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Trotz Corona: Kulturschaffende üben sich in Optimismus

Bands und Chöre hoffen auf einen Probenbeginn im Herbst. Auch die Veranstaltungsplanung kommt in Gang und lässt auf Lesungen und Konzerte im dritten Quartal hoffen.

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Symbolfoto: Archiv

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Kulturell war 2020 ein verlorenes Jahr. Keine Proben, keine Auftritte und Aufführungen, keine Konzert-, Theater- oder Ausstellungsbesuche. Inzwischen regen sich erste Hoffnungen auf einen Neustart im dritten Quartal. Die MT hat bei Chören, Bands und dem Kulturkreis nachgefragt, wie sie das vergangene Jahr genutzt und welche Pläne sie haben.

Die Mitglieder der neu gegründeten Friesoyther Band Broken Fan haben die Arbeit während der Pandemie ins Internet verlegt. „Jeder arbeitet im Moment an eigenen Ideen“, erzählt Pianist Jan Niemann. „Auf unserem Server haben wir einen Ordner für Songideen, da kann man Sound- oder Textdateien hochladen und auch bearbeiten.“

Onlineproben nur mit hohem technischen Aufwand realisierbar

Wenn dann beispielsweise Gitarrist Julius Trippner eine Melodie hochgeladen habe, könne Sängerin Jantje Lindner Textvorschläge und ein anderes Bandmitglied seine Idee für ein Solo beisteuern. Das reiche aber nicht, um damit ganze Musikprojekte umzusetzen, denn gemeinsame Proben gebe es nun mal nicht, bedauert Niemann. Und Onlineproben seien nur mit so großem technischen Aufwand möglich, dass es sich nicht lohne.

„Zusammen geht nichts, jeder übt derzeit für sich alleine“, klagt auch Stefan Lübben vom Böseler Niedersachsen Sound Orchester (NSO). „Was uns geblieben ist, sind virtuelle Auftritte“, sagt er und erinnert an das Weihnachts-Video, das großen Anklang fand. Ansonsten seien die vergangenen zwölf Monate durch die Corona-Pandemie nahezu weggefallen. Der gesamte Verein sei auf Stand-by und fahre auf Sicht: „Es gibt weiterhin keine Planungssicherheit“. Testungen und zunehmende Impfungen lassen ihn jedoch hoffnungsvoll sein, „dass wir in absehbarer Zeit zumindest draußen wieder gemeinschaftlich mit allen Registern spielen können“.

„Wir wollen am 10. Dezember 2021 das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach aufführen.“Dr. Matthias Lamping, Motettenchor Friesoythe

Der Motettenchor Friesoythe lebte zu Beginn der Pandemie nach dem Prinzip Hoffnung. „Wir hatten anfangs gedacht, im September wieder mit den Proben anfangen zu können“, erzählt Chorvorstand Dr. Matthias Lamping. „Für Weihnachten 2020 und das Frühjahr 2021 hatten wir sogar Pläne geschmiedet.“ Vergebens natürlich, mehr als ein gemeinsames Singen im Stadtpark war nicht drin. Immerhin, drei virtuelle Stücke haben Mitglieder des Chores aufgenommen. Je eines davon zu Weihnachten und Ostern, eines als Geburtstagsständchen für Chorleiter Heinrich kl. Siemer.

Lamping hofft, dass die Zwangspause nach den Sommerferien ein Ende hat, denn der Chor hat sein nächstes Konzert bereits geplant. „Wenn wir Anfang September mit den Proben starten können“, sagt er, „wollen wir am 10. Dezember 2021 das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach aufführen.“

Impfungen lassen auf Proben noch in diesem Jahr hoffen

Vorsichtiger Optimismus auch beim Gemischten Chor Bösel. Zwar sei es unmöglich gewesen, das Chorleben während Corona aufrechtzuhalten, bedauert Chorleiter Dr. Josef Willer. Seit einem Jahr proben die Mitglieder nicht mehr, es gibt keine Auftritte, auch das Singen in der Kirche ist untersagt.

Dennoch ist Willer zuversichtlich, bald wieder mit seinen Mitgliedern singen zu können: „Viele Mitglieder gehören zur älteren Generation und sind hoffentlich zeitnah komplett geimpft“, sagt er. „Wenn dann vor den Proben noch jeder getestet wird, bin ich optimistisch, dass wir in diesem Jahr – natürlich unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen – wieder singen können“.

Terminverschiebungen waren problemlos möglich

Beim Kulturkreis Bösel-Saterland-Friesoythe schließlich richtet sich der Optimismus auf ein ganz konkretes Datum. „Wir wollen am 22. September eine Lesung mit Musik über das Buch `Aller Tage Abend´ von Jenny Erpenbeck machen“, erzählt Birgit Meyer-Beylage, die 2. Vorsitzende des Kunstkreises. „Eine Lesung lässt sich auch mit Abständen und einer begrenzten Zuhörerzahl am ehesten realisieren.“ Danach soll es, wenn Corona es denn zulässt, Schlag auf Schlag weitergehen: Am 13. Oktober steht eine Lesung von Sandra Lüpkes auf dem Programm, für den 3. November ist die traditionelle Buchvorstellung von Dorohée Grütering vorgesehen.

Der Kulturkreis hatte mit Aufkommen der Pandemie alle Veranstaltungen sukzessive auf neue Termine verschoben. „Das ging zum Glück problemlos, alle Künstler waren sehr verständnisvoll“, sagt Meyer-Beylage. „Wir hatten auch Abschlagszahlungen quasi als Vorschuss für den neuen Termin angeboten, aber davon hat tatsächlich niemand Gebrauch gemacht.“ Und so ist der kulturelle Veranstaltungskalender bis ins Frühjahr 2022 hinein bereits jetzt gut gefüllt.

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