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#Watchingthewheels – Nach 2020 Fünfe gerade sein lassen

Kolumne: Irgendwas mit # - 2020 war ein Jahr für die Tonne. Doch: Es hatte auch etwas Gutes. Erinnern wir uns an einen Lennon-Song, können wir wohltuende Lehren für 2021 ziehen.

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2020 ist geschafft. Wir sind geschafft. Doch es gibt Grund zur Hoffnung. Etwas winzig Kleines. Nur eine Zahl. Die Eins in 2021. Hoffentlich wird sie ihrem Ruf gerecht, erstklassig zu sein. Und keine Nullnummer wie ihre Vorgänger. Kein schlechtes Jahr mit einer 1 wie 2001. Lieber eins wie vor 4 Jahrzehnten.

Ein paar Sätze zurück: 1981 - das Jahr nach dem Mord an John Lennon. In gewisser Weise ein Anlass zur Freude. Die Single "Watching the wheels" wird posthum publiziert. Die dritte und letzte Single von John Lennon und Yoko Onos Album Double Fantasy. Eine Single, die Lennon an all alle adressiert hatte, die konfus oder gar erzürnt auf seinen Ausstieg aus der Musikindustrie reagierten.

Lennons zeigt mit dem Song, dass es auch mal okay ist, nichts zu tun. Und dass man damit sehr zufrieden sein kann. Irgendwie hat er viel Ähnlichkeit mit den Höhen und Tiefen von 2020. Lennon klinkt(e) sich aus dem öffentlichen Leben aus. Zum Unmut seiner Fans. Vorbei mit dem "Big Game". Vom Superstar zum Otto-Normalo. Und das Resultat: Wunderbare Leere beim Faulenzen. Wie in 2020. Anfangs schien es für viele Menschen unvorstellbar zu sein, nichts schaffen zu müssen. Still zu sitzen. Dem "Big Wheel" beim Drehen zuzuschauen. 

"Mal Fünfe gerade sein lassen. Keine Gewissensbisse haben, wenn man mit dem Nichtstun von gestern noch nicht fertig geworden ist - und deshalb morgen weitermachen. Löcher in die Luft gucken."Max Meyer, Volontär

Und die verordnete Ruhe ist mit dem zweiten harten Lockdown zurückgekehrt. Doch nicht für alle: Vollkommen dämliche Skiurlaub-Harzer bringen sich und andere in Gefahr, weil sie auf Biegen und Brechen Rodeln müssen. Andere bewahren tapfer die Ruhe - nach außen. Innen sieht es vielleicht ganz anders aus. Die Situation ist nach wie vor ungewohnt. Warum? Vielleicht, weil wir uns vorher schon im Tun verloren haben. Und Langeweile uns fremd geworden ist.

Man gewinnt das Rennen an dem Tag, an dem man nicht mehr mitfährt

Zurück zu Lennon: Der konnte von Langeweile offenbar nicht genug kriegen; deshalb entschied er sich, sich selbst genug zu sein. Ihm reichte die simple Erkenntnis, nichts dafür tun zu müssen. Das mag leichter gesagt als "getan" sein, aber: Man gewinnt das Rennen ums Leben an dem Tag, an dem man nicht mehr mitfährt (Bob Marley).

Vielleicht reicht aber auch die zwischenzeitliche Safety-Car-Phase, um zu sehen, dass nicht alles an 2020 schlecht war. Was wir mitnehmen können: Mal Fünfe gerade sein lassen. Keine Gewissensbisse haben, wenn man mit dem Nichtstun von gestern noch nicht fertig geworden ist - und deshalb morgen weitermachen. Löcher in die Luft gucken. Laotse vertrauen: "Nichtstun ist besser als mühsam nichts schaffen.“

Also: Genießen Sie die Vorzüge des (Zufrieden-) Seins. Auch wenn man mal was verpasst. Alles bekommt man sowieso nie mit. Selbst wenn einem mal die Decke auf den Kopf zu fallen droht: Dann ist es ein gutes Mittel, einfach nur den "Wheels" beim Drehen zuzuschauen. Ums mit den Worten Bertrand Russels zu sagen: "Time you enjoy wasting is not wasted time." Davon können wir mehr in 2021 mitnehmen. Ich mach's gern wie Lennon. Seine Muße ist mir bis heute Vorbild. Vielleicht auch für Sie?


Zur Person:

  • Max Meyer ist Volontär der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Den Autor erreichen Sie unter info@ov-online.de

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