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Von Michaela, Anita, Joana, Alice – und Karl

Kolumne: Batke dichtet – Im deutschen Schlager spielen Damen eine große Rolle. Zumindest in den Songtiteln.

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Gut geschulte Leser meiner wöchentlichen Aufsätze werden wissen, dass es heute mit einem Tusch losgeht. Es gilt, ein Stück nationales Kulturgut zu feiern. Denn der dritte Samstag im Januar ist seit 2009 der „Tag des deutschen Schlagers“. Erinnert wird mit dem Festtag an den 18. Januar 1969, als erstmals die ZDF Hitparade ausgestrahlt wurde. Das einleitende „Hier ist Berlin“ von Moderator Dieter Thomas Heck wurde zu einem der bekanntesten Sätze in der TV-Historie. Die erste Interpretin im Hochamt des deutschen Schlagers war übrigens eine Schwedin namens Anna Lena, die mit dem Titel „Rot ist die Liebe“ Kapitel 1 der langen Erfolgsgeschichte dieses Musikformats schrieb.

Bleiben wir bei den Damen, sie spielen in der Geschichte des deutschen Schlagers eine nicht zu unterschätzende Rolle – zumindest in den Titeln. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, Ihnen eine kleine Playlist (sagt man wohl heute) zusammenzustellen, in denen Frauennamen vorkommen, zum Mitsingen anregen und sowohl den Künstlern wie auch den Autoren einen Batzen Geld eingebracht haben.

Der älteste der Hits mit weiblichen Namen war in den 60er in unserer Familie angesagt, denn er schien meiner Schwester gewidmet, die sich gegen fünf Brüder behaupten musste. Immer, wenn das von Gerd Böttcher gesungene Lied „Für Gaby tu ich alles“ erklang, wurde das Radio lauter gestellt. Und meine Schwester wird sich gedacht haben: Wäre es nur so.

"Weibliche Vornamen haben das Zeug zu Hits. Bei männlichen sieht es eher mau aus."Alfons Batke

Von Gaby zu Bata Illic, beziehungsweise zu seinem größten Hit. Der gebürtige Serbe, heute 83 und noch rüstig dabei, schenkte uns nicht nur das etwas schlüpfrige „Ich möcht' der Knopf an deiner Bluse sein“, sondern besang auch voller Inbrunst die Vorzüge einer gewissen „Michaela“, was freilich nicht ganz akzentfrei vonstatten ging, denn bei Bata war es die „Mikaela-a-ha“. Es schmälerte den Mitsing-Effekt jedoch nicht. Etwas gedehnt ging es auch beim Griechen Costa Cordalis zu, der eine Lady besang, die er in Mexiko aufgetan hatte. Es ging um „Anita“, was aber gesanglich zu „Aahnita“ wurde. Hier ein Auszug zum Mitsingen: „Komm, steig' auf mein Pferd, sagte ich zu ihr – Aahnita“.

Ja, die Texte – sie beflügeln unsere Fantasie. Fühlen wir nicht mit, wenn es bei Peter Maffay heißt: „Josie, Josie, es ist soweit, vergiss' die Mädchenträume und halte dich bereit.“ Und was ist das eigentlich für eine „Joana“ mit „Augen, die zur Schüchternheit nicht taugen“, die uns Roland Kaiser präsentiert und wiefolgt charakterisiert: „Geboren, um Liebe zu geben.“ Etwas schlechter ist da Marianne Rosenbergs „Marleen“ dran, die um ihren Liebsten bangt, wenn sie fragt: „Was willst du grad von diesem Mann, wo du doch so viele and're haben kannst?“ Und natürlich trauern wir mit Howard Carpendale, der seine Nachbarin vermisst und nicht mehr „Tür an Tür mit Alice“ lebt.

Sie sehen, weibliche Vornamen haben das Zeug zu Hits. Bei männlichen sieht es eher mau aus. Kein Hermann, Manfred, nicht einmal ein Alfons hat es bisher in die Charts geschafft. Das gelang allenfalls Julia Werding mit „Conny Kramer“, dem ersten Drogentoten der deutschen Schlagergeschichte. Dahingeschieden ist übrigens auch „Karl“ – aber der war ein Käfer.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autoren erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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