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Valentin Moritz ist der Artist in Residence

Der freischaffende Autor bekam über das Projekt der  Universität und der Stadt Vechta ein Stipendium zugesprochen. Einen Monat lebt er nun in der Kreisstadt.

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Freut sich auf seine Zeit in Vechta: Artist in Residence Valentin Moritz. Foto: Technow

Freut sich auf seine Zeit in Vechta: Artist in Residence Valentin Moritz. Foto: Technow

Die Arbeitslosenquote ist niedrig, die Kinderzahl hoch. Gewählt wird die CDU und gearbeitet in oder für die Agrarbranche. Klischee oder Wahrheit? Ist Vechta so? Valentin Moritz (34) will sich damit auseinandersetzen. "Selbstkritisch und kritisch", schreibt er im Netz. Denn die Zahlen und Statistiken über Vechta seien zwar eindeutig, aber eben nicht alles. Der persönliche Eindruck zähle.

Der Wahl-Berliner Moritz ist der neue "Artist in Residence". Einen Monat wird er in der Kreisstadt bleiben, um Material zu sammeln für eine Art Gesellschaftsstudie, die in eine multimediale Lesung münden soll. Dies plane er in Form einer Erzählung, die er durch Audio- und Videodateien unterstützen wolle, sagt der 34-Jährige. Informationen zu den Fortschritten seiner Arbeit wird der Künstler dabei auf seinem Blog im Internet posten.

Seit 2013 gibt es das Kunstprojekt

Universität und Stadt Vechta schreiben seit 2013 jährlich ihr "Artist in Residence-Programm" aus. Junge Künstlerinnen und Künstler aus dem deutschsprachigen Raum können sich dafür bewerben; eine 5-köpfige Jury wähle den oder die Artist dann aus, sagt Katharina Genn-Blümlein, die beim „Artist in Residence“-Projekt (AIR) die Projektleiterin und Ansprechpartnerin für die Künstler ist.

Zwei Konstanten gibt es seit 2013: Der Bewerber oder die Bewerberin darf nicht älter als 35 Jahr sein. Und: Das Oberthema der Ausschreibungen sei stets „Vielfalt und Wandel“, erklärt Genn-Blümlein. Dazu werde jedes Jahr ein neues Unterthema festgelegt. Valentin Moritz hat sich daher mit „Vielfalt und Wandel – Auf dem Weg zu neuen Gemeinsamkeiten“ zu befassen. Spannend, versichert er. Denn was, wenn es gar keine Gemeinsamkeiten gebe? Oder wenn das Gemeinsame nicht nur positiv besetzt sei, weil es das Individuelle, das Diverse gar nicht mehr zulasse? "Ja, darüber lass mal reden, Vechta!", gibt sich Moritz als Auftrag.

Erster Kontakt zum OM kam durch seine Masterarbeit

Den ersten Kontakt zum Oldenburger Münsterland habe er durch seine Masterarbeit in Literaturwissenschaften gehabt, erzählt Moritz. Damals schrieb er über Schlachthöfe als literarische Szene. Auch durch sein Buch "Kein Held", in dem er seine Kindheit in Südbaden mit der seines Opas vergleiche, habe er sich viel mit der Landwirtschaft beschäftigt. Das Buch habe seinen Teil zu einer „Hassliebe mit landwirtschaftlichen Regionen“ beigetragen. Daher habe ihn auch das AIR-Projekt (Artist in Residence) sehr gereizt, so Moritz.

Tatsächlich kenne er vor allem die Klischees über die Stadt Vechta und die Region. Das, findet auch Genn-Blümlein, mache das Projekt so reizvoll. Es gehe darum, sich dem Blick eines Außenstehenden zu stellen. "Es ist oft interessant zu sehen, ob sich die Klischees, mit denen die Künstlerinnen und Künstler nach Vechta kommen, bewahrheiten oder nicht."

Moritz sucht die, die nicht im Mainstream mitschwimmen

Valentin Moritz, der – mit seinen Worten ausgedrückt – "in einer urigen einstigen Mühle auf Gut Welpe" ein Quartier auf Zeit bezogen hat, möchte nun herausfinden, wer die Leute sind, die in Vechta nicht die CDU wählen, die nicht katholisch sind oder die keine Kinder haben. Menschen, die nicht dem Mainstream entsprechen und anders denken. Denn tatsächlich gebe es da, wo viele Menschen lebten, keine Mehrheiten mehr. Oder anders: Die Mehrheit sei divers.

Ziel sei es, ein literarisches Werk zu erarbeiten, das die Ergebnisse aus Gesprächen mit den verschiedensten Menschen aus der Stadt Vechta zusammenfasst. "Ich freue mich auf die Zeit in Vechta und auf den Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern."

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