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"Weißes Gold" als Werkstoff für die Post

Porzellan spielt als "schlechter Leiter" eine zentrale Rolle für die Hochspannung. Zur Sonderausstellung lädt das Postgeschichtliche Museum in Friesoythe ein.

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Wolfgang Letzel. Foto: Wimberg

Wolfgang Letzel. Foto: Wimberg

Die sechs Stamper aus Porzellan sind Telegrafen-Isolatoren nachempfunden, der Deckelgriff des Kruges erinnert an eine Isolierrolle für einen Telefondraht. Wer das stilvolle Spirituosen-Set entworfen hat, "war auf jeden Fall vom Fach und hat sich Gedanken gemacht", zeigt sich Wolfgang Letzel überzeugt. Die siebenteilige Formation für Hochprozentiges wurde höheren Beamten der Deutschen Reichspost um 1900 zu Jubiläen überreicht und zählt heute zu einer von zahlreichen Exponaten der Sonderausstellung "Weißes Gold: Porzellan als Werkstoff der Post für Technik, Kunst und Alltag", zu der das Postgeschichtliche Museum Friesoythe seine Türen öffnet.

Als schlechter Leiter und mit einer Hitzebständigkeit von rund 1200 Grad spielt Porzellan für Hochspannung immer noch eine zentrale Rolle. "Man hat nichts Besseres gefunden", betonte Museumsleiter Letzel, der während seiner beruflichen Laufbahn in der Fernmeldetechnik viele der ausgestellten Isolatoren noch selbst abgebaut hat, „bevor die Erdkabel kamen“.

Die kleineren Isolatoren mit eingebautem Überspannungsschutz wurden für ein Streckennetz von wenigen Kilometern eingesetzt, der größte im Friesoyther Museum war an Telegrafenleitungen im überregionalen Verkehr montiert. Bevor sich Messing einpendelte, hatte Porzellan auf den Briefwaagen Gewicht. Im Kern Blei- oder Zementstücke, die zum Eichen benötigt wurden und den Jahresstempel der Eichung enthielten. Dekoteller mit Motiven aus dem Postwesen sowie Geschirr-Kollektionen namhafter Hersteller können außerdem besichtigt werden. Wie Letzel informiert, wurde für die Kantinen der Post- und Fernmeldeämter "Gebrauchskeramik" mit Aufdruck gefertigt. In der Bonner Zentrale sind die Aufschriften geblieben, bei der Telekom wird seit Ende der 1990er Jahre auf neutralem Geschirr serviert.

Figuren in Form von Postillionen und Eilboten

Die Deutsche Post verschenkte zu dieser Zeit außerdem eine „ViP-Collection“ an sehr gute Kunden. Zu allen Zeiten beliebt und als Sammel- und Kunstobjekte begehrt waren Porzellanfiguren in Form von Postillonen, Briefträgern oder Eilboten. Das „weiße Gold“ als Motiv war nicht zuletzt auf Briefmarken häufig zu finden. Die Deutsche Post der DDR bildete beispielsweise Meißener Produktionen ab, der 300. Geburtstag von Johann Friedrich Böttger als Miterfinder des Porzellans war auch über die Deutsche Bundespost erhältlich. Ausländische Postverwaltungen wählten verschiedene Gegenstände für ihre Marken aus, die in Friesoythe präsentiert werden.


Fakten:

  • Die Sonderausstellung im Postgeschichtlichen Museum läuft noch bis zum internationalen Museumstag im Mai 2022.
  • Zum Team des Museums gehört neben Museumsleiter Wolfgang Letzel, seinem Stellvertreter Walter Beckmann ab jetzt auch Heinrich Deboi.
  • Weitere Informationen und Anmeldungen auf der Homepage unter www.pgmu-friesoythe.de oder Telefon 04491/3434

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