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Watt Neues: Ein Inselurlaub in Corona-Zeiten

Kolumne: Das Leben als Ernstfall - Verreisen geht 2020, wenn überhaupt, nur unter besonderen Bedingungen. Ich habe auf Borkum meine ersten Erfahrungen gesammelt. Mit Mutter und Mundschutz.

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Watt? Watt soll datt?, mag sich der eine oder andere Kanaren-Kenner und Côte d’Azur-Liebhaber fragen, wenn er oder sie coronabedingt in diesem Jahr auf heimische Urlaubsdestinationen zurückgreifen muss – zum Beispiel auf die Ostfriesischen Inseln. Deren westlichste und mit knapp 31 Quadratkilometern größte, Borkum, habe ich vor Kurzem zum ersten Mal besucht. Mit Mama und Mundschutz.

Startpunkte mit der Fähre vom Festland aus gibt es zwei: Eemshaven in den Niederlanden und Emden. Wir haben uns für Ottos Heimatstadt entschieden – übrigens nicht (nur), weil einem hier ein hüpfendes Abbild des berühmtesten Emdeners an Ampeln Grün anzeigt. Es ist der erste Tag, an dem überhaupt wieder Besucher nach Borkum dürfen. Entsprechend groß ist der Festland-Exodus. Wobei die Anzahl der Passagiere der besonderen Lage angepasst wird und man nur mit Mund-/Nasenschutz an Bord darf, wo Pfeile auf dem Fußboden die einzuhaltende Gehrichtung anzeigen. Beim Abstandhalten gilt Koffer- statt Einkaufswagenlänge.

Während des Einstiegs der Reisenden schießt ein emsiger Fotograf fleißig Bilder. Das Ergebnis sehe ich zwei Tage später, als ich die „Borkumer Zeitung“ aufschlage. Die große Person in der Mitte des Titelfotos, von der man wie bei allen anderen nur den Rücken sieht, trägt genau meine Jacke, meinen Rucksack, hat meine Frisur. Zufälle gibt‘s… Auf der nächsten Seite findet sich übrigens auch ein Einspalter über die Fusion von OV und MT.

Zur Insel: Ehrlich gesagt, zeigt sich uns der Charme Borkums erst auf den zweiten Blick. Das mag aber auch daran liegen, dass wir nach der Ankunft im Zentrum mit der Kleinbahn erst im wahrsten Sinne alle Hände voll zu tun haben, unsere Koffer ins Quartier zu bugsieren. Was schnell auffällt: Die Kaninchen hier haben die coronabedingte Auszeit offenbar nicht untätig verbracht. Der Zölibat liegt ja ohnehin nicht in ihrer Natur. An jeder Ecke mümmelt es, überall flitzen kleine, graubraune Karnickel in oder aus Erdlöchern.

"Während Ronny unsere Sättel justiert und Körbe anschraubt, lässt er uns an seinen Verschwörungstheorien teilhaben."Florian Ferber, Redakteur

Zu den weiteren tierischen Bekanntschaften unseres Kurzurlaubes zählen ein Rabe, der sich unseren Mohnkuchen schmecken lässt, und der Seehund-Clan, der in Sichtweite gegenüber des Hauptstrandes ganztägig auf der Sand- und Sonnenbank liegt. Das legendäre „Schweineschnäutzchen“, ein restaurierter Wismarer Triebwagen von 1940, muss wegen Corona leider im Stall bleiben.

Was bleibt sonst in Erinnerung? Walzähne als Gartenzaun, Kellner mit Spuckschutz und nicht zu vergessen unser Fahrradverleiher. Der hat aus Hoyerswerda nach Borkum rübergemacht, daher nennen wir ihn dem Klischee zuliebe Ronny. Während Ronny unsere Sättel justiert und Körbe anschraubt, lässt er uns an seinen Verschwörungstheorien teilhaben. Sie wissen schon, dass Bill Gates hinter der ganzen Pandemie steckt und so weiter. Wir verzichten auf Gegenrede. Ist schließlich Urlaub. In dem habe ich übrigens zum ersten Mal kein Buch gelesen, sondern mit dem Smartphone gestreamt (falls von Interesse: die ZDFneo-Eigenproduktionen „Dead End“ und „Dunkelstadt“). Doch so besonders die Umstände, am Ende dieses Borkum-Trips war auf eine Sache wie nach fast all meinen Urlauben Verlass: Ich hatte einen Sonnenbrand, diesmal an der Nase.

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