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Videospiele brauchen keinen Realismus

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – In der Spielebranche wird die angeblich fehlende Repräsentation von Frauenfiguren bemängelt.

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Videospiele haben einen schweren Stand. Viele Jahre lang wurde ein komplettes Genre als  "Killerspiele" verteufelt, die Gewalt fördern würden. Zum Glück hört man heutzutage nur noch relativ selten davon. Unlängst haben verschiedene Studien bewiesen, dass keine Kausalität zwischen Videospielen und Gewalt besteht. Auch der nordamerikanische Fachverband der Psychologen teilt diese Einschätzung.

Aber natürlich muss das Medium auch weiterhin angeprangert werden. Videospiele sind schließlich immer noch böse. Wie wäre es also mit Sexismus? Das passt doch super! Wer kennt nicht den fiesen Super Mario, der Spiel für Spiel loszieht, um die arme, schwache Prinzessin zu retten? Oder die stereotypische Lara Croft mit ihrer XXL-Oberweite und der Wespentaille? Diese Beispiele zeigen deutlich: Frauen werden in Videospielen stets als schwach und übersexualisiert dargestellt. Das mag man zumindest meinen, wenn man Carolin Kebekus Glauben schenkt.

Die Komikerin hat kürzlich in einer Sendung genau diese Punkte angesprochen. Frauenfiguren seien total unterrepräsentiert. Wenn diese doch mal in einem Spiel zu finden seien, dann nur als schwache Charaktere, die die Männer anschmachten, so Kebekus.

"Wenn ich Bock auf Realität habe, dann schalte ich die Konsole aus." Julian Röben

Vor 30 Jahren hätte ich ihr noch zugestimmt, zumindest teilweise. Die Zeiten haben sich aber geändert. Noch nie wurden Frauen so stark und selbstbewusst dargestellt wie heutzutage. Noch nie gab es so viele weibliche Hauptcharaktere. Selbst in japanischen Rollenspielen (auch als "JRPG" bekannt), in denen Frauen oft übersexualisiert wurden, werden sie zumeist als sehr vielseitige und starke Charaktere gezeichnet. Auch, wenn die einzelnen Charakterzüge genretypisch ziemlich überzeichnet werden. Die Fortschritte werden jedoch einfach ausgeblendet. Dass dem Spieler in nahezu jedem modernen Rollenspiel die freie Wahl zwischen einem männlichen und einem weiblichen Charakter gelassen wird, wobei die Entscheidung nicht den geringsten Einfluss auf das Spielgeschehen hat, wird übersehen. 

Abgesehen davon interessiert es mich als Spieler zunehmend weniger, was für ein Geschlecht, was für eine Hautfarbe oder was für eine Sexualität die Spielfigur hat. Da die Dinge ohnehin für die meisten Geschichten komplett obsolet sind, ist es mir ebenso egal, ob ich jetzt als ein Mann oder als eine Frau spiele.

Weiter berichtet Kebekus, dass auch Männer in Videospielen teilweise unrealistisch dargestellt werden würden. Da muss ich ihr absolut zustimmen. Und das ist auch gut so: In Videospielen muss nichts realistisch sein. Wenn ich Bock auf Realität habe, dann schalte ich die Konsole aus. Spiele sind Eskapismus. Kann sein, dass andere Personen gerade diesen Punkt anders sehen und realistischere Darstellungen in Videospielen befürworten. Das wäre dann allerdings eine Sache des persönlichen Geschmacks und keine Diskussion um Sexismus. 

Hier ist der Knackpunkt: Kritiker sehen selber ein, dass die Darstellungen unrealistisch sind. Dass dies so gewollt ist, wird jedoch nicht bemerkt. In Cartoons oder Animationsfilmen werden die Charaktere auch überzeichnet und unrealistisch dargestellt. Sexistisch sind sie nach meiner Auffassung alleine deswegen bei Weitem noch nicht.


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