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Warum enden eigentlich viele Serien so unwürdig?

Kolumne: Das Leben als Ernstfall - Einige der besten Reihen gipfeln in abrupten Finalen - völlig lieblos. An mancher Stelle fragt man sich: Ist das euer gottverdammter Ernst?

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Achtung, Serienfans: Spoileralarm! Ich möchte nicht den Spielverderber geben. Wer sich demnächst die volle Dosis zum Beispiel von "The Glades", "Castle" oder "How i met your mother" gönnen möchte, der sollte sich die nachfolgenden Zeilen nicht durchlesen. Denn diesmal geht es um das Finale, das Ende, den Zapfenstreich.

Da suchtet man sich stundenlang im Binge-Watching-Modus eine Serie rein, lernt die dargestellten Charaktere aus vollem Herzen lieben oder hassen – und wird schließlich bitter enttäuscht. Denn das Ende eines Formats erweist sich allzu oft als völlig unwürdig.

Das Castles-Finale schließt mit einem Cliffhanger - ärgerlich!

Da ist zum Beispiel die US-Krimiserie "The Glades". 4 Staffeln lang löst man gemeinsam mit Jim Longworth, der in Florida ermittelt, so manchen Fall. Kurz vor der Hochzeit mit seiner großen Liebe Callie schießt ein Unbekannter den Detective an. Jim liegt blutend auf dem Boden. Finito.

Was für ein Cliffhanger – und was für ein ärgerlicher Schluss! Der Grund: A&E hatte keine Lust mehr, die Quoten waren zu schlecht. Also bestellte der Kabelsender nach 49 Folgen keine weitere Staffel. Was soll das? Zumindest die 50 hätte man doch voll machen können – und den "The Glades"-Machern damit die Gelegenheit gegeben, die Geschichte zu einem zufriedenstellenden Ende zu führen.

"Castle – der Epilog strotzte vor Rührseligkeit. So einen Abschied hatte das ungleiche Duo einfach nicht verdient."Andreas Timphaus, Reporter

Weiter geht's mit der beliebten Krimiserie "Castle" mit Nathan Fillion als charmanten, aber unreifen Krimiautor Richard Castle, der gemeinsam mit der taffen Polizistin Kate Beckett (Stana Katic) ermittelt. Das abrupte Aus kam nach 8 Staffeln. Vordergründig lag es daran, dass Katic mehr Geld wollte, der US-Sender ABC dies jedoch ablehnte. Eine 9. Staffel war trotzdem geplant.

Doch Rick ohne Kate? Das war für die Verantwortlichen dann doch unvorstellbar, die Verlängerung wurde abgesagt. Das Hin und Her führte zu einem Epilog, der voller Rührseligkeit strotzte und der Geschichte nicht gerecht wurde. So einen Abschied hatte das ungleiche Duo nicht verdient.

Bei HIMYM wird im Finale jede Fantasie zerstört

Und schließlich "How I met your mother", kurz HIMYM – diese Serie begleitete viele Fans und auch mich über Jahre. Die letzten Staffeln zog ich mir direkt nach der Veröffentlichung auf Englisch rein. Ich konnte es einfach nicht abwarten zu erfahren, wie es im Leben von Ted, Marshall, Barney und Robin weitergeht. Schließlich war noch die Frage aller Fragen zu klären: Wer ist die Mutter?

Die Auflösung war mehr als enttäuschend: Die Mutter ist tot. Die Geschichte erzählte Ted nur, um den Segen seiner Kinder für eine Ehe mit Robin zu bekommen. Dabei läuft in der letzten Staffel alles auf eine Hochzeit von Barney und Robin hinaus. Und dann zerstören die Macher diese Fantasie innerhalb von 20 Minuten. Ist das euer gottverdammter Ernst?


Zur Person:

  • Andreas Timphaus ist Redakteur der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter info@ov-online.de

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