werum, dem die Jagdlizenz entzogen wurde, im nahegelegenen Fluss gefunden wird, fragt sich Kurt-Otto, was eigentlich der unverhoffte Faustschlag von „Till“ während der Fassenacht-Sitzung mitten ins Gesicht seines besten Freundes Eugen zu bedeuten hatte. Die Antwort findet der werte Leser im Buch selbst.

Bei einem Glas schweren Rotweines als letzte Verkostung des Abends, nutzen Robert Bücker und Andreas Wagner zum Ausklang die Gelegenheit über aktuelle Winzerthemen, wie Klimaveränderung und daraus resultierender Rebsorten-Anbau sowie Verarbeitungsmethoden, zu informieren.


Die nächsten Veranstaltungen des Bürger- und Kulturrings:

  • 13. November: Alle guten Dinge sind drei. Die Zollhausboy sind wieder unterwegs. Am Samstag (13. November) um 20 Uhr treten die drei syrischen „Bremer Neubürger“ mit ihrem Programm „Die Zollhausboys 3 – wieder aufwärts“ in der Oberschule auf. Die Mischung aus Songs, Kabarett, Tanz und Poetry aus Bremen, Aleppo und Kobani begeisterten bereits mehr als 15.000 Menschen.
  • 19. November: „Vermintes Gelände: Identitätspolitik und die Folgen – Wie der Krieg um Wörter unsere Gesellschaft verändert“: So heißt das neue Buch von der Moderation Petra Gerster („heute“) und ihrem Mann Christian Nürnberger. Die beiden Journalisten präsentieren es in einer Lesung am 19. November (Freitag) ab 20 Uhr in der Oberschule.
  • 11. Februar: In der großen Aula der Oberschule Dinklage findet ab 20 Uhr eine Lesung mit Live-Konzert mit den ReCartneys, der Beatles-Tribute-Band, und dem Schauspieler Achim Amme statt. Unter dem „Let it be“ beleuchten sie die späten Jahre John Lennons und feiern den 80. Geburtstag von Paul McCartney.
  • Info: Tickets für alle Veranstaltungen gibt es bei der Buchhandlung Thalia Diekmann, bei der Buchhandlung Heimann/Triphaus und dem Kulturring, E-Mail: kulturring.dinklage
@gmail.com sowie, wenn noch verfügbar, an der Abendkasse.

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