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Vom Auenland über Babypinkeln bis hin zur Leitkultur

Valentin Moritz spricht mit vier Gästen im Gulfhaus  über Vechta und seine Zeit als "Artist inResidence" (AiR). Der freischaffende Autor beendet mit der Podiumsdiskussion seine AiR-Zeit in Vechta.

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"Love is in the AiR": Valentin Moritz las vier seiner in Vechta entstandenen Texte vor. Foto: Heinzel

"Love is in the AiR": Valentin Moritz las vier seiner in Vechta entstandenen Texte vor. Foto: Heinzel

Valentin Moritz sitzt lässig auf seinem Stuhl im Gulfhaus. Mit ruhiger, angenehmer Stimme trägt der "Artist in Residence" (AiR) die Texte "Love is in the AiR", "Ansichten eines AiR", "Bananenrausch" und "Liebestoll in Vechta" vor. Die Besucher der Veranstaltung lauschen aufmerksam seinem Vortrag. Dabei kommen sie nicht darum herum, häufiger zu lachen. Seine Beiträge gliedern in gewisser Weise die von Alfred Büngen geleitete Podiumsdiskussion mit Valentin Moritz, Nida Özuylasi, Silja Ostermann und Julian Hülsemann. Gemeinsam blickten die fünf auf die Stadt Vechta und auf die Menschen, die in ihr wohnen.

Das Ziel des "Artist in Residence" sei es, mit den Menschen in Vechta in Kontakt zu kommen, sagte Katharina Genn-Blümlein von der Universität Vechta. Wie dies Valentin Moritz gelungen ist, konnten die Zuhörer im Gulfhaus erfahren. Die Diskussionsrunde bildete den Abschluss von Valentin Moritz Zeit als AiR in Vechta. Dabei sei es immer sehr spannend, die Konzepte, mit denen sich die Künstler beworben hätten, mit der Realität zu vergleichen, sagte Genn-Blümlein. "Mein Konzept ist ganz gut aufgegangen, auch wenn ich nicht alles geschafft habe", meinte Valentin Moritz.

Der 34-Jährige hat Video- und Soundaufnahmen gemacht sowie Interviews geführt. Diese O-Töne will er zu einer "Audio-Collage" zusammenschneiden. "Das Material ist gesammelt", sagt Moritz, aber es sei noch offen, wie die Collage aussehen werde und, worin die Vechtaer Seele bestehe.

„Vechtaer sind offene, direkte Menschen mit einem guten Humor.“Valentin Moritz, "Artist in Residence" 2021

Anschließend trug er seinen ersten Text "Love is in the AiR" vor. Es folgte eine Einschätzung von Vechta durch die Runde: Nida Özuylasi meinte "Vechta ist ein Dorf", in dem sie als Studentin freundlich aufgenommen wurde. Silja Ostermann sprach von einem "sehr familiären Gefühl in Vechta". Julian Hülsemann nannte Vechta "mein kleines Auenland", in welchem die Menschen behütet und gesellig leben würden. Einige würden auf eine Reise gehen, den Drachen töten und dann doch wieder in die Heimat zurückkehren. Valentin Moritz meinte: "Vechtaer sind offene, direkte Menschen mit einem guten Humor." Silja Ostermann ergänzte, dass diese "keine Wasserfälle reden und gerne feiern würden." Julian Hülsemann stimmte der generellen Offenheit der Vechtaer zu, meinte aber, dass es schwierig sei, in andere soziokulturelle Gruppen hineinzukommen.

Ist Vechta wirklich normal? Darüber diskutierten die Podiumsteilnehmer im Gulfhaus (von links): Valentin Moritz (AiR), Nida Özuylasi (Studentin), Alfred Büngen (Geest-Verlag), Silja Ostermann (Volkswirtin) und Julian Hülsemann (Partnerschaft für Demokratie Vechta). Foto: Heinzel Ist Vechta wirklich normal? Darüber diskutierten die Podiumsteilnehmer im Gulfhaus (von links): Valentin Moritz (AiR), Nida Özuylasi (Studentin), Alfred Büngen (Geest-Verlag), Silja Ostermann (Volkswirtin) und Julian Hülsemann (Partnerschaft für Demokratie Vechta). Foto: Heinzel 

Nach diesem Auftakt las Valentin Moritz seinen zweiten Text "Ansichten eines AiR" vor. Danach äußerten sich die fünf Diskussionsteilnehmer darüber, für wie normal sie Vechta halten würden, inwiefern es eine bestimmende Leitkultur gäbe und wie viel Vielfalt diese Normalität erlaube. Julian Hülsemann schilderte seine Erfahrungen und meinte in Vechta gäbe es Vielfalt und Diversität, aber diese habe sich an Vechta angepasst.

"Nicht alles ist schön in Vechta, doch sage das einem frisch Verliebten" las Valentin Moritz aus seinem Text "Liebestoll in Vechta" vor. Stichworte des darauf folgenden Diskussionsabschnittes waren "In Vechta kennt jeder jeden", "Trinkfest ist man im Oldenburger Münsterland" und "So ein Babypinkeln hat es in sich".

Anschließend öffnete Alfred Büngen das Podium für Publikumsfragen, welche recht spärlich ausfielen. Der Verleger und Geschäftsführer des Geest-Verlages bat anschließend Valentin Moritz noch einen Text vorzulesen. Dieser entschied sich für "Bananenrausch". Katharina Genn-Blümlein bezeichnete die Texte von Valentin Moritz als "voller Wortwitz und sehr amüsant". Dabei gelinge es dem Autor aber auch "viele neue Ideen und Gedanken" zu formulieren.

  • Info: "Artist in Residence" ist ein Künstler*innen-Stipendium, welches seit 2013 von der Stadt und Universität Vechta jährlich ausgeschrieben wird. Es bietet einem Künstler die Möglichkeit, für vier bis sechs Wochen in der Stadt Vechta zu leben und themenbezogen zu arbeiten. Im Zusammenwirken der verschiedenen Bereiche – Stadtentwicklung, Wissenschaft und Kunst – sollen neue kreative Impulse freigesetzt werden, die positiv auf das kulturelle Leben der Menschen in Vechta wirken. Einen Eindruck über die Arbeit der verschiedenen AiRs bekommen Interessierte im Internet unter www.air-vechta.de.

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