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Von #Abedi bis #Zafón - Die Reise endet im spanischen Bürgerkrieg

Bücher, Bücher, Bücher. Womit lässt sich die Zeit schöner vertreiben als mit einem wundervollen Roman, vor allem wenn das Thema der spanische Bürgerkrieg ist?

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Es sind doch die kleinen Dinge im Leben, die einen glücklich machen: Das Kaffeetrinken in der Sonne auf dem Balkon, Telefonate mit der Großmutter, die überglücklich über jede Ablenkung in der Corona-Zeit ist, oder der Kauf eines neuen Buches, in dem eine Geschichte steckt, die einen, zumindest für eine Weile, in eine andere Welt mitnimmt. Denn zwischen den Seiten eines guten Romans ist die Welt noch in Ordnung. Und das war sie auch immer:

Schon für meine Kindheitshelden schien schier nichts unmöglich. Ich war beeindruckt von Pippi Langstrumpf, dem stärksten Mädchen der Welt, die es mit jedem aufnehmen konnte, der ihr in die Quere kam. Auch Emil Tischbein, der in einer ihm völlig fremden Stadt auf Verbrecherjagd ging, begeisterte mich. Genauso wie die Zwillinge Hanni und Nanni, die im Internat „Lindenhof“ ein Abenteuer nach dem nächsten erlebten.

Schließlich kam die Zeit, in der ich die Klassiker von Astrid Lindgren, Erich Kästner und Enid Blyton gegen die Werke von John Boyne, Isabel Abedi und Stephenie Meyer eintauschte. Die Geschichte des neunjährigen Bruno und seines Freundes Schmuel, die von dem Leben im Dritten Reich und den Vorgängen im Konzentrationslager Auschwitz handelt, war die erste, die mich nachts nicht schlafen ließ. Heimlich schaltete ich unter der Bettdecke meine Taschenlampe ein und las noch lange nachdem ich in meinem Kinderzimmer das Licht ausschalten musste, die Geschichte vom Jungen im gestreiften Pyjama weiter. Und auch die Romanze zwischen Bella und dem Vampir Edward fesselte mich. Die Fortsetzungen von „Bis(s) zum Morgengrauen“ waren die ersten Bücher, bei denen ich gespannt die Tage bis zur Veröffentlichung gezählt habe. Nur, um die Geschichten dann in Windeseile zu verschlingen.

„Mit meinem „ersten Zafón“ öffnete meine Mutter mir die Tür in eine ganz neue Welt."Joanna Abou Boutros, Autorin 

Übrigens: Mein allererstes eigenes Buch überhaupt war „Die kleine Hexe“. Offiziell war Otfried Preußlers Kinderbuch ein Geschenk von der Zahnfee – inoffiziell von meiner Mutter. Sie war es auch, die mir meinen „ersten Stephen King“, wie sie es nannte, schenkte. Mit der Warnung, sie selbst habe nach ihrem „ersten Stephen King“, wochenlang nicht geschlafen. Logisch, dass ES aus Angst vor dem Clown und vor schlaflosen Nächten bis heute ungelesen in meinem Regal steht.

Mit meinem „ersten Zafón“ öffnete meine Mutter mir die Tür in eine ganz neue Welt. Gemeinsam mit Daniel Sempere besuchte ich in Barcelona den Friedhof der Vergessen Bücher. Ich lernte die katalonische Stadt – in der ich am liebsten jeden Sommer verbringen würde – zur Zeit der Franco-Diktatur kennen, begab mich auf die Suche nach Julián Carax und fürchtete mich vor Inspektor Fumero.

Mit der vierteiligen Reihe, die mit „Der Schatten des Windes“ beginnt, die aber auch für jeden Leser, der zuerst „Das Spiel des Engels“, „Der Gefangene des Himmels“ oder „Das Labyrinth der Lichter“ liest, verständlich ist, weil Carlos Ruiz Zafón ein meisterhafter Erzähler ist, entwickelte ich ein Faible für Romane, die in Barcelona zu Zeiten des Franco-Regimes spielen. Ein eher ungewöhnliches Genre? Mag sein, aber der historische Hintergrund gemischt mit fiktiven Erzählungen macht die Geschichten spannend und zugleich unheimlich interessant.

Tatsächlich gibt es einige Autoren, die ihre Leser in die Zeit des Franco-Regimes oder die Zeit vor dem spanischen Bürgerkrieg mitnehmen. In meinem Bücherregal sammeln sich beispielsweise Werke von Rosa Ribas und Sabine Hoffmann, Jaume Cabré oder Javier Marías.

Und das scheint längst nicht alles zu sein: Erst am Samstag waren meine Mutter und ich in einem unserer Lieblingsbuchläden – eigentlich auf der Suche nach einem Muttertagsgeschenk für meine Oma – als ich beim durchstöbern der Bücherregale auf ein Roman von Mercè Rodoreda stieß. Ort der Handlung: Katalonien. Zeit: Die späten 1920er Jahre – vor Ausbruch des Bürgerkriegs. Begeistert zeigte ich meiner Mutter meine Entdeckung – und sie zeigte mir ihre: ein Roman von Mercè Rodoreda. Ort der Handlung: Katalonien. Zeit: zwei Generationen vor dem Bürgerkrieg.

Unser kleiner Ausflug war also ein voller Erfolg: Zwei neue vielversprechende Romane, die mich - zumindest für eine Weile - in eine andere Zeit und ein anderes Land mitnehmen - und auch meine Großmutter ist am Wochenende selbstverständlich nicht leer ausgegangen.

Zur Person:

  • Joanna Abou Boutros ist Freie Mitarbeiterin von om-online.de.
  • Die Autorin erreichen sie unter info@om-online.de.

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