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„Vor allem im Wald fühle ich mich zu Hause“

Jürgen Göttke-Krogmann kommt aus Kroge. 40 Porträts, 40 Gedanken zur Heimat, das ist die Idee der OV-Serie Heimat.Los.

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Heimat ist der Ort, an dem ich geboren wurde. Es ist der Raum, den ich nie verlassen habe. Selbst im Studium und im Berufsleben bin ich am Wochenende nach Hause gefahren, weil ich Dackel oder später Rinder gezüchtet habe.

Geprägt hat mich die Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof, die Landschaft aus Feldern, Wiesen und Wald. In jeder Jahreszeit hat die Heimat einen eigenen Geruch. Vor allem im Wald fühle ich mich zu Hause. Schon als Junge war ich beim Bäume pflanzen dabei. Einmal habe ich meine Spielautos mitgenommen und liegen gelassen. Die suche ich heute noch.

Als Kinder mussten wir mitarbeiten. Da habe ich gelernt, durchzuhalten. Auch wenn einem die Augen zufielen, der Haufen Kartoffeln musste weg. Ich weiß nicht, ob Kinder heute so etwas auch noch lernen. Ich frage mich, ob unsere Enkel als Weltbürger noch die gleiche emotionale Verwurzelung verspüren werden, die ich empfinde. Oder wird ihre Heimat die Welt ihres Smartphones sein? Das Leben entwickelt sich immer nach vorne und das ist gut so. Ich bin mit erhobenem Haupt Südoldenburger und verteidige die Heimat nach draußen ohne Wenn und Aber. Aber nach innen versuche ich, zum Nachdenken anzuregen. Wir sollten mehr Maß halten und nicht alles zubauen. In dem Tempo, in dem sich Agrarbranche, Industrie und Wohngebiete entwickeln, darf es nicht weitergehen. Zum Fortschritt gehört auch Verzicht.

Auf unserem Hof, den wir nicht mehr im Haupterwerb bewirtschaften, versuche ich kulturelles Erbe zu bewahren. Vor allem junge Menschen versuche ich auf unserem Lernstandort für das Maßhalten zu sensibilisieren. Wir gehen eine Stunde spazieren, durch alte Kuhweiden, an Hecken und Gehölzen entlang. Der Weg führt auch an einem für unsere Landschaft typischen Plaggenesch vorbei, der durch viel Plackerei unserer Vorfahren zu wertvollem Acker wurde.

Ich empfinde tiefe Befriedigung, wenn ich durch unseren Wald gehe, den ich nach dem Sturm 1972 zu einem gesunden Mischwald entwickelt habe. Wenn ich jetzt die Heimat verlassen müsste, hätte ich ebenso große Schmerzen wie die Vertriebenen, die in meiner Kindheit auf unserem Hof mitarbeiteten und nach Knoblauch rochen.

  • Das Projekt Heimat.Los der Oldenburgischen Volkszeitung und der Katholischen Akademie Stapelfeld wird von den Volksbanken vor Ort, den HGVs Vechta/Damme und der Firma Cewe unterstützt.

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