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Von RUB bis Litteraturtog: Ein Loblied auf das Buch

Kolumne: Das Leben als Ernstfall

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Ob Belletristik oder Sachliteratur: Bücher spielen seit Kindheitstagen in meinem Leben eine wichtige Rolle. Sie sind für mich Herzenssache und Kulturgut. In der katholischen Bücherei St. Johannes Baptist in Steinfeld kannte ich das Regal mit den „Drei ???“-Büchern schnell auswendig. Vielleicht lag es daran, dass ich mich manchmal altklug wie Justus Jonas verhielt, ein Sport-Ass wie Peter Shaw und ein Bücherwurm wie Bob Andrews war. Wer weiß?

Der Ort, an dem die Passion zur vollen Entfaltung kommt, ist die Buchhandlung. Umgeben von Regalen und Tischen, die Geschichten verbergen, verliebe ich mich, werde neugierig oder entdecke einen Schatz. Ich schaffe es fast nie, an einer Buchhandlung vorbeizulaufen, ohne sie zu betreten. Und auch wenn ich eigentlich keinen neuen Lesestoff brauche, verlasse ich den Ort oft nicht ohne mindestens ein neues Buch in der Hand.

Damit kommen wir zur Herausforderung aller Bibliomanen: dem Stapel ungelesener Bücher, kurz SUB. In meinem Fall ist es inzwischen wohl eher ein RUB; ein Regal ungelesener Bücher. Doch ganz gleich, wie viele Schmöker noch darauf warten, gelesen zu werden – es kommen immer neue dazu. Ich bin dem Angebot von mehr als 70000 Neuerscheinungen pro Jahr schutzlos ausgeliefert. Wer mir etwas schenken möchte, hat es leicht: Ein Buch geht eigentlich immer. Stimmt's, Schwiegermutti?

Es gibt diese Bücher, die zu spannend sind, um sie mittendrin zur Seite zu legen. Es ist einfach unmöglich, nicht weiterzulesen. Vielleicht ist es auch meine tiefe Angst, etwas zu verpassen, die mich antreibt: eine Liebeserklärung, die Verhaftung eines Serienmörders oder die Wiedervereinigung einer Familie. Ein Beispiel: Dem Harry-Potter-Hype stand ich lange skeptisch gegenüber. Doch nach meinem Abitur 2006 hatte ich Zeit und gab dem Schüler des Zauberinternats Hogwarts eine Chance. Er zog mich in seinen Bann – und so war zum Beispiel einen Nachmittag lang „Der Gefangene von Askaban“ meine kleine Zauberwelt. Schwups, schon waren 448 Seiten vorbei.

Ich liebe die Buchmesse in Frankfurt. Denn sie rückt das Buch zumindest für einen kurzen Moment in den Fokus des medialen Interesses.“Andreas Timphaus, Reporter

Ich gebe zu, dass meine Leidenschaft in den vergangenen Jahren etwas gelitten hat. Während meine Schwester – ebenfalls büchersüchtig – pro Jahr etwa 70 Wälzer verschlingt, krebse ich bei knapp 20 herum. Meine Profession verlangt es, dass ich mich den ganzen Tag mit Sprache beschäftige. Deshalb habe ich abends oft keine Lust mehr auf Buchstaben. Im Urlaub hole ich die Lesefreude nach. Dann können schon mal drei Bücher pro Woche konsumiert werden.

Ich liebe die Buchmesse in Frankfurt. Denn sie rückt das Buch zumindest für einen kurzen Moment in den Fokus des medialen Interesses. Dito der Literaturnobelpreis. Die polnische Stadt Breslau hat die Auszeichnung für Olga Tokarczuk auf ganz besondere Weise gefeiert. Alle Fahrgäste, die ein Buch der frisch gekrönten Preisträgerin – seit Juni Ehrenbürgerin der 650000-Einwohner-Stadt – vorweisen konnten, durften am Wochenende kostenlos mit Bussen und Straßenbahnen fahren. Die Stadt wolle ihre „Freude mit allen Bewohnern teilen“, hieß es. Freie Fahrt für Bücherfans – so etwas wünsche ich mir für die Deutsche Bahn. Die Soldaten können ruhig bezahlen.

Übrigens: Thronfolger Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen sind mit einem Sonder-„Literaturzug“ zur Buchmesse angereist. Das Land ist 2019 Ehrengast. Mette-Marit ist Botschafterin für norwegische Literatur im Ausland. Daheim reist sie regelmäßig mit der „Litteraturtog“, um Menschen für Bücher zu begeistern. Eine nachahmenswerte Idee, liebe Deutsche Bahn!

Zur Person

  • Andreas Timphaus ist Redakteur der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter info@om-online.de.

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