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#Warum unsere Grammatik gegendert werden müsste

Kolumne: Irgendwas mit # - Das sogenannte generische Maskulinum soll alle Geschlechter mitmeinen. Doch ist dem wirklich so?

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Bürgerinnen und Bürger, Bürger*innen oder doch lieber BürgerInnen? Einfach Bürger zu schreiben, ist schon seit längerem außer Mode, obwohl das doch eigentlich die deutsche grammatische Grundform ist. Auch machen diese gegenderten Formen das Lesen von Texten nicht gerade einfacher. Ein Sternchen teilt Wörter. Gesprochen würde es als sogenanntes "glottal stop", also Knacklaut, genutzt werden. Wir machen eine Pause zwischen dem Wortstamm und der Endung.

Aber: Es geht hier um nicht gerade wenig. Wir versuchen mit diesen gegenderte Formen der gesellschaftlichen Realität zu begegnen. Männer, Frauen, aber auch jeder andere soll damit gemeint sein. Ein grundsätzlich sehr lobenswerter Gedanke.

Unsere Grammatik ist geprägt vom sogenannten generischen Maskulinum. Heißt: Wir nutzen die männliche Form eines Wortes zur Verallgemeinerung etwa von Personenbezeichnungen. Lehrer: Und alle Lehrerinnen sind mitgemeint - grammatikalisch. Das kann zum Problem werden.

"Ist es dann nicht völlig falsch, dass wir versuchen, unsere Sprache nur zu gendern? Müssten wir das nicht mit unserer Grammatik tun?"Jan-Christoph Scholz, Volontär

Studien zu Folge denken die meisten Menschen bei dem Maskulinum nicht an beide Geschlechter, sondern oft nur an das männliche. Linguisten sagen, der Grund dahinter sei, dass der Mann in der Vergangenheit oft das Vorrecht auf das Allgemeinmenschliche hatte, also auf die grammatische Norm.

Durch die Endung "-in" bei etwa der femininen Form eines Wortes werde eine Abhängigkeit ausgedrückt, erklärt die Linguistin Luise F. Pusch, die als Vorreiterin der feministischen Sprachwissenschaft gilt. Wenn die Grammatik von vornherein etwa ein "der, die oder das Arzt" zulassen würde, hätten wir heute gar kein Genderproblem, meint Pusch.

Ein Lösungsansatz: Immer die feminine Form nutzen

Wer tiefer in die deutsche Grammatik schaut, stellt schnell fest, dass sogar die Indefinitpronomen für Personen wie etwa "jemand" oder "man" maskulin sind. Für mich stellt sich da die Frage: Ist es dann nicht völlig falsch, dass wir versuchen, unsere Sprache nur zu gendern? Müssten wir das nicht mit unserer Grammatik tun?

Linguisten wie etwa Peter Eisenberg sehen hier hingegen kein Problem. Sein Credo lautet: Nichtdiskriminierung durch Nicht-Nennung, da das generische Maskulinum alle mitmeint und nicht geschlechtsunspezifisch sei. Mag vom Grundgedanken richtig sein, aber beweist nicht das folgende Beispiel das genaue Gegenteil? 99 Schülerinnen und ein Schüler. Zusammen sind sie 100 Schüler - grammatikalisch korrekt ausgedrückt. Absurd, oder?

Ein Vorschlag, dem Problem zu begegnen, ist, einfach immer die feminine Form zu verwenden. Also: Sängerinnen und nicht Sänger. Denn in der weiblichen Form ist die männliche bis auf wenige Ausnahmen immer impliziert. Um etwa der Queer-Community auch gerecht zu werden, setzten wir hinter die weibliche Form das Sternchen. Am Ende eines Wortes zerreißt es dieses nicht. Aber es meint alle Geschlechter.

Die Linguisten streiten schon lange über das Thema. Eine Lösung gibt es bis jetzt nicht. Sicherlich hat auch das generische Femininum seine Nachteile. Und Probleme wie ungleiche Bezahlung löst es auch nicht. Eine Diskussion darüber wäre es auf jeden Fall aber wert.


Zur Person:

  • Jan-Christoph Scholz ist Volontär der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter info@om-online.de.

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