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#Trikot-Lore – meine Obsession mit dem Fußballer-Dress

Kolumne: Irgendwas mit # – Klassisches Klischee: Frauen haben textilgewordene Heiligen-Schreine. Gilt aber nicht für Männer... Oh doch! Über meine Leidenschaft zu geschichtsträchtigen Stoff-Fetzen.

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Einer meiner Kleiderschränke ist in gewisser Weise ein textilgewordener Heiligen-Schrein. Doch im Holzwerk reihen sich auf weißen Bügeln keine Gucci-, Prada-, oder wie der ganze Firlefanz an überteuerten Stoff-Fetzen noch so heißt, auf. Nein. In meinem Konservatorium finden um die 30 Synthetik-Werke, größtenteils recycelt, wenn sie nicht aus einer Ära vor meiner Zeit stammten, ein Zuhause. Die Rede ist von Trikots. Fußball-Trikots.

Die Obsession begann etwa mit 9. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mein erster erworbener und beflockter Sportdress vom seinerzeit sagenumwobenen FC Bayern München stammt. Als Hamburger SV Fan ist das ein Offenbarungseid, der jedoch leicht zu relativieren ist. War’s doch der Spieler, der das Verlangen nach dem Leiberl bestärkte. Besagter Bixente Lizarazu ist eine Legende in der Tradition der Linksverteidiger – und als einer der letzten seiner Art positionsgetreu mit der Nummer 3 aufgelaufen. Ein Must-Have. Dann nahm die Geschichte ihren Lauf.

Das Resultat: "Irgendwo hast du sie auch nicht alle", erklingt’s öfter, wenn ich am Wochenende (oder gar unter der Woche) die Schiebetür zu meinem Tabernakel betätige, um mir ein Jersey überzustreifen, wobei das ein oder andere Exemplar über die Jahre, sagen wir, etwas eingelaufen sein dürfte. Dabei gibt es nichts Schöneres für mich, als die so unfassbar schlecht isolierten und überteuerten Stoffe mit Stolz sich an meinen teils unpässlichen Körper schmiegen zu lassen.

"Jetzt ist es bald so weit, dass ich einen ganzen Monat infolge nur in den bunten Leibchen verbringen könnte. Wohlgemerkt: Ich müsste fast keins der farbreichen Jerseys doppelt tragen. Wahnsinn? Mag sein. Aber da ist ja jeder anders."Max Meyer

Dabei war ich damals der festen Überzeugung, dem Jäger- und Sammlerdasein entsagt zu haben. Als meine Freunde noch mit Pokémon- oder Digimonkarten gespielt haben, hatte ich das Anhäufen von hömeligen Haufen bereits erfolgreich beendet. YuGiOh, Beyblade und wie der ganze andere Tinnef hieß: kein Thema. Bis ich mein erstes Lasogga-Trikot im Dress der Rothosen orderte. Ab dann: der Niedergang. Schlappe 26 weitere Trikots folgten – bis jetzt. Tja, die Geister, die ich rief. Und: Sag niemals nie!

Jetzt ist es bald so weit, dass ich einen ganzen Monat infolge nur in den bunten Leibchen verbringen könnte. Wohlgemerkt: Ich müsste fast keins der farbreichen Jerseys doppelt tragen. Wahnsinn? Mag sein. Aber da ist ja jeder anders.

Geschichte in einem Stück Stoff ––  unbezahlbar

Klar, die Welt des Kommerzes hat auch ihre Schattenseiten. Die milliardenschwere Marketing-Maschinerie hat gelebte Erinnerung und Emotion in Stoff gewebt. Und diese Reminiszenzen sollen mittlerweile knapp 100 Euro wert sein. Wucher. Opfer des Kapitalismus. Konsumkrank. Jaja, super Weltverbesser-Statements. Aber…

Das Schöne ist und bleibt: Diese Trikots von Ruud van Nistelrooy, Zinedine Zidane, Paul Scholes, Ryan Giggs und wie sie alle heißen, sind keine schnöden und in die Jahre gekommenen Stücke Polyester. Sie sind ein Stück Geschichte des Fußballs, an die ich mich gerne zurückerinnere. Oder auf die mich freue, wie das Ausweichtrikot von Ajax Amsterdam. Dann heißt es: Koste es, was es wolle. Für mich steht fest: Alle sind unbezahlbar.


Zur Person:

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