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Volle Kraft voraus vor halbem Publikum

Kultur unter Pandemie-Auflagen: Sitzplätze bleiben leer, doch die Künstler treten dafür teils doppelt auf. An der Preisschraube wird trotzdem nicht gedreht, die Zuschüsse der Stadt machen das möglich.

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Auf dem Weg zum Messias: Guido Fischer und Björn Jung treten in einer komödiantischen Weihnachtsgeschichte nur als als Engel auf. Das Duo spielt auch Maria, Josef, die Schafe und Herodes – Slapstick ohne Regilionshäme. Foto: Stadt Cloppenburg

Auf dem Weg zum Messias: Guido Fischer und Björn Jung treten in einer komödiantischen Weihnachtsgeschichte nur als als Engel auf. Das Duo spielt auch Maria, Josef, die Schafe und Herodes – Slapstick ohne Regilionshäme. Foto: Stadt Cloppenburg

„Ausverkauft“ bedeutete für den Kulturbahnhof noch im März: 163 Gäste und eine gut gefüllte Kasse. In der neuen Spielzeit des Theaterforums ist das anders: 67 Plätze sind unter Corona-Bedingungen zugelassen. „Kostendeckend ist das nicht“, räumt Programmmacher Dr. Klaus Weber ein.

Trotzdem präsentiert der Zusammenschluss von Stadt und Kulturförderern ab dem 4. September ein Kreativ-Programm ohne Abstriche mit Spitzen-Kabarett, Comedy-Konzerten und Kindertheater. Die (moderaten)Preise bleiben auf Vorjahres-Niveau, obwohl die Einnahmen sinken und der Aufwand wächst.

„Wir sind halt mutig“, unterstreicht die Vorsitzende, Mechtild Antons: „Kultur darf nicht komplett ausfallen.“ Möglich macht‘s der (stabile) Förder-Etat der Stadt. „Sonst wär‘ das finanziell nicht durchzustehen“, unterstreicht Weber dankbar.

Teilweise doppelte Auftritte geplant

Auch die Künstler kommen dem Publikum entgegen, teils mit doppelten Auftritten. So wie Werner Momsen, der Kult-Puppen-Plauderer von der Waterkant: „Ihm seine Show“ war schon vor Corona ausverkauft. Am 30. Oktober spielt er in Doppelschicht um 18 und 20.15 Uhr.

Den Auftakt der Spielserie hat das Theaterforum allerdings auf den Brink ins Museumsdorf verlegt: „Albers ahoi!“ takelt am 4. September ab 20.15 Uhr die Reeperbahn-Romantik musikalisch gewitzt auf. Eine „seute Deern“ singt auch mit.

Den Saal eröffnet der gefeierte Wort- und Körperakrobat Peter Shub am 7. Oktober (um 19.30 und 21 Uhr). Die Regeln fürs Publikum: Paare und Freunde dürfen zu zweit sitzen, Familien oder Nachbarschaften auch zu viert.

Ein ernstes Stück zwischen aller Comedy führt die Studio-Bühne endlich am 20. November ab 19.30 Uhr auf. An Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ wirken bis zu 30 Laienschauspieler, Techniker und Bühnenbauer mit. Falls das zu eng wird, will Regisseur Dr. Hubert Gelhaus einzelne Akteure mehrere Rollen spielen lassen – koste es, was es wolle. „Wenn wir jetzt nicht spielen, fällt das Theater auseinander“, unterstreicht der Gründer.


Der Großteil des Programms bleibt komisch bis nachdenklich. Im Schnelldurchlauf:

  • „Der Messias“: Die Weihnachtsgeschichte muss neu geschrieben werden, wenn sich das Komikerduo Guido Fischer und Björn Jung parodistische Gedanken machen, wie Josef die Geburtsvorbereitungen erlebt hat. (29. November, 17 Uhr).
  • „Skandal im Sperrbezirk“: Lach- und Sachgeschichten zur Lage der Nation führt das Berliner Kabarett „Distel“ am 15. Januar 2021 auf.
  • „Alles Bürste!“: Philosokomiker Peter Spielbauer schlängelt sich Sinn suchend durch alle Fragen der Existenz und trägt die Bürste gelegentlich auf dem Kopf (16. Februar, 20.15 Uhr).
  • „Jetzt hätten die guten Tage kommen können“: Satriker Stefan Waghubinger bewegt sich auf dem Dachboden seiner Eltern zwischen zerbrechlichen Wünschen, Zynismus und Warmherzigkeit (11.März).
  • „Nautilus“: Clown Trygve Wakenshaw bewegt sich pantomimisch unter Wasser als Charakterdarsteller von Kraken und Krabben – und meint doch die Menschen (22. April).
  • „Dazwischen“: Kabarett-Sängerin und Pianistin Lucy Kuhl schwankt zwischen Samsung und Apple, zwischen Treue und Aufbruch – immer dazwischen (27. Mai 2021).
  • Das Kindertheater „Spielwiese“ plant erneut fünf Aufführungen (mehr dazu in den nächsten MT-Ausgaben).

Der Vorverkauf läuft ab sofort auf der neuen Website www.kulturbahnhof-cloppenburg.de, in der Buchhandlung Terwelp (Tel. 04471/92245) und in der Stadthalle (Tel. 04471/92280). Karten fürs Kindertheater sind erst ab dem 26. September in der Roten Schule erhältlich.

Die Website ist frisch überarbeitet. Holm Diedrichs, Vorsitzender des Förderervereins, hat sich um mehr Übersichtlichkeit gekümmert, damit Interessierte rasch zu ihren Wunschterminen und Tickets finden.

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