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Von Lohner Malerwegen und unbekannten Kunstschätzen

Der Freundeskreis Luzie Uptmoor freut sich über einen Neuzugang. Die neue Radtour kommt gut an und die nächste Ausstellung ist bereits in Planung.

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Mit dem Rad zu Motiven Lohner Künstler: Mechthild Beckermann (links) und Elsbeth Schlärmann führen die Tour "Malerwege". Foto: Timphaus

Mit dem Rad zu Motiven Lohner Künstler: Mechthild Beckermann (links) und Elsbeth Schlärmann führen die Tour "Malerwege". Foto: Timphaus

Auch während der Corona-Krise ist der Freundeskreis Luzie Uptmoor nicht untätig. Der Kunstverein, der das Werk von Künstlerinnen und Künstlern pflegt, die in Lohne geboren sind oder dort gewirkt haben, stellt an dieser Stelle seine neue geführte Radtour "Malerwege" vor. Er präsentiert ein bisher unbekanntes Werk von Luzie Uptmoor, welches seit dieser Woche in der gleichnamigen Galerie im Industriemuseum zu sehen ist, und gibt einen Ausblick auf die nächste Ausstellung, die sich dem Vechtaer Künstler August Kathe widmet.

Die neue geführte Radtour "Malerwege"

Eine erfolgreiche Premiere feierte am vergangenen Sonntag die neue Führung zum "Frauenort Luzie Uptmoor Lohne" des Freundeskreises Luzie Uptmoor. Unter dem Motto "Malerwege – Mit dem Rad zu Motiven Lohner Künstler" ging es vom Haus Uptmoor aus über Hopen nach Brockdorf. Im Landgasthaus Krimpenfort wartete eine Stärkung auf die Gäste. Übers Lerchental führte die Reise zurück nach Lohne.

Mechthild Beckermann und Elsbeth Schlärmann erläuterten während der Tour die Hintergründe zu Motiven von Luzie Uptmoor, Paula kl. Kalvelage, Joseph Andreas Pausewang und Heinrich Klingenberg. Anekdoten und Einblicke in die Lebensgeschichten durften natürlich nicht fehlen. "Wir haben das Glück, das Werk von mehreren Lohner Kreativen pflegen zu dürfen", sagt Beckermann. 

Zwei trauernde Frauen mit Kind: Der Freundeskreis Luzie Uptmoor hat dem bisher unbekannten Ölgemälde der Lohner Künstlerin den Titel Frauenleid im Krieg II“ gegeben. Foto: WarnkingZwei trauernde Frauen mit Kind: Der Freundeskreis Luzie Uptmoor hat dem bisher unbekannten Ölgemälde der Lohner Künstlerin den Titel „Frauenleid im Krieg II“ gegeben. Foto: Warnking

Während der Tour konnten die Teilnehmer anhand von großformatigen und wetterfest präparierten Drucken der Kunstwerke einen Vergleich zwischen Kunst und Realität anstellen und die Entwicklungen Lohnes nachvollziehen. "Die Führung vermittelt auch ein Stück Stadtgeschichte", sagt Beckermann. 

Die Vorsitzende des Freundeskreises Luzie Uptmoor kündigt eine Fortsetzung der geführten Radtour für den 23. August (Sonntag) an. Start ist um 14 Uhr beim Haus Uptmoor. Die Rückkehr ist gegen 17.30 Uhr vorgesehen. Der Kostenbeitrag beläuft sich auf zwölf Euro inklusive Kaffeetafel. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldungen nimmt das Industriemuseum (Telefon 04442/730380) entgegen.

Ein bisher unbekanntes Werk von Luzie Uptmoor

Dem Freundeskreis gelingt der Bogenschlag von der Radtour in die Galerie Luzie Uptmoor im Industriemuseum. Denn dort sind seit dem 1. August die Kunstwerke selbst zu bestaunen. "Einige dieser Malereien wurden bisher selten oder noch gar nicht gezeigt", sagt Renate Crewell, stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises.

Aus Anlass des 75. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs im Mai 2020 werden in der Galerie überdies mehrere Bilder gezeigt, die den Schrecken und das Leid der Kampfhandlungen thematisieren.

Ein Höhepunkt dieser Schau dürfte das bisher unbekannte Werk Luzie Uptmoors sein, auf dem zwei trauernde Frauen mit einem Kind zu sehen sind. Das nicht datierte Bild, das vermutlich um 1943 entstand und vom Freundeskreis den Titel "Frauenleid im Krieg II" erhielt, hatte die Luzie-Uptmoor-Stiftung vor wenigen Monaten bei einer Auktion in Hamburg erworben. Es ist in seinen Sujets dem Werk "Frauenleid im Krieg" sehr ähnlich, das im Foyer vor dem Ratssaal der Stadt hängt.

Laut Beckermann verarbeitete Uptmoor in beiden Werken auch ihre eigene Situation im Zweiten Weltkrieg. Die Künstlerin war 1943 nach dem Tod ihres Lehrers und Freundes Peter Ludwigs, dem sie 1928 nach Düsseldorf gefolgt war, nach Lohne zurückgekehrt. Ludwigs hatte sich im Widerstand gegen das Naziregime engagiert. Am 3. Juli 1943 verstarb er in Gestapo-Haft. Sein Tod stürzte Luzie Uptmoor in eine schwere Lebens- und Schaffenskrise, aus der sie sich erst Jahre später wieder befreien konnte.

Für Beckermann und Crewell wäre es laut eigener Aussage spannend, die Geschichte des Werkes zu ergründen. So wollen die Kunstfreundinnen beispielsweise herausfinden, ob es sich bei den abgebildeten Personen um Lohner Frauen handelt. "Das ist uns bisher aber noch nicht gelungen", sagt die Vorsitzende. Das Bild ist noch bis zum 11. Oktober in der Galerie Luzie Uptmoor zu sehen.

Ein Ausblick auf die nächste Ausstellung im Oktober

Derweil laufen die Vorbereitungen für die nächste Ausstellung, die ab dem 25. Oktober in der Galerie zu sehen ist. Die Schau dreht sich vor allem um August Kathe. Die Verbindung nach Lohne erfolgt unter anderem über die Bekanntschaft des Vechtaer Künstlers mit Irmgart Vietze und Pausewang. "Die beiden Männer haben sich Anfang der 1950er Jahre gegenseitig porträtiert", berichtet Crewell.

Der im Jahr 1900 geborene Vechtaer August Kathe, der 1962 in seiner Heimatstadt verstarb, war in Lohne auch als Lehrer tätig – genauso wie in Rüschendorf, Thüle und Oythe. Der Freundeskreis Luzie Uptmoor hofft im Zusammenhang mit der geplanten Schau auf Unterstützung aus der Bevölkerung. "Wer Informationen oder Hinweise zu August Kathe und seinem Werk geben kann, den bitten wir, sich mit uns unter Telefon 0151/44341499 in Verbindung zu setzen", sagt Beckermann.

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