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Was mich an Müll so fasziniert

Kolumne: Generation Z zeigt's Ihnen – Ich bin ein Trash-TV Junkie, holt mich hier raus! Doch warum ziehen mich einige Formate so in den Bann?

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Ich habe ein Problem. Es ist mir etwas peinlich. Doch ich denke, ich kann das Geheimnis nicht länger für mich behalten. Man mag es nicht von mir denken – doch manchmal, wenn ich mich abends auf meine Couch lümmele und den Fernseher anschalte, dann … schaue ich Trash-TV. Jetzt ist es raus. Ich bin ein Trash-TV-Junkie, holt mich hier raus! Dabei weiß ich noch nicht mal, was es genau ist, was mich so fasziniert.

Doch was ist dieser "Müll", den ich mir anschaue, eigentlich genau? Kurzum sind die Sendungen im Gegensatz zu meinem TV nicht smart. Längst ist bekannt, dass nicht mehr von "Unterschichtenfernsehen" die Rede sein kann, das Publikum ist breit gestreut und beinhaltet auch Akademikerinnen wie mich.

Qualitätsverlust der Fernsehinhalte wird diskutiert

Laut der bekannten freien Enzyklopädie wird der Begriff des Trash-TV verwendet, um über den Qualitätsverlust der Fernsehinhalte zu diskutieren. Wörter wie "Voyeurismus" und "Affektfernsehen" fallen. Beim Lexikon der Filmbegriffe werden sogar die Attribute Unhöflichkeiten, Beleidigungen und Demütigungen genannt.

Diese Dinge kann ich alle nicht ausstehen und befürworten. Außerdem differenziere ich zwischen den Angeboten der Sender (meistens ist es dann doch RTL). Ich schaue keinen C–Promis beim Campen im Dschungel zu, erst recht nicht gucke ich mir Z-Promis in einem sommerlichen Haus an. Und auch Bauern, die Frauen suchen, interessieren mich nicht.

Formate fördern typische Rollenbilder

Gewisse Dating-Formate haben es mir aber angetan. Sobald eine Rose im Spiel ist, sitze ich vor der Glotze. Ich erkenne wahrscheinlich alle Frauen und Männer, die Teil des "Bachelor"-Universums waren. Weil die große Liebe dann doch nicht gehalten hat, weiß ich außerdem noch, wer jetzt mit wem zusammen ist. Auch "Love Island" und US-Serien mit vielsagenden Titeln wie "Too hot to handle" ziehen mich regelmäßig in den Bann.

Warum schaut sich eine Feministin etwas an, das Genderkonstruktionen und typische Rollenbilder fördert? Diesem Mysterium gehen wir jetzt gemeinsam auf den Grund. Halten wir zuerst fest: Reflexion ist dabei wichtig. Das ist nicht die normale Welt – nicht meine Welt. Vielleicht reizt mich das Unbekannte, das absolute Gegenteil von meinem eigenen Leben.

"Gucke ich Trash-TV also aus reinem Selbsthass?"Fenja Hahn

Ulrike Prokop, eine psychoanalytische Kulturtheoretikerin, sagt, dass die Faszination mit der eigenen Unvollkommenheit und den erlebten Zumutungen des Lebens zusammenhängt. Gucke ich Trash-TV also aus reinem Selbsthass? Das glaube ich eher nicht. Ein Argument, dem ich folgen kann, ist die Banalität. Ich kann bei den Formaten, die einen Gegensatz zur Komplexität des Alltags bilden, gut abschalten.

Zufällig habe ich vor Ewigkeiten in ein mir unbekanntes Format reingezappt. Das Bild schwarz-weiß, die Erzählerstimme sagt dramatisch: "Ganz Deutschland fragt sich: ‚Warum rastet Hans immer so aus‘?" Wir fragen uns aber ganz andere Dinge wie: Wer ist eigentlich Hans? Diese Überdramatisierung ist so blöd, dass es schon witzig ist. Die Quintessenz von Trash-TV.


Zur Person:

  • Fenja Hahn ist Volontärin der OM Medien.
  • Die Autorin erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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