Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Warum Chöre es derzeit schwer haben

Kolumne: Aus der Nachbarschaft - Wegen der Pandemie dürfen Chöre nicht proben. Das trifft die Mitglieder in vielerlei Hinsicht.

Artikel teilen:

Am vergangenen Wochenende hätte das große Sängerbundesfest in Vestrup stattgefunden. Wie viele andere Feste wurde es wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Auch ich hätte als einer von 800 Sängern und Sängerinnen an diesem großen Event mit 21 Chören aus dem Oldenburger Land teilgenommen.

Das Sängerbundesfest hat eine lange Tradition. Seit vielen Jahrzehnten feiern es die Chöre des Sängerbundes Harmonia Vechta. Das Fest beginnt mit einem großen gemeinsamen Gottesdienst. Es ist auch musikalisch schon das erste Highlight, wenn Hunderte Sängerinnen und Sänger das Lied "Großer Gott, wir loben dich" anstimmen.

"Wer singt, betet doppelt", heißt es in einem christlichen Sprichwort. Nach dem Gottesdienst und einem gemeinsamen Mittagessen präsentiert jeder Chor am Nachmittag ein Stück auf der Bühne vor einem großen Publikum. Für viele der Chöre ist schon deshalb das Sängerbundesfest ein wichtiges Ereignis im Vereinsjahr, auf das sich jeder Chor intensiv vorbereitet.

"Das Sängerfest ist nicht nur ein Höhepunkt der Chormusik, es ist auch ein Fest der Gemeinschaft unter Gleichgesinnten."Georg Rosenbaum

Zum Abschluss des Festes treffen sich die Sängerinnen und Sänger zum Sängerkommers. An der Theke oder im Festzelt stimmt man gemeinsam ein Trinklied an und feiert mit Freunden anderer Chöre, die man auf dem Sängerfest trifft. Das Sängerfest ist nicht nur ein Höhepunkt der Chormusik, es ist auch ein Fest der Gemeinschaft unter Gleichgesinnten.

Doch in diesem Jahr liegt das Chorleben weitgehend lahm. Ebenso wie die meisten Musikvereine mussten die Chöre auf Konzertauftritte und Proben weitgehend verzichten. Besonders beim gemeinsamen Gesang ist die Infektionsgefahr sehr groß. Durch die intensive Atmung beim gemeinsamen Singen und das lange enge Beieinandersein kann sich das Virus stark verbreiten.

Seit Mitte März fand in meiner Chorgemeinschaft "Cäcilia" Bakum keine Chorprobe mehr statt. Wann es richtig wieder mit dem Chorgesang losgehen kann, ist nicht absehbar. Wie bei den Orchestern gibt es bereits erste Lockerungen der strengen Regeln. Denkbar sind Stimm-Proben mit wenigen Sängerinnen oder Sängern in gut belüfteten Räumen. Aber das ist nur mit kleinen Chören tatsächlich realisierbar.

Außerdem macht das Singen im Chor nur gemeinsam Spaß. Die vielen Stimmen bilden einen gemeinsamen Klangkörper, Chormusik ist ein Gemeinschaftserlebnis. Solange die Pandemie nicht wirksam bekämpft worden ist, müssen die Chöre und ihr Publikum noch Geduld haben. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr wieder ein Sängerfest!


Zur Person:

  • Der Autor Georg Rosenbaum ist Kaufmann und wohnt in Bakum. Gebürtig stammt er aus Oldenburg.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Warum Chöre es derzeit schwer haben - OM online