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Warum ein Konzert in Ellenstedt über 400 Menschen begeistert

Volle Turnhalle, keine Masken und ganz viel Musik: Das Blasorchester Ellenstedt spielt sein erstes großes Konzert nach der Corona-Zwangspause. Doch der Weg dahin war nicht einfach.

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Jung und Alt: Am Sonntag spielten rund 90 Musikerinnen und Musiker in Ellenstedt für rund 400 Gäste.   Foto: L. Feldhaus

Jung und Alt: Am Sonntag spielten rund 90 Musikerinnen und Musiker in Ellenstedt für rund 400 Gäste.   Foto: L. Feldhaus

Das Wetter ist durchwachsen an diesem Sonntag. Mal regnet es, mal scheint die Sonne. Ein typischer Apriltag. Ebenso ungewiss wie das Wetter ist an diesem Tag auch die Gemütslage des Ellenstedter Blasorchesters. Werden genug Konzertbesucher kommen? Wie wird es, wieder vor Publikum zu spielen? "Wir wussten überhaupt nicht, was auf uns zukommt", sagt Dirigent Henning Surmann. Das erste große Konzert nach mehr als 2 Jahren Zwangspause durch die Corona-Pandemie steht bevor. Es ist ein Wagnis in dem rund 1000-Seelen-Dorf bei Goldenstedt.

Je näher das Konzert rückt, desto mehr füllt sich die Turnhalle in Ellenstedt. Rund 400 Menschen sind da. Zur Begrüßung gibt es immer wieder einen Handschlag, statt der Faust. Die Stimmung ist gelöst. Dicht an dicht sitzen die Konzertbesucher auf ihren Stühlen. Bier, Kaffee und Kuchen stehen auf den Tischen. Masken trägt kaum einer. Die ganze Szenerie wirkt ein wenig aus dem Jahr 2019 gegriffen. "Es fühlt sich an wie der Normalzustand", erzählt der 43-jährige Surmann. Es ist Anfang April 2022.

Noch vor wenigen Wochen sah es in Ellenstedt ganz anders aus. "Wir haben gehofft und gepokert, dass im April unser Konzert stattfinden kann", sagt der Dirigent, dessen Großvater das Ellenstedter Blasorchester 1926 mitgegründet hat. Statt mehrere Monate zum Proben musste Surmann seinen Musikern die Stücke innerhalb weniger Wochen beibringen.

Musiker sind in Ellenstedt in den vergangenen Jahren in Kontakt geblieben

In die Karten spielte Surmann vor allem, dass seine Musikerinnen und Musiker immer noch mit dabei waren. Mitgliederschwund habe er kaum zu verzeichnen gehabt. Der Dirigent habe eher Mitglieder dazugewonnen. Die vergangenen 2 Jahre hätten das Blasorchester zusammengeschweißt. "Wir hatten Glück, dass wir in der Sporthalle unter ausreichenden Abständen proben konnten", berichtet der 43-Jährige. Die Musiker sind in Kontakt geblieben. Denn: Über mehrere Monate nicht zu proben, sei für ein Blasorchester tödlich, sagt Surmann. In einigen umliegenden Gemeinden sei das zu beobachten.

Immer wieder konnten die Ellenstedter zudem kleinere Konzerte spielen. "Das Auftreten ist uns also nicht ganz abhanden gekommen", sagt Surmann. Trotzdem sei es ein komisches Gefühl, wieder ein "normales" Konzert zu spielen. Im Landkreis Vechta sind die Ellenstedter mit einem Konzert in dieser Größenordnung Vorreiter.

Großer Auftritt: Das Blasorchester Ellenstedt konnte in den vergangenen Jahren seine Mitglieder im Verein halten. Foto: L. FeldhausGroßer Auftritt: Das Blasorchester Ellenstedt konnte in den vergangenen Jahren seine Mitglieder im Verein halten. Foto: L. Feldhaus

Haben die Verantwortlichen denn gar keine Angst, mit so vielen Menschen in einem Raum zu spielen? Natürlich habe man den Gedanken gehabt, dass das Konzert ein Superspreader-Event sein könnte, doch dieser sei während des Auftritts schnell verflogen. "Die Menschen wollten endlich wieder ein Konzert erleben", erklärt Stephan Feldhaus, der 1. Vorsitzende des Vereins.

Viele Familien besuchten das Konzert in Ellenstedt

Zu den vergangenen Konzerten seien in Ellenstedt oftmals ältere Menschen gekommen. Diese waren am Sonntag laut Surmann eher in der Minderheit. Stattdessen seien etliche junge Familien mit Kindern vor Ort gewesen. "Vielleicht war es für die Älteren doch zu unsicher", mutmaßt der Dirigent.

Grundsätzlich sei das Konzert sehr emotional für alle Beteiligten gewesen. "Bei den ersten Stücken waren wir noch ein wenig wackelig, aber das hat sich schnell gelegt", berichtet auch Feldhaus. Die rund 400 Besucherinnen und Besucher ließen sich von der Blasmusik mitreißen. Für Hubert Wilkens war es ein ganz besonderes Konzert. Denn: Seit 50 Jahren ist er im Blasorchester aktiv. Am Ende hat es neben seinem auch viele weitere glückliche Gesichter gegeben. Das Fazit vieler Besucher: "Toll, dass es wieder ein Konzert gibt."

Konzerte soll es auch in den kommenden Monaten geben. Der Auftrittskalender fülle sich immer weiter. Endlich. Auch die Jugend soll wieder auftreten. Denn die Jugendarbeit ist etwas, worauf die Ellenstedter besonders stolz sind. Nach dem Motto "Ein Ortsteil ist nicht so stark alleine" haben sich die Orchester von Visbek, Rechterfeld und Ellenstedt vor einigen Jahren zusammengeschlossen und die Nordallianz gegründet. Dahinter steckt gemeinsame Jugendarbeit. Die Folge: Die Vereine können neue Mitglieder für ihre Hauptorchester gewinnen. Ein Konzept, das Erfolg zu haben scheint.

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