Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Weihnachtsfest: Als die Wünsche klein waren

Das ungekünstelte Gespräch zwischen Ulla Moormann und Maria Thien erscheint auf Platt als Video im digitalen Adventskalender des Museumsdorfs am Sonntag. Wer zuschaut, kann mitraten und gewinnen.

Artikel teilen:
Klönschnack spontan: Auf Platt tauschen Ulla Moormann (links) und Maria Thien Kindheitserinnerungen an Weihnachten aus. Ab Sonntag ist das Gespräch online zu hören und zu sehen. Fotos: Kreke

Klönschnack spontan: Auf Platt tauschen Ulla Moormann (links) und Maria Thien Kindheitserinnerungen an Weihnachten aus. Ab Sonntag ist das Gespräch online zu hören und zu sehen. Fotos: Kreke

Ein vorbereitetes Manuskript haben die beiden Museumspädagoginnen nicht, stattdessen etliche Erinnerungen an Weihnachten in ihren Kindertagen: Im ehemaligen Wohnzimmer des Bürgermeisters von Firrel reden Ulla Moormann und Maria Thien drauf los, „wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“ – die eine im Emsteker Platt, die andere in der emsländischen Variante.

Die Botschaft, die Volontärin Maren Böhm live für den digitalen Adventskalender des Museumsdorfes filmt, ist nicht abgesprochen und dennoch eindeutig: Früher waren die Wünsche bescheiden, aber die Freude auf Weihnachten nicht kleiner.

Als Geschenk gab‘s manchmal nur ein neues Kleid für die Puppe, erinnert sich Maria Thien, die auf einem kleinen Bauernhof an der Ems aufgewachsen ist. „Oder der Arm war wieder dran“ ­ – ­ eine Reparatur als Präsent.

Requisite mitgebracht: Ulla Moormann und der Kranz.Requisite mitgebracht: Ulla Moormann und der Kranz.

Ulla Moormann erinnert sich, dass ihr Vater nie mit den Kindern spazieren ging – bis auf den Heiligabend, immer gegen vier am Nachmittag. Die Kinder wussten: Wenn sie zurückkommen, war das Christkind schon da. Beim pflichtgemäßen Singen am geschmückten Baum schielten die Jüngsten schon auf ihre Sitzplätze, weil dort die verpackten Geschenke bereitlagen – pro Kind ein Päckchen. Meist war‘s etwas Warmes zum Anziehen für die damals noch kalten Winter.

Die Vorfreude galt überall dem Festtagsessen. Denn: „Inne Wäken gäv dat Gemäus, an Wiehnachten Roularden.“ Dazu für jedes Kind einen Apfel und eine Apfelsine. Die Schokolade brachten erst am nächsten Tag die Onkel und Tanten mit – eine Tafel für fünf Kinder. „Marie, du büst de Öllste, du maust deelen!“, hieß es dann.

Einmal hatte sich die kleine Emsländerin eine Buttercreme-Torte gewünscht. Die Freude über Mutters Backwerk war so groß, dass sich die damals schon schmächtige Maria hastig drei Stücke einverleibte. Mit durchschlagendem Ergebnis. „Denn Dag häv ick up‘n Plumpsklo verbrocht“, erzählt sie lachend am Tisch des Bürgermeisters, auf dem die Adventskerzen brennen. Den Kranz hat Ulla Moormann zu Hause vorbereitet. Der Feuerlöscher steht gleich daneben. Unterm Tisch liegt „Pauli“, Moormanns Hund. so still, als ob er zuhört.

Ende eines Drehtags: Die ausgeblasenen Kerzen qualmen noch um die alte Lampe von Bürgermeister Meyer aus Firrel.Ende eines Drehtags: Die ausgeblasenen Kerzen qualmen noch um die alte Lampe von Bürgermeister Meyer aus Firrel.

Mit dem fertigen Film wird Maren Böhm, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, das Türchen zum 4. Advent füllen. Wer die Aktion bisher verpasst hat, kann alles noch nachholen: Unter der Facebook- und der Instagram-Adresse „Museumsdorf Cloppenburg“ sind sämtliche Folgen fixiert.

Jedes Mal wird zu einem Gebäude oder einem Schaustück des Museums eine Rätselfrage gestellt, die zu Buchstaben führt. Am Ende entsteht eine Lösung aus drei Worten, die im Januar mit einem Preis belohnt wird. Was es ist, verrät das Museum noch nicht. Teilnehmen kann jeder bis zum 31. Januar.

Mit dem Videoschnitt für den 4. Advent dürfte Böhm keine große Arbeit haben, denn die beiden erfahrenen Frauen verhaspeln sich nicht und schöpfen aus viel Erfahrung mit ihrer Veranstaltungsreihe „Klönschnack am Herdfeuer“. „Da sind wir beim Warten auf die Besuchergruppen oft ins Klönen gekommen“, erzählt Thien. Bis die Frauen überrascht feststellten: Die Gäste waren schon da und hörten interessiert zu. Kommentar eines Besuchers: „Ach, das war ihr Ernst?! Wir dachten, Sie machen plattdeutsches Theater.“

Mit ihren nächsten Auftritten müssen sich die Frauen wie das gesamte Team gedulden: Selbst wenn es nach dem Lockdown wieder zu Lockerungen für das komplett geschlossene Museum käme – die ersten Besuchergruppen haben sich erst für September 2021 angemeldet. Die Unsicherheit ist offensichtlich groß.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Weihnachtsfest: Als die Wünsche klein waren - OM online