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Trauungen sind möglich – mit 6 Gästen

Obwohl keine Veranstaltungen stattfinden dürfen, kommt das Friesoyther Kulturzentrum Alte Wassermühle über die Runden. Nicht zuletzt, weil standesamtliche Trauungen stattfinden dürfen

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Jubiläum mit Abstand: Sabine Winnat ist seit 20 Jahren als „Mühlenwirtin“ das Organisationsgenie im Kulturzentrum Alte Wassermühle. Statt auf einer großen Feier gibt es Blumen und Urkunde vom Vereinsvorsitzenden Franz Kröger im kleinsten Kreis. Foto: Stix

Jubiläum mit Abstand: Sabine Winnat ist seit 20 Jahren als „Mühlenwirtin“ das Organisationsgenie im Kulturzentrum Alte Wassermühle. Statt auf einer großen Feier gibt es Blumen und Urkunde vom Vereinsvorsitzenden Franz Kröger im kleinsten Kreis. Foto: Stix

Geburtstagsfeiern? Konzerte? Lesungen? Alles Fehlanzeige. Mit Corona ist dem Friesoyther Kulturzentrum Alte Wassermühle ein Großteil der Geschäftsgrundlage und damit der Einnahmen weggebrochen. Alarmstimmung herrscht in der Mühlenstraße dennoch nicht. Auch dank der November- und Dezemberhilfen des Bundes.

„Ohne die wären wir vermutlich nicht durchgekommen“, sagt Sabine Winnat, die als „Mühlenwirtin“ den Laden am Laufen hält. „Denn die Kosten laufen natürlich weiter.“ Geholfen haben neben den Bundeshilfen auch der Unterhaltungskostenzuschuss der Stadt, die Stromeinspeisungen aus dem Wasserkraftwerk und nicht zuletzt die Trauungen. Die nämlich dürfen im Obergeschoss der Mühle weiterhin stattfinden.

46 Trauungen fanden 2020 in der Wassermühle statt

6 Gäste darf jedes Brautpaar mitbringen. Nicht viel, aber immerhin mehr, als im Trauzimmer des Rathauses möglich wären. „Davon profitieren wir natürlich“, sagt Winnat, schließlich fließe bei jeder Trauung ein wenig Geld für die Miete.

46 Trauungen fanden 2020 in der Wassermühle statt, fünf waren es bislang im laufenden Jahr. Weitere 31 sind bereits gebucht. Damit der Rahmen festlich bleibt, spielt Winnat ihr handwerkliches Geschick aus und streicht derzeit das gesamte Obergeschoss der Wassermühle neu. „Sabine ist irgendwie auch unsere Hausmeisterin“, kommentiert Franz Kröger, der 1. Vorsitzende des Mühlenvereins.

20-Jähriges kann wegen Corona nicht gefeiert werden

Ihm ist das coronabedingte Feierverbot aus einem ganz besonderen Grund ein echter Dorn im Auge. „Sabine ist jetzt genau seit 20 Jahren beim Mühlenverein beschäftigt und unser Organisationsgenie im Kulturzentrum“, sagte er. „Und eigentlich wollten wir das natürlich groß feiern.“

So bleibt es bei einer kurzen Laudatio mit Urkunde und Blumenstrauß im kleinsten Kreis und im Freien. „Deine freundliche und zuvorkommende Art im Umgang mit Menschen hat uns viele Sympathien eingebracht“, betont Kröger dabei. „Dein Herz schlägt für den Mühlenverein.“

"Seit der Caritas-Verein hier testet fragen viele Leute an, wann geöffnet ist und wo man den Termin buchen kann."Sabine Winnat, Mühlenwirtin

Für ein Glas Sekt zu dritt und mit Abstand bleibt allerdings trotz Jubiläum keine Zeit, denn die Mühlenwirtin hat genug zu tun. Auch in der Pandemie klingelt das Telefon kaum seltener als sonst. Terminabsagen, Buchungsanfragen und Abstimmungsgespräche für Trauungen sowie Rückfragen und Hinweise des Steuerberaters wegen der Hilfszahlungen machen einen Teil der Anrufe aus, der Rest dreht sich vor allem um das in der Wassermühle eingerichtete Corona-Testzentrum.

„Seit der Caritas-Verein hier testet fragen viele Leute an, wann geöffnet ist und wo man den Termin buchen kann“, erzählt Winnat. „Langeweile kriege ich jedenfalls keine, außerdem ist ja immer irgendwas zu reparieren.“

Versuch fehlgeschlagen, aber die Schnecke hat jetzt eine Beule

Eine Aussage, die Otto Hafkemeyer nur unterstreichen kann. Er kümmert sich im Mühlenverein unter anderem um die Wasserschnecke für die Stromproduktion und steht momentan vor einer bislang noch ungelösten Aufgabe: Nach einem Dumme-Jungen-Streich muss die Schmierstoffleitung der Schnecke erneuert werden.

„Drei Jungs sind dabei gesehen worden, wie sie einen Baumstamm in die Schnecke gesteckt haben“, erzählt Hafkemeyer. „Die wollten vermutlich experimentieren, ob man damit das Werk anhalten kann.“ Das Versuchsergebnis fiel negativ aus, trotzdem hat die Schnecke jetzt eine Beule.

Den 15 Zentimeter dicken Baumstamm haben König und Hafkemeyer inzwischen aus dem Wasserkraftwerk entfernt, die bei dem „Experiment“ abgerissene Schmierstoffleitung aber muss noch irgendwie ersetzt werden. „Das geht erst bei Niedrigwasser, wenn wir die Mühle abschalten“, erläutert Hafkemeyer. „Bis dahin müssen wir alle 14 Tage per Hand Schmierstoff nachfüllen.“ Irgendwas ist in der alten Wassermühle halt immer zu tun.

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