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Von Hafermilch-Trinkern, Kilmsterstuten und Arschtritten

Der Poetry Slam mit Benedikt Feldhaus und Peter Havers ist eine Liebeserklärung an das Oldenburger Münsterland – und die Sehnsucht an den Pott.

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Wortakrobatik trifft Kraft und Kreativität: Poetry-Slamer Benedikt Feldhaus und die Akrobatikgruppe "In Motion". Foto: Brauns-Bömermann

Wortakrobatik trifft Kraft und Kreativität: Poetry-Slamer Benedikt Feldhaus und die Akrobatikgruppe "In Motion". Foto: Brauns-Bömermann

Warum eigentlich im Metropoltheater, warum nicht in einer der zahlreichen Kirchen in Vechta? Die Rede ist vom Poetry-Slam an Akrobatik mit Benedikt Feldhaus (Vechta) und Peter Havers (Vechta, aber mit Wurzeln im Ruhrgebiet). Voll geht also doch – und altersgemischtes Lachen auch.

Die roten Samtsitze im Metropoltheater waren jedenfalls fast voll besetzt. Das wären auch Holzbänke (mit Sitzkissen) in der Kirche gewesen. Denn eins war klar, hier ging es um Inhalt. Der verschnürt in grandiosen Ruhrgebiets-Humor von Peter Havers, der inzwischen am Rand von Vechta lebt und mit Heimspiel von Benedikt „Bene“ Feldhaus, beruflich in Oldenburg unterwegs. Die Poetry-Slam-Show war eine Liebeserklärung an das Südoldenburger Münsterland und die (manchmal) Sehnsucht an den „Pott“.

„2G, alles tutti, getauft und gefirmt, das dritte G lassen wir heute weg“, lautete der Kaltstart inmitten der Akrobatikgruppe „In Motion“ von SFN Vechta. Da turnten die zwei Poetry-Slamer schon mit. „Flitzer sind erlaubt und politische Botschaften auch“, ein Grölen geht durch den Saal. Und schon geht es los mit dem Dialog zu Heimat-Feeling, Gemeinsam- und Verschiedenheiten.

Sie begeisterten das Publikum: Die Akrobatikgruppe In Motion von SFN Vechta und die Wortakrobaten Peter Haves und Benedikt Feldhaus. Foto: Brauns-BömermannSie begeisterten das Publikum: Die Akrobatikgruppe "In Motion" von SFN Vechta und die Wortakrobaten Peter Haves und Benedikt Feldhaus. Foto: Brauns-Bömermann

Start mit jeweils einer Hymne der Herkunft Ruhrgebiet und Südoldenburg wie Billy Joels Song „We didn't start the fire“ in Aneinanderreihung von Stichworten. Die Heimfahrt in den Pott hat für Peter Haves viele Facetten: A2, Halden, Zollverein und dann die Freude auf die Sprache. Deshalb trägt Peter Havers sein T-Shirt mit der Aufschrift „Kommabei“ gern. Erinnert sich wat Omma und Oppa immer erzählt haben und gesteht: „Ich liebe Pott“.

Auf Benes Feldhaus' T-Shirt steht „Sei tau“, dazu gibt er schnell die Übersetzung. „Nicht lang snaken, Kopp in Nacken“, „Gott segne Dich“, „Mach' s gut“, um nur einige Synonyme zu nennen. Eben „Sei tau“. Seine Heimat ist Moor. Ringsherum, SFN, Welper Wald, Stoppelmarkt, Geest-Verlag, Dümmer, Zitadelle, Bootshaus-Bräu, Gulfhouse, Metropol und Kilmerstuten. Apropos Stuten: „Wenn Mama mir das Rezept am Telefon erklärt, klingt das so: Ja Benedikt, ganz wichtig, hm, hm, so ca. 62 Gramm Butter.“ Das so richtig krasse bewegte Bühnenbild liefert die Gruppe „In Motion“ den zwei Wortakrobaten und macht den Auftritt rund: Wortakrobatik trifft sich mit Körperbeherrschung, Kraft und Kreativität.

Denn wo sonst findet man einen Stuhl aus Menschen auf dem Peter Havers Platz nehmen kann für eine „Speach“ oder das Bild eines Feldes, dass gerade abgemäht wird. Wie Zitate von Pater Dr. Titus Maria Horten („Die Seele ist mehr das, was man liebt, nicht wo man lebt“) und König Otto Rehhagel („Mal verliert man, mal gewinnen die anderen“) grandios zusammenpassen, zeigen die zwei Seelenverwandten. Sie können aber auch Rede und Gegenrede: Peter Havers ist für Bene Feldhaus der Boomer, der Planetenficker, der Ressourcen-Verschwender.

Bene ist für Peter mit seinen knapp über 30 Jahren – dem Lifestyle 30 ist das neue 10 – arrogant, unpünktlich, Hafermilch-Trinker. „Live-Stream-Life“ kontra „Laschet-Lachen zwei Tage später aus Zeitung erfahren“ prallen aufeinander. Ohne Mediator funktionierte die Verständigung trotz Altersunterschied bei beiden: „Du musst vom Ergebnis herdenken. Das muss stimmen.“

Die Unterschiede zwischen der Kirche in Essen und Süoldenburg

Zwei Texte zum Thema Kirche stimmen nachdenklich: „Kirche in Essen, im Zweifel zu, im Zweifel unbekannt, im Zweifel kaputt, hässlich, pleite. Kirche ungehört, keiner fragt mehr an, zu, arm, irrelevant.“

Südoldenburg: „Heile Welt, Gott sei Dank. Gallisches Dorf, es existiert noch. Weniger Austritte, wenige Arschtritte, Kirche braucht kein Charisma, Kirche braucht Mitglieder. Südoldenburg ist Himmel.“ Die Currywurst gab es vor dem Metropol am Wagen, der Grünkohl roch nebenan bis auf den Bürgersteig aus dem Moorbachhof. Das Publikum war begeistert.


Zur Person:

  • Peter Havers ist katholischer Studierendenseelsorger am Campus der Uni Vechta.  1972 in Essen/Ruhr geboren, zuletzt in Vechta als Pastoralreferent in St. Mariä Himmelfahrt.
  • Benedikt Feldhaus ist Diplom-Theologe am Forum St. Peter in Oldenburg und gebürtiger Vechtaer.

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